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Voller Idealismus leiten Klaus und Ute Opitz ihren Radiosender „Rintelner Rundfunk“

Als wenn sie 1000 Hörer hätten

RINTELN. „Wir haben uns unseren eigenen Beruf geschaffen“, sagt Klaus Opitz und blickt sich um im kleinen Studio vom „Rintelner Rundfunk“. So viele hoffnungsvolle Pläne und Projekte sind mit dem Radio verbunden, das es aussieht, als hätten sich Klaus Opitz und seine Frau Ute nicht nur den eigenen Beruf, sondern auch eine eigene Welt geschaffen.

veröffentlicht am 17.02.2019 um 15:34 Uhr
aktualisiert am 17.02.2019 um 17:40 Uhr

Voller Idealismus leiten Klaus und Ute Opitz ihren Radiosender „Rintelner Rundfunk“. Foto: cok
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. „Wir haben uns unseren eigenen Beruf geschaffen“, sagt Klaus Opitz und blickt sich um im kleinen Studio vom Rintelner Rundfunk. So viele hoffnungsvolle Pläne und Projekte sind mit dem Radio verbunden, dass es aussieht, als hätten sich Klaus Opitz und seine Frau Ute nicht nur den eigenen Beruf, sondern auch eine eigene Welt geschaffen.

In dieser Welt versorgt der Rintelner Rundfunk die Bürger ringsum nicht nur mit Musik, sondern auch mit allem, was zu einem gelingenden sozialen Leben dazugehört. Der Sender bietet Autorenporträts und Lesungen, dazu Berichte von Konzerten und Veranstaltungen samt Hinweisen darauf, ob es da barrierefrei zugeht. Er stellt Shanty-Chöre vor, promotet unbekannte Musiker und macht Werbung für das Projekt „Altersarmut in Rinteln“. Immer samstags läuft die Sendung „Liebesgeflüster“, von Ute Opitz moderiert.

Das Verrückte dabei: Obwohl das Radio rund um die Uhr sendet, kann man die Zuhörer an zwei Händen abzählen. Oder vielleicht sogar an nur einer Hand. Der Rintelner Rundfunk ist einzig über das Internet zu empfangen, mit Schlager- und Shanty-Kanälen richtet er sich überwiegend an ein älteres Publikum. Und das hört nur sehr selten Radio über Handy, PC oder ein Internet-Radiogerät.

„Trotzdem“, sagt Klaus Opitz, „wir moderieren so, als wenn wir Tausend Hörer hätten!“ Theoretisch könnte das auch so sein. Opitz lässt nichts unversucht, um das Radio bekannt zu machen. Der Sender ist gekoppelt mit Suchmaschinen wie radio.de oder TuneIn. Es gibt eine ganze Reihe von Webseiten, die zum „Rintelner Rundfunk“ gehören, darunter die Seite „Litera Tour“ mit Buchvorstellungen oderdie Seite „Auf großer Fahrt“ mit Porträts von über 30 deutschen Shanty-Chören. Auf Facebook erhielt der Rintelner Rundfunk immerhin schon über 1200 „Gefällt mir“-Klicks.

Doch Klaus Opitz weiß, wie viel oder wie wenig Zuhörer sie haben. Das kann man aus der Radio-Software ablesen. Auf der Webseite des Senders schreibt er mit entwaffnender Ehrlichkeit: „Uns erreichen immer wieder Fragen, warum wieso weshalb wir aufgrund der geringen Hörerzahlen den Rintelner Rundfunk nicht einfach schließen.“ Seine Antwort darauf zeigt, wie sehr er mit dem Radio verwachsen ist. „Wir sind wenig, aber dennoch mit Herzblut dabei und haben durch diese Beschäftigung wieder etwas mehr Spaß am Leben und mehr Teilhabe.“

Gegründet wurde das Radio bereits 2007 mit dem Namen „Jukebox“. Mit dabei war und ist Moderator „Jerry“, der aus Magdeburg die „Oldie-Truhe“ sendet. Im Jahr 2011 stieß Ute Opitz dazu, die ursprünglich aus dem Ruhrpott kommt und ihren Mann über das Internet kennenlernte. Alle drei sind gesundheitlich schwer behindert. Auch deshalb ist ihr Radio ein barrierefreies Radio, sowohl von einigen Themen her als auch mit dem Bemühen, immer mal wieder behinderte freie Mitarbeiter zu beteiligen.

Klaus Opitz stamt aus Rinteln, wo sich viele noch an seinen Großvater Gustav Wedhorn erinnern, der über Jahrzehnte der Platzwart vom SC Rinteln war. Opitz selbst entschloss sich schon früh, ein Leben als Schausteller zu führen. Er begann bei dem auf der Messe wohlbekannten Adolf Steuer, war dann im Schaustellerbetrieb von Harald Graf angestellt und arbeitete schließlich viele Jahre auf dem Bremer Freimarkt, bis zu einem schweren Unfall im Jahr 2002.

Sowohl seine Frau als auch er selbst leben von ihren Renten, der ergänzenden Grundsicherung und einem kleinen Zuverdienst. Alles Geld, was sie erübrigen können, stecken sie in ihr Radio. Und das kostet Geld, unter anderem wegen GEMA- und Lizenzgebühren. Auf keinen Fall wollen sie es sich nehmen lassen, jedem Studiogast einen kleinen Geschenkkorb zu überreichen, darin Becher und Mousepad mit Radio-Logo.

Das aktuelle Projekt von Klaus und Ute Opitz dreht sich um „Altersarmut in Rinteln“. Unzählige E-Mails haben sie dafür schon geschrieben, an Bürgermeister, Firmen und Pflegeeinrichtungen vor Ort. „Wir begegnen so vielen alten, armen, einsamen Menschen“, sagt Klaus Opitz. Sie erhoffen sich einen Spendenpool, der, etwas anders als bei der „Silvester-Initiative“, speziell alten Menschen zugutekommen soll. Davon, dass es bisher noch kaum Rückmeldungen gab, lassen sie sich nicht entmutigen.

Auf der Internetseite vom Rintelner Rundfunk findet man den Link zum Radio, zum Sendeplan und zum Altersarmut-Projekt, und auf der Facebook-Seite die Ankündigungen von Sendungen. Ehrenamtliche Mitarbeiter werden immer gesucht. Und möglichst viele Zuhörer.

rintelner-rundfunk.de/




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