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Ein ausgedörrtes Blumenbeet wird in einer Stunde verschönert

Anpflanzen, was andere wegwerfen

DECKBERGEN. Die Idee, erzählt Birgit Brinkmann, sei entstanden, als sie sich das Blumenbeet etwas genauer angeschaut habe. Weil es vor der Kapelle des Friedhofes liege, würde es wohl nur von Menschen angeschaut, die auf dem Weg zu einer Trauerfeier seien – und da habe das Beet selbst auch einen traurigen Anblick vermittelt. Das müsse nicht sein, befand die Deckbergerin und rief zu einer kleinen konzertierten Aktion auf, um das Beet zu bepflanzen.

veröffentlicht am 12.05.2019 um 14:35 Uhr
aktualisiert am 12.05.2019 um 18:40 Uhr

So geht das mit der Naturverschönerung: einfach anfangen. Birgit Brinkmann hat mit Helfern das Beet vor der Kapelle neu bepflanzt – vor allem mit Pflanzen, die andere weggeworfen haben. Foto: rnk
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Autor

Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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DECKBERGEN. Die Idee, erzählt Birgit Brinkmann, sei entstanden, als sie sich das Blumenbeet etwas genauer angeschaut habe. Weil es vor der Kapelle des Friedhofes liege, werde es wohl nur von Menschen angeschaut, die auf dem Weg zu einer Trauerfeier seien – und da habe das Beet selbst auch einen traurigen Anblick vermittelt. Das müsse nicht sein, befand die Deckbergerin und rief zu einer kleinen konzertierten Aktion auf, um das Beet zu bepflanzen.

Der heiße Sommer 2018 hatte den Inhalt des Beetes fast völlig absterben lassen. Und das war wahrlich sehr schade, denn dort strahlten und prahlten Berge-nien mit ihrer Schönheit.

Die Bergenie kann im Garten als verkanntes Genie eingestuft werden: Sie ist attraktiv in Blatt und Blüte, vielseitig, unkompliziert und verlässlich und noch dazu in wintergrünen Varianten erhältlich – aber sie galt jahrzehntelang als Schattenpflanze und wurde an wirklich dunklen Plätze unter Bäumen gepflanzt. Bergenien vertragen zwar lichten Schatten, entwickeln sich aber umso besser, je sonniger sie stehen. Ein paar Bergenien haben vor der Kapelle die trockenen Sommer- und Herbstmonate überlebt, dazu gepflanzt wurde von Birgit Brinkmann und drei Helfern nun, was sie selbst in den heimischen Gärten gefunden und ausgegraben hatten, sowie – weit wichtiger – mit dem, was sie in den pflanzlichen Abfällen des Friedhofes fanden.

Auch dabei liegt der Blick zurück nahe, denn früher galt bei dem einen oder anderen das Motto, dass man nichts vom Friedhof mitnehmen solle. Heute hat sich der Blickwinkel durchaus geändert: Man schenkt den Pflanzen, die andere in den Abfall geworfen haben, einfach mal ein zweites Leben. Auch der Buchsbaum galt einst als typische Friedhofspflanze, ehe er die Bauerngärten mit seinem Einzug neu definierte. Es ist – ganz nebenbei – schon erstaunlich, was sich unter den weggeworfenen Pflanzenabfällen so alles findet, obwohl die neue Saison auf dem Friedhof noch gar nicht begonnen hat, Stichwort: Eisheilige und ein viel zu kalter Mai.

Lang gedauert hat es nicht, nach gut einer Stunde konnte das Quartett die Gartengeräte wieder einpacken. Im Anschluss wurde noch abgesprochen, wer ab und an mal die Pflanzen vor der Kapelle gießt.

Brinkmann hatte das kleine Projekt zuvor dem Kirchenvorstand vorgestellt. Einwände gab es nicht, aber darüber hinaus gehenden Pflanzaktionen auf oder am Friedhof sind erst einmal nicht geplant.




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