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Kot in Davidstern beseitigt

Aufräumaktion am Steinzeichen: Haus der Religionen jetzt leer

Steinbergen. Dr. Peter Neumann war erschüttert, als er von den Zuständen auf dem Steinzeichen erfuhr. „Wir haben das mit viel Herzblut aufgebaut“, konstatiert er, in den Trümmern seines „vierten Kindes“, wie er es nennt. Bereits kurz nach Weihnachten hatte Neumann mit der tatkräftigen Hilfe seines Sohnes Michael den jüdischen Stein gereinigt, nachdem sich bisher unbekannte Täter inmitten des Davidssterns erleichtert haben.

veröffentlicht am 07.01.2019 um 17:03 Uhr
aktualisiert am 07.01.2019 um 18:40 Uhr

Aufräumarbeiten im vollen Gange – in Millimeterarbeit wurden die Steine durch die enge Tür bugsiert.

Autor:

Maurice Mühlenmeier
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STEINBERGEN. Peter Neumann war erschüttert, als er von den Zuständen auf dem Steinzeichen erfuhr. „Wir haben das mit viel Herzblut aufgebaut“, konstatiert er, in den Trümmern seines „vierten Kindes“, wie er es nennt.

Bereits kurz nach Weihnachten hatte Neumann mit der tatkräftigen Hilfe seines Sohnes Michael den jüdischen Stein gereinigt, nachdem sich bisher unbekannte Täter inmitten des Davidsterns erleichtert hatten. „Michael war sofort zur Stelle“, freut sich Neumann. In einer morgendlichen Hauruckaktion wurde der Kothaufen gesichert – und der Stein gereinigt. Im Anschluss platzierte Neumann eine Rose im Stein: „Eine gute Freundin bat mich darum.“ Doch damit sollte es nicht getan sein.

„Wir haben natürlich die Befürchtung, dass hier wieder alles verwüstet wird, nachdem wir aufgeräumt haben“, erklärt Michael Neumann. Kurzentschlossen hat der Medizinstudent seine Bekannten und Freunde aktiviert – kurz nach Jahreswechsel ging es dann los. Mit schwerem Gerät rückte die fünfköpfige Truppe an: Zwei Traktoren und ein Gabelstapler fanden am frühen Freitagmorgen ihren Weg aufs Steinzeichen.

Ein Fall für den Steinmetz: Ein tiefer Riss geht durch den buddhistischen Stein.
  • Ein Fall für den Steinmetz: Ein tiefer Riss geht durch den buddhistischen Stein.
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Die Steine, jeder nahezu 400 Kilogramm schwer, wurden in Millimeterarbeit aus der Tür manövriert und auf Europaletten gesichert. Die Verwüstung haben die meisten Steine gut verkraftet: „Nur der Buddha ist gesprungen“, bedauert Michael Neumann. „Kein Problem“, befindet sein Vater: „Das kann man leicht wieder kleben.“

Auch Josef Wärmer, geistiger Vater der Erlebniswelt, ist froh über den Abtransport der Steine. „Das Ganze hier wurde generalstabsmäßig geplant und durchgeführt“, so Wärmer mit Blick auf die Truppe von Freiwilligen. Die würden jedoch nicht leer ausgehen – sowohl Brötchen als auch Getränke standen bereit, und als besondere Belohnung überreichte Peter Neumann jedem Helfer eine kleine „Aufwandsentschädigung“. Mit freundlicher Unterstützung durch die Sparkasse Schaumburg, wie Neumann verrät. Doch nicht nur die Steine werden vor weiterer Vernichtung und Diebstahl bewahrt: Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wurde aufgeladen: Sitzbänke, Schränke, Lampen und Beleuchtung. „Die hochwertige Tonanlage, die hier gelagert wurde, wurde natürlich gestohlen“, bedauert Neumann.

Wo das Inventar eingelagert wird, bleibt indes geheim. Und auch die Zukunft der Steine ist noch ungewiss. „Wir wären natürlich froh, wenn wir sie eines Tages wieder hier aufstellen können – im Sinne einer entsprechenden Nachnutzung“, so Neumann. Angesichts der unklaren Zukunft des Steinzeichens lege man sich aber nicht fest. „Immerhin habe ich jetzt eine Sorge weniger“, so Neumann.




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