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Andreas Behrens’ Oase wird vom Verkehr umtost

Bananen und Schafe an der Steinberger Kreuzung

STEINBERGEN. Es ist eine grüne Idylle, ein Zaubergarten mit verschlungenen Wegen, der immer überraschende neue Ausblicke eröffnet, dazwischen Sitznischen. Und hier wachsen sogar Bananenstauden. Es ist eine Oase. Eigentlich. Wäre da nicht die Kreuzung von B 83 und B 238 und der Landesstraße 442 direkt vor der Haustür.

veröffentlicht am 20.08.2018 um 14:50 Uhr

Die Lastzüge fahren bei Andreas Behrens direkt am Garten vorbei. Foto: wm
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Hans Weimann Reporter
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STEINBERGEN. Andreas Behrens erzählt, als er sich vor 40 Jahren Haus und Grundstück Arensburger Straße Nr. 2 gekauft hat, hätte er sich das Ausmaß des Verkehrs nicht vorstellen können, der heute über die Kreuzung rollt.

Niemand konnte das. Selbst Fachleute mussten im Laufe der Jahre ihre Statistiken der Verkehrsströme und Verkehrsbelastung immer weiter nach oben korrigieren.

Vor allem der Schwerlastverkehr habe in Steinbergen dramatisch zugenommen, schildert Behrens. Er zweifle inzwischen, ob die von der Verkehrsbehörde wie der Bürgerinitiative (BIOS) genannte Zahl von 23 000 Fahrzeugen, die pro Tag über die Kreuzung rollen sollen, tatsächlich stimmt. Seinem Gefühl nach seien es deutlich mehr, seit es fast jeden Tag Unfälle auf der A 2 gibt und Lastzüge auf die Bundesstraße ausweichen.

Die Bananenstauden, die auch Früchte tragen, sind übermannshoch, zeigt hier Alexandra Dippe. Foto: wm
  • Die Bananenstauden, die auch Früchte tragen, sind übermannshoch, zeigt hier Alexandra Dippe. Foto: wm
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Verschlechtert habe sich die Situation seit April dieses Jahres zusätzlich durch den Ausbau der Kreuzung mit Betonplatten. Begründet worden war das von der Verkehrsbehörde mit dem Argument, Beton sei haltbarer. Doch mit dem Beton, betont Behrens, sei die Lärmbelastung noch einmal deutlich angestiegen. Da die Betonplatten nicht gleichmäßig verlegt sind, die Höhenunterschiede zwischen den Platten Zentimeter betragen, werde das ganze Haus erschüttert, vor allem wenn Lastzüge nachts vorbeidonnern. Das erste Mal habe er gedacht, jetzt gibt es ein Erdbeben.

Behrens kann sich heute nur e i n e Lösung für die Verkehrssituation im Dorf vorstellen: Einen Tunnel, der in Deckbergen in die Erde geht und vor der Autobahnauffahrt wieder herauskommt. Damit würde man gleich drei Dörfer beruhigen: Steinbergen, Deckbergen und Westendorf.

Alle anderen vorgestellten Trassenentwürfe hätten nur mehr Landschaftszerstörung zur Folge, oder der Verkehr würde in andere Wohngebiete verlagert.

Arensburger Straße Nr. 2, das ist das ehemalige Forsthaus von Steinbergen. Dahinter liegt ein 1500 Quadratmeter großer Garten, um den sich vor allem drei Damen kümmern: Alexandra Dippe, Mirjam und Anke Behrens. Und die drei haben, wie man landläufig so schön sagt, „einen grünen Daumen“. Es ist ein Garten, den Behrens alljährlich zum „Tag der offenen Pforte“ für Besucher zugänglich macht, so auch in diesem Jahr.

Denn neben all den Pflanzen, die man gemeinhin aus Zier- und Nutzgärten kennt, wachsen hier auch Exoten wie ein Mammutbaum, indisches Blumenrohr (Canna), das im Schafstall überwintert, Baumtomaten, Hanfpalmen, Wein, Zitruspflanzen und Feigen. Dazu 16 verschiedene Bananensorten, darunter über mannshohe Stauden mit kleinen Früchten. Vor neun Jahren, erzählt Alexandra Dippe, habe man die erste Banane gepflanzt. Weil man im Winter die riesigen Stauden nicht mehr unter ein Dach bringen kann, bekommen sie ein Drahtgeflecht drum herum, halb gefüllt mit Mulch, und werden zusätzlich mit einer Folie geschützt. Im Sommer brauchen die großblättrigen Bananen viel Wasser, das kommt aus einer Regenwasserzisterne.

Andreas Behrens hat bundesweit einen Namen als Züchter von Kamerunschafen. Im Vorjahr hat der Verein bei ihm das 40-jährige Bestehen gefeiert. Behrens selbst züchtet seit 1985. Heute hält er etwa 35 Tiere, darunter prämierte Zuchtböcke.




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