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Räder für soziales Lernen

BBS-Schüler radeln zu Klimaschutz-Projekten

RINTELN. Es ist ein ungewöhnlicher Sportunterricht, den die Berufseinsteigerklasse der Berufsbildenden Schulen (BBS) absolviert: Fahrradtouren mit den 15 schuleigenen Mountainbikes. Jetzt werden die Räder auch bestiegen, um im Rahmen eines Klimaschutz-Projekts Ausflüge zu machen. So funktioniert das ungewöhnliche Projekt:

veröffentlicht am 13.05.2019 um 12:39 Uhr
aktualisiert am 13.05.2019 um 17:40 Uhr

Diese Schüler der Berufsbildenden Schulen Rinteln machen hier nicht nur Sport, sondern auch Ausflüge im Rahmen eines Klimaschutz-Projekts. Hier besichtigen sie das Rintelner Klärwerk. Foto: pr.
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. Es ist ein ungewöhnlicher Sportunterricht, den die Berufseinsteiger-Klasse der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Rinteln immer wieder absolviert: Fahrradtouren mit den 15 schuleigenen Mountainbikes. Jetzt werden die Räder auch bestiegen, um im Rahmen eines Klimaschutz-Projekts Lern-Ausflüge zu machen.

Die Räder mit dem auffälligen roten BBS-Logo an den Speichen sind für die Schule noch viel wertvoller als ihr Anschaffungspreis von 500 Euro pro Stück, gespendet im vergangenen Jahr unter anderem von der Sparkasse Schaumburg und der Bürgerstiftung Schaumburg. „Für uns spielen die Räder eine wichtige pädagogische Rolle“, betont Lehrer Ulrich Kuhnert. „Die Schüler und Schülerinnen kommen sportlich in Bewegung. Sie übernehmen außerdem Verantwortung für ihre Mountainbikes, und sie lernen bei den Touren Rintelns Umgebung auf neue Weise kennen.“

Die Berufseinsteiger-Klassen an der BBS setzen sich zusammen aus Jugendlichen, die bisher noch keinen Schulabschluss besitzen und von denen viele schon fast aufgegeben hatten, in Schule oder Ausbildung etwas zu erreichen. Das Schuljahr, das sie absolvieren, dient gar nicht so sehr dem inhaltlichen, sondern vielmehr dem sozialen Lernen. In der Metallwerkstatt etwa oder im Sportunterricht geht es auch darum, die Grundvoraussetzungen für berufliche Bildung zu schaffen: Es geht um Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Engagement und das Erkennen der eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten.

Hier besuchen die BBS-Schüler die Auenlandschaft in Hohenrode. Das Ziel des Projekts: Über Umweltschutz lernen, die Gegend kennenlernen, und so viel mehr. Foto: pr.

Gemeinsam mit Ulrich Kuhnert und dem Sozialpädagogen Stefan Zaja machten die Jugendlichen bisher unter anderem Touren zum Stemmer See oder zur Weserbrücke in Steinbergen. Sie radelten in den Findlingspark von Möllenbeck, zur Fähre Großenwieden oder ins Gebiet der Auenlandschaft Hohenrode. Das dient nicht nur der Schulung des verkehrssicheren Umgangs mit den Rädern oder dazu, das Tragen von Fahrradhelmen selbstverständlich werden zu lassen, sondern soll den Schülern insgesamt nahebringen, das Rad als klimafreundliches Verkehrsmittel zu nutzen.

Kuhnert ist der „Klimaschutzbeauftragte“ der BBS und vertieft nun den Einsatz der Mountainbikes hin zu Unternehmungen innerhalb seines Klimaschutz-Projekts, das kürzlich mit einem Besuch im Rintelner Klärwerk begann. Dort erfuhren die Schüler einiges über den Gewässerschutz. Sie untersuchten Mikroben unter dem Mikroskop und staunten, dass das gereinigte Wasser nicht etwa direkt in die Haushaltsleitungen fließt, sondern zurück in die Weser geleitet wird.

Die nächste Klimaschutztour führt zu Dirk Adomat und seinen Bienen in Hessisch Oldendorf. Auch die Biogasanlage von Oliver Nacke, der sich im Naturschutzbund engagiert, steht auf dem Programm, ebenso wie weitere klimarelevante Ziele zu Themen wie etwa Artenschutz oder Müllentsorgung. „Diese Art von Unterricht kommt den Schülern sehr entgegen und macht ihnen auch richtig Spaß“, so Kuhnert.

Demnächst werden sie einen neuen Fahrradschuppen bauen. Außerdem reparieren sie die Räder selbst, wobei die Kosten dafür durch den Verkauf von ihren Metall-Kunsthandwerkstücken bestritten werden. „Da entsteht eine ‚Kultur der Reparatur‘, die natürlich auch ins Klimaschutz-Projekt passt“, sagt Sozialpädagoge Zaja. „Es geht um Nachhaltigkeit und einen respektvollen Umgang mit den Dingen.“ Die Schüler seien stolz auf ihre Räder und würden sich damit identifizieren.

Bis jetzt müssen Klassen, die den Fahrrad-Fuhrpark nutzen, meist noch geteilt werden. Deshalb hoffen Kuhnert und Zaja, dass die BBS die Möglichkeit erhalten, sieben weitere Räder anzuschaffen – und dazu einen Fahrradanhänger für Müllsammeltouren. Es sei auch im Sinne einer Wertschätzung der Schüler, dass sie neue Räder nutzen können, für deren Erhalt sie dann selbst zuständig seien.

Insgesamt, so schlussfolgert Kuhnert, sei dieses Projekt „eines der auch sozialpädagogisch erfolgreichsten Projekte“ für die Berufseinsteiger-Klassen.




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