weather-image
SPD Kleinenbremen weist nach Unglückssprengung auf Versäumnisse rund um den Steinbruch hin

Bei der „Barbara“ noch einiges mehr im Argen

Bückeburg/Nammen (rc). Das Sprengunglück im Steinbruch der „Barbara“-Roh- stoffwerke in der vorvergangenen Woche (wir berichteten) hat zu einer erheblichen Unruhe in der Bevölkerung geführt. Nach eigenem Bekunden hätten den SPD Ortsverein Kleinenbremen/Wülpke mehr als ein Dutzend Anfragen, Beschwerden und Anregungen erreicht. Grund genug für die SPD, um ihren Vorsitzenden Rainer Besser zu einer Bürgerversammlung einzuladen, sobald die Untersuchungsergebnisse von Staatsanwaltschaft und Aufsichtsbehörden vorliegen. Und Grund auch, die „Barbara“ auf Versäumnisse hinzuweisen, die damals im Zusammenhang mit der Sanierung des Bergkamms und des Steinbruchs gemacht worden sind. Die SPD Kleinenbremen: „Zwar wollen wir die Vergangenheit ruhen lassen, das bedeutet aber keinen Persilschein für die Zukunft.“

veröffentlicht am 14.07.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 10:41 Uhr

Das Anwesen, das bei der Sprengung beschädigt wurde. Die Wiese d

Die Steinschläge durch eine massive Sprengung hätten zahlreiche Anlieger zum Anlass genommen, viele weitere Missstände im Bereich des Tageabbaues kritisch zu hinterfragen. In einer Fotodokumentation hat Dietrich Müller Prasuhn alle Kritikpunkte zusammengestellt. Nach Aussage der Anwohner habe es zum Beispiel vor der Unglückssprengung keinerlei akustische Warnsignale gegeben, wie sie früher üblich waren. Obwohl laut Aussage der Rohstoffbetriebe auch in Zukunft Sprengungen über Tage vorgesehen seien und obwohl in unmittelbarer Nähe Wanderwege an dem Gelände vorbei führen, gebe es schon seit langer Zeit keine Warnschilder mehr, die auf Sprengungen, Steinschlaggefahr oder Signale hinweisen.

Die umliegenden landwirtschaftlich genutzten Wiesen seien übersät mit Gesteinsbrocken, die zu Schäden zum Beispiel an den Mähwerken führen werden. Auch stelle sich die Frage ob es überhaupt notwendig sei, solch massive Sprengungen mit 92 Bohrlöchern und vier Tonnen Sprengstoff durchzuführen. Man müsse vermuten, dass der Betrieb ohne Rücksicht auf die Umgebung das Gestein aus Kostengründen regelrecht „klein schießt“, um weitere Arbeitsgänge zu vermeiden.

Inzwischen mehre sich in der Bevölkerung der Verdacht, dass die jahrzehntelangen massiven untertägigen Sprengungen dazu geführt haben könnten, dass im Bereich Nammen / Wülpke / Kleinenbremen die Schmutzwasserleitungen sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich stärker als in anderen Bereichen der Stadt in Mitleidenschaft gezogen wurden und die Bürger sowie die Steuerzahler nun für diese Schäden aufkommen müssten, so die SPD weiter.

270_008_4137485_bbombef1_2.jpg

Ein weiterer Kritikpunkt ergebe sich aus der Tatsache, dass etwa 4000 Tonnen Klärschlamm auf der „Wülpker Egge“ eigentlich nur „zwischengelagert“ werden sollten, nun aber offensichtlich in der Bodendeponie verschwunden seien. Inzwischen sollen pro Jahr etwa 20 000 Tonnen Asche aus dem Kohlekraftwerk Lahde auf der „Wülpker Egge“ verbaut werden. Da in dem Betriebsplan lediglich eine Bodendeponie zugelassen sei, werde diese Asche laut Betreiber nicht deponiert, sondern es würden damit Wälle zum Schutz der Feuchtbiotope gebaut werden.

Das sei eine „unerhörte Verdummung der Bevölkerung“, so Dieter Lichte, Pressesprecher des Ortsvereins, zu diesen Vorgängen. Die vielen Rekultivierungspläne der Vergangenheit seien das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind. In regelmäßigen Abständen würden der Bevölkerung „neue, schöne, bunte Pläne“ vorgelegt, die für die Zukunft eine blühende Landschaft in diesem Bereich vorgaukeln sollen. Kaum habe sich ein kümmerliches Biotop entwickelt, werde ein neuer Plan vorgestellt und die neu entstandenen Rückzugsgebiete für Flora und Fauna würden mit „irgendwelchen als harmlos deklarierten Schlämmen oder Kraftwerksrückständen wieder zerstört“, moniert der ehemalige Portaner Ratsherr und Vorsitzende des Kleinenbremer Bezirksausschusses. Um „diese Augenwischerei gegenüber der heimischen Bevölkerung zu beenden, solle sich der „sogenannte“ Rohstoffbetrieb doch als Entsorgungsbetrieb zu erkennen geben. Die „Wülpker Egge“ sollte ehrlicherweise nicht als Biotop sondern als „Abfalldeponie“ bezeichnet werden, wie es den heutigen Tatsachen entspräche, so die Genossen aus Kleinenbremen und Wülpke.

Kein Schild mehr warnt Wanderer und Passanten vor möglichen Gefahren der Sprengungen.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare