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Vier Tage essen nur mit Strohhalm

Bei Zahnarzt platzt während einer Zahnbehandlung die Lampe

RINTELN. Eine Szene wie aus einem Horrorfilm: Man liegt mit offenem Mund im Zahnarztstuhl. Der Zahnarzt hat gerade den Backenzahn aufgebohrt, will die Füllung einbringen, da platzt die Lampe über dem Kopf. Heiße Glassplitter fliegen herum, fallen in den Mund, in den Rachen.

veröffentlicht am 06.06.2019 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.06.2019 um 18:30 Uhr

Licht an: Für die Behandlung braucht der Zahnarzt zumeist zusätzliche Beleuchtung. Symbolbild: dpa
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Hans Weimann Reporter
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Zum Glück hat man die Augen geschlossen. Glas in den Augen – das wäre die absolute Katastrophe.

So passiert in einer Rintelner Zahnarztpraxis: Der betroffene Mann aus Rinteln erlitt Verbrennungen im Gesicht, im Mund und an der Zunge. Gerade auf der empfindlichen Schleimhaut im Rachenraum und auf der Zunge ist das eine extrem schmerzhafte Sache.

Der Verletzte konnte sich vier Tage nur mithilfe eines Strohhalms ernähren, also flüssig. Die Schmerzen hielten mehr als 14 Tage an.

Der Zahnarzt hatte nach dem Unfall den Backenzahn provisorisch aufgefüllt und den Verletzten vorsorglich noch zu einer Augenärztin geschickt. Diese verschrieb eine antibiotische Salbe.

Stellte sich die Frage, wer bezahlt den Schaden? Die Zahnarztpraxis ist selbstverständlich versichert, nämlich bei der Deutschen Ärzteversicherung in Köln. Deshalb sah es zunächst so aus, als wäre das problemlos zu regeln.

Der Unfall geschah im März. Das Schreiben der Versicherung an den Geschädigten folgte im Mai. Und damit änderte sich alles. Denn die Kölner Versicherung schrieb: Das Leuchtmittel der Behandlungslampe sei „erst kurz vor dem Unfallereignis“ erneuert worden. Es sei also davon auszugehen, dass hier „ein Mangel an dem Leuchtmittel“ vorgelegen habe, für das die Arztpraxis keine Verantwortung trage.

Woraus folgt: Die Versicherung sieht sich nicht in der Pflicht zu zahlen. Der Geschädigte holte sich jetzt deshalb rechtliche Hilfe beim Rintelner Rechtsanwalt und Fachanwalt für Versicherungsrecht Thomas Grell.

Für Grell ist der Verweis der Versicherung auf eine Produkthaftung (der Leuchtmittelhersteller ist schuld) vor allem deshalb fragwürdig, weil sein Mandant kaum beweisen könne, dass das Leuchtmittel von vornherein schadhaft war. Ein Leuchtmittel, das in seine Einzelteile zerfallen und teilweise bereits entsorgt worden ist. Grell: „Wie soll man da einen Materialfehler am Leuchtmittel noch feststellen können?“

Für Grell ist damit weder der Zahnarzt noch dessen Versicherung von einer Haftung befreit. Der Anwalt betonte, gerade eine Zahnarztpraxis sei ein besonders sensibler Bereich. Viele Patienten hätten vor einer Zahnbehandlung Angst.

Ein Patient dürfe grundsätzlich davon ausgehen, dass eine Praxiseinrichtung so ausgestaltet ist, dass er nicht zu Schaden kommt, schon gar nicht während der laufenden Behandlung. Den Arzt treffe da eine besonders hohe Verkehrssicherungspflicht, so Grell. Wenn während der Behandlung eine Lampe platzt, deute das darauf hin, dass „dieses Hilfsmittel nicht oder jedenfalls nicht ordnungsgemäß auf seine jederzeit fehlerfreie Funktion überprüft worden ist“.

Grell schilderte, da stellten sich sofort Fragen wie: Hat der Zahnarzt das Leuchtmittel richtig eingesetzt? War vielleicht das Leuchtmittel unterdimensioniert und ist dadurch zu heiß geworden? Hätte der Unfall bei einer vorherigen längeren Funktionsprüfung der Lampe vermieden werden können?

All das teilte Grell jetzt der Deutschen Ärzteversicherung in Köln mit und wartet nun auf eine Antwort. Es ist ein Fall, der Patienten, die wo auch immer sie behandelt werden, betreffen könnte. Grell: „Stellen Sie sich nur einmal vor, sie liegen bei einem Physiotherapeuten auf der Liege. Die Liege bricht unter ihnen zusammen. Sie verletzen sich – und der Therapeut sagt: ‚Kann ich nicht begreifen, die Liege ist nagelneu, die habe ich erst vor zwei Tagen gekauft.’“




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