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Stadt: Diebstähle von Grabschmuck melden

Blumendiebe auf dem Friedhof ängstigen ältere Leute

RINTELN. Wie eine große, farbenfrohe Gartenlandschaft wirkt der Seetorfriedhof zurzeit. Nicht nur Blumensträuße, auch bepflanze Schalen und ganze Blumenbeete schmücken viele der Gräber. Genau das aber verführt immer wieder zu dreistem Pflanzen-Diebstahl.

veröffentlicht am 06.06.2018 um 14:37 Uhr
aktualisiert am 06.06.2018 um 17:30 Uhr

Pflanzlicher Grabschmuck ist nicht selten Ziel von rücksichtslosen Dieben. Foto: cok
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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„Wir werden jeden Diebstahl zur Anzeige bringen“, das betont die Stadt und fordert dazu auf, solche Vorfälle bei der Friedhofsverwaltung zu melden.

Kai-Uwe Wente vom Baubetriebshof und zuständig für den Friedhof, hat schon manches Mal alten Damen gegenübergestanden, die ihm von Diebstählen auf dem Familiengrab berichteten. „Es bewegt mich sehr, wenn jemand dann weint und es nicht fassen kann“, sagt er. Manche erzählen ihm, sie hätten geradezu Angst, sich ihrem geschmückten Grab zu nähern und dann vielleicht sehen zu müssen, dass die Blumen weg sind. „Es ist ja weniger der materielle Schaden, der die Menschen bekümmert“, sagt er. „Es ist die Respektlosigkeit, die einen besonders trifft, wenn man ja sowieso schon traurig ist.“

Genau so ist es kürzlich Johanna Berger-Otte ergangen, die ihre Mutter beerdigen musste und am nächsten Tag feststellte, dass ein Blumenstrauß und dazu eine bepflanzte Schale verschwunden waren, Schmuck, den Trauergäste mit ans Grab gebracht hatten. „An der Schale waren sogar Grußschleifen dran“, sagt sie. „Die haben die Diebe wohl abgerissen.“ Als sie davon im Freundeskreis berichtete, erfuhr sie von ähnlichen Erlebnissen. Eine Freundin erzählte, dass sie die Blumen, die sie auf ein Kindergrab gelegt hatte, wenig später auf einem ganz anderen Grab wiederfand.

Silvia Wächter, im Rathaus Ansprechpartnerin für Friedhofsangelegenheiten, geht davon aus, dass die meisten Grabräubereien von Leuten begangen werden, die kein Geld für eigenen Blumenschmuck ausgeben wollen. Johanna Berger-Otte vermutet, dass der Blumenstrauß von ihrem Grab vielleicht einer Mutter geschenkt wurde. „Die Beerdigung war zwei Tage vorm Muttertag.“

Die Stadt bepflanzt selbst Beete auf dem Friedhof, und auch dort verschwinden immer mal wieder Pflanzen. Sie werden ausgebuddelt und samt Wurzeln mitgenommen. Blumendiebstahl sei zwar nicht der Regelfall. „Aber auf einem Friedhof wiegt das natürlich schwerer als auf einem Blumenbeet im Park“, meint Wente. „Diese Leute vergessen, dass sie die Angehörigen damit wirklich verletzten können.“

Pastor Heiko Buitkamp, zu dessen reformierter Jakobikirche der kleine Friedhof in der Ost-Contrescarpe gehört, hat zum Glück bisher nichts von solchen Diebstählen gehört. „Bei uns geht es ja gewissermaßen familiär zu und jeder kennt jeden“, sagt er. „Das wäre so, als würde man die Blumen aus Nachbars Garten rauben.“ Er kennt nur das Problem, dass manchmal unangemessener Müll in der Abfallecke des Friedhofs entsorgt wird. „Das ist auch nicht schön“, meint er, „aber wenigstens kränkt man damit nicht die Gefühle anderer Menschen.“




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