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Zuschusspolitik des Ortsrats in der Kritik

Braucht der Förderverein der Grundschule wirklich Fördergeld?

STEINBERGEN. Bekommt der Förderverein der Steinberger Grundschule zu Unrecht Zuschüsse aus dem Ortsrat? Diese Meinung vertrat zumindest Markus Witt, Verwaltungsstellenleiter in Steinbergen, am Ende der letzten Sitzung des Ortsrates.

veröffentlicht am 11.03.2019 um 16:12 Uhr
aktualisiert am 11.03.2019 um 19:40 Uhr

190 Euro für eine Schule, die so nicht mehr existiert? Foto: momo

Autor:

Maurice Mühlenmeier
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STEINBERGEN. In der Sitzung, die auch die Vergabe von Fördermitteln behandelte, wurde der „Förderverein der Grundschule Steinbergen“ mit 190 Euro aus dem Fördertopf bedacht. Bei insgesamt neun geförderten Posten und einer Gesamtfördermenge von 3384 Euro ein augenscheinlich geringer Betrag.

„Dieses Geld fehlt den anderen Vereinen“, beklagt Witt. Der Knackpunkt: „Die öffentliche Schule, die Steinberger Grundschule, für die der Förderverein gegründet wurde, existiert nicht mehr.“ Witt erschließe sich nicht, warum der Förderverein mit öffentlichen Geldern unterstützt werden müsse, die beispielsweise ein Sportverein in seine Jugendarbeit investieren könne.

Überhaupt seien Fördergelder an den Verein ein neues Phänomen: „Keine Fraktion im Ortsrat hat in den Jahren zuvor auch nur erwogen, den Förderverein finanziell zu unterstützen“, so Witt. „Das ist erstmals 2017 diskutiert worden.“ Da war die Schule schon lange Geschichte, der Einzug der einer freien Schule im Gespräch.

Augenscheinlich ist Witts Argumentation nachvollziehbar. Es gibt keine Schule in Steinbergen, und das Geld aus dem Steinberger Fördertopf fließt nach Deckbergen – dort würde dann ohnehin nicht mehr zwischen Steinberger und Deckberger Kinder unterschieden.

Auch in der Ortsratssitzung stieß das dem ein oder anderen sauer auf. Es stelle sich schon die Frage nach der Sinnhaftigkeit zweier Fördervereine, deren Mittel zumindest dem selben Standort zugutekommen.

Witt ist sich auch sicher: „Der Verein steht finanziell auf stabilem Boden“, die Förderungen des Ortsvereins seien also ohnehin nicht notwendig.

Kein gutes Argument, wie der 2. Vorsitzende und Ortsbürgermeister Sascha Gomolzig bekundet: „Auch Feuerwehr und TSV sind nicht insolvent und werden vom Ortsrat gefördert“, so Gomolzig. „Man kann finanzielle Eigenmittel eines Vereins nicht als Maßstab für die Förderungswürdigkeit ansetzen.“

Auch das die Förderung erst seit kurzem erfolge, kann Gomolzig nicht gelten lassen: „Auch das ‚Frühstück für Jedermann‘ wird erst seit wenigen Jahren vom Rat gefördert.“ Da gäbe es ja auch keine Beschwerden.

„So oder so, das Geld des Vereins bleibt im Ort“, erklärt Gomolzig mit Blick auf die Satzung. „Selbst wenn der Verein sich auflösen würde, gingen die Gelder an die Kirchengemeinde.“ Auch der Einzug einer Schule mit privater Trägerschaft im alten Steinberger Schulgebäude betreffe den Förderverein nicht.

„Es werden mit den Mitteln des Vereins kein Gebäude gefördert, sondern die Kinder. Und die sind nach wie vor da, nur an einem anderen Standort.“ Mit dem Förderverein der Grundschule Deckbergen gäbe es interne Absprachen, meist würde 50:50 gefördert - sprich bei einer Anschaffung über 500 Euro zahlen beide Fördervereine je 250.

Zwar habe es auch Gespräche gegeben, die entsprechenden Fördervereine zu fusionieren, doch pochten beide Vereine auf ihre Unabhängigkeit. Langfristig wäre auch die Deckberger Grundschule froh, gäbe es nur noch einen Förderverein. „Deswegen müssen und werden wir eine andere Lösung finden“, so Gomolzig. Im Zuge dessen habe es zuletzt Gespräche gegeben. „Im Sommer wird es dann eine Veränderung geben, mit der alle zufrieden sein können, eine Veränderung ‚Pro Steinbergen‘.“ Mehr könne man dazu derzeit aber nicht sagen, auch aus Rücksicht vor den Mitgliedern des Vereins.




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