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40 Jahre unfallfreies Brückentor

„Brüxit“: Karneval zum letzten Mal im alten Brückentorsaal

RINTELN. Eine Prunksitzung, die mit einer „Sicherheitsbelehrung“ beginnt, das wird es wohl nur einmal und nie wieder geben: „In wenigen Minuten starten wir zu unserer letzen Reise im Brückentorsaal“, verkündete Petra Stöckl im Stewardessenkostüm.

veröffentlicht am 24.02.2019 um 15:01 Uhr
aktualisiert am 24.02.2019 um 21:11 Uhr

Die Karnevalisten nehmen Abschied vom Brückentorsaal. Foto: tol
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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Die bevorstehende Schließung des Saales aus Brandschutzgründen und die aktuellen Sicherheitsbestimmungen prägten auf manchmal bittere Weise die Karnevalsfeier des Rintelner Carnevalvereins (RCV).

Nach Scherzen wie: „Alle Türen stehen offen, da kommen Sie schneller zur Toilette“ oder „Don’t smoke, die Sitzung wird heiß genug“ folgten klare Zuweisungen, wer Schuld habe daran, dass ein Brandschutzgutachten die, möglicherweise endgültige, Schließung des Saales fordert: „Fragen Sie unseren Bürgermeister. Der hat uns das alles eingebrockt.“

Letzteres kam von Elferratspräsident Hans-Hermann Stöckl, der zum ersten Mal seit 20 Jahren nicht mehr als „Nachtwächter“ die Büttenrede hielt, es sich aber trotzdem nicht nehmen ließ, bissige Anmerkungen unter die „Narrhallesen“ zu bringen. Über die „Brandgefahr“ konnte er nur höhnisch lachen angesichts von fast „40 Jahren unfallfreiem Brückentor“. Die Stadtverwaltung habe eklatant versagt. „Man schließt den Saal und gängelt seine Bürger.“

Jörg Riechert, der als „Landmann“ unter dem Motto „Da fällt mich doch der Sack von’n Wagen“ in die Bütt ging, kam mit seinem Debüt gut an. Auch er stellte die Saal-Problematik in den Mittelpunkt seiner gereimten Büttenrede. „Nur frag‘ ich Euch, wie kann das sein? Warum fiel’s niemand früher ein, dass dieser Saal ‘ne Falle ist? Das ist doch nichts, was man vergisst?“ Seine These: Weil die Investor-Verhandlungen zum Verkauf des Saales gescheitert waren, da „zaubert man aus großem Hut, ein Gutachten vom Institut, zwecks Stilllegung der ganzen Halle, oh Mann, ihr Leut‘, ich spuck‘ gleich Galle“.

Dass zumindest die RCV-Spitze ganz auf des „Landmanns“ Seite stand, ist nicht verwunderlich angesichts ihrer CDU-Lastigkeit, favorisieren die Christdemokraten doch den Erhalt des Saales möglichst im städtischen Besitz am alten Standort. „Am Bürger wird vorbeiregiert. Der ‚Brüxit“

scheint geplante Sache, als wär das ‘ne Priemer-Rache, für die geplatzte Investition“, so die Ansprache von Jörg Riechert.

Hans-Hermann Stöckl legte da wenig später noch nach: In der Altstadt könne man den zukünftigen Karneval sicher auch nicht veranstalten, die müsse nämlich wegen Brandschutz abgerissen werden. Dem fröhlichen Feiern tat das alles dennoch keinen Abbruch. Großen Beifall gab es für die artistischen Fürstengarden-Tänze, die unter Leitung von Steffi Fromme und Pia Thierbach auch als Karneval-Feuerwehr auftrat. Den „Rintelner Jungs“, die in den etwa 20 Jahren ihrer RCV-Auftritte allmählich zu „Herren“ herangereift sind, folgte man gern bei ihren gesanglichen Animationen zum Schunkeln, und die „Klosterelfen“ in ihren knallbunten Hawaii-Hemden präsentierten sich als Vortänzer für allerlei musikalische Partykracher.

Mickie-Krause-Double Vincent übertrieb es in den Augen mancher etwas mit seinem Malle-Programm, aber immerhin, der Song „Reiß die Hütte ab“ passte prima zum Thema des Abends.

Vor der großen Abschluss-Polonaise und dem Einstieg in die freie Party ab 0.07 Uhr rief Stöckl zu einem würdigen Abschied vom vertrauten Standort auf: „Es war wirklich schön hier. Wir verneigen uns ein letztes Mal vor dem Brückentorsaal.“

Impressionen RCV-Prunksitzung 2019




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