weather-image
18°

Viele Chinesen möchten Praktikum in Rinteln machen

Chinesen haben großes Interesse an Partnerschaft mit China

RINTELN. Während sich die Politiker in der Weserstadt noch nicht einig sind, ob sie überhaupt eine Partnerschaft mit der chinesischen Stadt Tongnan möchten, ist die Bereitschaft zu ebendieser Partnerschaft von chinesischer Seite jetzt offiziell bekundet worden. Die Interessenbekundung, der sogenannte „Letter of Intent“, ist von Zeng Jinghua, dem Bürgermeister Tongnans, unterzeichnet worden.

veröffentlicht am 12.05.2019 um 14:33 Uhr
aktualisiert am 12.05.2019 um 18:50 Uhr

Lipeng (v. l.) und Dr. Ralf Kirstan mit Zeng Jinghua, dem Bürgermeister Tongnans. Fotos: pr

Autor:

Jessica Rodenbeck

Nun fehlt nur noch die Zustimmung des Rintelner Stadtrates, damit eine Partnerschaftsvereinbarung endgültig beschlossen werden kann. Und der soll seine Entscheidung am 27. Juni während der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause treffen. „Ich gehe davon aus, dass sich eine Mehrheit finden wird“, zeigt sich Bürgermeister Thomas Priemer optimistisch.

Das hofft auch Ralf Kirstan. Der FDP-Politiker, der privat schon seit 15 Jahren freundschaftliche und familiäre Kontakte nach China unterhält, ist der Initiator der Partnerschaft. Er war auch persönlich zugegen, als die Bereitschaftserklärung in China unterzeichnet worden ist.

Im Gespräch mit dieser Zeitung weist Kirstan noch einmal darauf hin, dass er die von einigen seiner Ratskollegen angestrebte Zurückweisung des chinesischen Partnerschaftsersuchens kritisch sieht. „Wem nützt diese öffentliche Zurückweisung?“, fragt er. „Der eigenen Ego-Pflege oder den chinesischen Menschen vor Ort?“ Es sei zweckdienlicher, die Partnerschaft einzugehen. Indem man den Chinesen die Möglichkeit gebe, unsere und damit eine alternative Lebensweise kennenzulernen, könne man sie vielleicht dazu bringen, die eigene Position zu überdenken und Veränderungen in Betracht zu ziehen. Weise man die ausgestreckte Hand zurück, werde auch zukünftig kein Dialog stattfinden.

Die Interessenbekundung wurde in China unterzeichnet. Foto: pr

Bei der geplanten Partnerschaft werde es vorrangig um Bildung gehen, verdeutlicht Kirstan. So bekämen zehn chinesische Studenten bereits in diesem Jahr die Möglichkeit, drei Wochen lang ein Praktikum in Rintelner Kinderbetreuungseinrichtungen zu absolvieren, begleitet von theoretischen Lehrveranstaltungen in Kooperation mit der Academia Rinteln und der Diploma-Hochschule. Im Gegenzug werde eine Gruppe aus Rinteln später die Möglichkeit bekommen, den Alltag in chinesischen Einrichtungen kennenzulernen. Und das sei keineswegs uninteressant, versichert Kirstan, der selbst Lehrer ist. „Die Chinesen sind beispielsweise sehr stark im musikpädagogischen Bereich.“

Wie groß das Interesse an dem Austausch in Tongnan ist, durfte Kirstan während seines Aufenthaltes selbst erfahren. Mitte April hatten sich bereits 39 Studenten für die zehn zur Verfügung stehenden Plätze beworben. Er selbst sei in die Universität gebeten worden, um am Auswahlverfahren mitzuwirken und Kriterien für die Teilnahme festzulegen. Die in der Vergangenheit einige Male geäußerte Befürchtung, dass nur regimetreue Chinesen kommen dürften, „zeugt angesichts dieses Umstandes von einer gewissen Weltfremdheit“.

Kirstan kann sich vorstellen, die Partnerschaft auch auf eine wirtschaftliche Zusammenarbeit auszuweiten. In Tongnan gebe es ein großes Interesse, ein Brauerei-Projekt mit lokalem deutschem Bier zu verwirklichen und dieses eventuell sogar in eine größere touristische Marketingstrategie einzubetten. „Vielleicht gibt es zukünftig auch die Möglichkeit eines Austausches von Fachkräften anderer Bereiche, etwa aus dem Gastro-Bereich“, so seine Vision.

So weit möchte Bürgermeister Thomas Priemer noch nicht denken. „Aber ich finde es gut, wenn frühzeitig Ideen eingebracht werden.“




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare