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Faustgroßer Gesteinsbrocken beschädigt halben Kilometer entferntes Haus in Wülpke

Dachschaden nach Sprengung im Steinbruch

Wülpke (mt/dh). Ann Grüling saß im Wohnzimmer, als ihr der Schreck in die Glieder fuhr. „Ich glaubte erst, das Dach explodiert. Es hat unglaublich geknallt.“ Als die 69-Jährige draußen nach dem Rechten sah, lagen mehrere Ziegel auf dem Boden.

veröffentlicht am 03.07.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 12:41 Uhr

Das Geschoss, das aus dem Steinbruch kam: Ein Polizist zeigt Tei

Die Ursache für den Dachschaden im oberen, dünn besiedelten Bereich der Straße Eckerngarten liegt ziemlich genau einen halben Kilometer entfernt. Im Tagebau der Wülpker Egge hat die Barbara Erzbergbau GmbH am Donnerstagnachmittag gesprengt. Um 13.24 Uhr knallte es. „Das lief alles super, ich habe mich noch gefreut, weil das Material anschließend wie geschüttet da lag“, berichtet Karl Wecke von der Barbara. Er ist mit den Geschäftsführern Olaf Lüppes und Dr. Siegfried Klingebiel zum Eckerngarten 22 geeilt, um sich bei Ann Grüling zu entschuldigen und sich um den Schaden zu kümmern. Wecke schaut auf das Loch im Dach und schüttelt den Kopf. „Das gibt es doch gar nicht.“

Die Polizei hat derweil Teile des ursprünglich ungefähr faustgroßen Steins sichergestellt. Niemand zweifelt daran, dass das Corpus Delicti aus dem Steinbruch stammt und nach der Sprengung Richtung Norden auf das Haus geschleudert wurde. Formal jedoch gehen die Ermittlungen der Polizei weiter, die Staatsanwalt wird eingeschaltet. Der Stein hat auch am Dachfirst seine Spuren hinterlassen, hier fehlt ein Ziegel, weiter unten sind es vier.

Die Barbara-Verantwortlichen wollen der Sache auf den Grund gehen und einen Gutachter beauftragen. „Bis wir sein Ergebnis haben, wird es keine weiteren Sprengungen geben“, sagt Klingebiel, der erst vor wenigen Tagen die Nachfolge von Jürgen Müller angetreten hat. Der Geschäftsführer vermutet, dass eine Kluft in dem Gestein ungewöhnlich viel Energie freigesetzt haben könnte. Für Schlamperei wie zum Beispiel fehlerhafte Bohrlöcher gebe es keine Anzeichen.

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Laut Barbara sind bei der Sprengung 17 000 Tonnen Material angefallen. 92 Löcher waren zuvor gebohrt und mit insgesamt vier Tonnen Sprengstoff gefüllt worden. Der sogenannte Abschlag rutschte 30 Meter Richtung Süden in den Steinbruch. Eigentlich lief alles wie bei den anderen Sprengungen, mit denen die Barbara ungefähr einmal pro Monat den Rohstoff gewinnt.

Allerdings soll die Druckwelle, die zahlreiche Kleinenbremer, Wülpker und Nammer regelmäßig zu spüren bekommen, dieses Mal besonders stark gewesen sein, berichten Anwohner.




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