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180 – der perfekte Wurf

Dartverein DC Piano Players: Zielsicher seit 33 Jahren

RINTELN. In der Weserstadt gibt es den wohl ältesten Steel-Dartverein in Schaumburg – den DC Piano Players. Am 17. November 1985 wurde der Verein im damaligen Bistro „Le Piano“ in der Mühlenstraße in Rinteln gegründet.

veröffentlicht am 02.01.2019 um 14:59 Uhr
aktualisiert am 02.01.2019 um 18:20 Uhr

Trainingsabend bei den Piano Players mit dem Vorsitzenden Heiko Mummert (rechts). Foto: seb
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Sebastian Blaumann Redakteur zur Autorenseite
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RINTELN. Es ist ein richtiger Hype: Mehrere Tausend Zuschauer jubeln ihren Idolen zu. Die Fans sind verkleidet und feiern in ausgelassener Stimmung. Ihre Helden betreten zu ihrer persönlichen Einlaufmusik die Bühne. Die Protagonisten heißen „Mighty Mike“, „Snakebite“, „Flying Scotsman“ oder „The Wizard“. Damit sind die Darts-Profis Michael van Gerwen, Peter Wright, Gary Anderson und Simon Whitlock gemeint. Das Spiel mit den Pfeilen wird immer beliebter. Die Hallen sind voll, die Zuschauer begeistert – und die Fernsehsender mit der Einschaltquote höchst zufrieden.

Was hat der Dartsport mit Rinteln zu tun? Ganz einfach: In der Weserstadt gibt es den wohl ältesten Steel-Dart-Verein in Schaumburg – den DC Piano Players. Am 17. November 1985 wurde der Verein im damaligen Bistro „Le Piano“ an der Mühlenstraße in Rinteln gegründet. Und seit mittlerweile 33 Jahren ist die Wurfleidenschaft beim aktuellen Vorsitzenden Heiko Mummert und seinen Vereinskollegen riesengroß. 17 aktive Mitglieder sind auf der Jagd nach dem perfekten Wurf – der 180. Dazu gesellen sich noch fünf passive Mitglieder.

Die erste Mannschaft geht in der Bezirksoberliga – der vierthöchsten Spielklasse – auf Punktejagd. Eine zweite Mannschaft wurde in diesem Jahr neu gemeldet und spielt in der Kreisliga. In den jeweiligen Neuner-Staffeln kämpft die Erste als Tabellenachter um den Klassenerhalt, die Zweite ist Vierter und strebt eine Spitzenplatzierung an. Im Bezirk kommen die Gegner aus dem Raum Hannover. Gespielt wird 501 Double-out und im Modus „Best of five“, das heißt: Derjenige, der zuerst drei Sätze gewonnen hat, hat auch das Match gewonnen. Insgesamt treten in der Bezirksoberliga sechs Spieler an, die zwölf Spiele bestreiten müssen. Zum Team der Ersten gehören Jan Heise, Olaf Roos, Rolf Klein, Trutz von Knobloch, Sven Kieweg und Frank Huck. Spieler der Zweiten sind Heiko Mummert, Marco Wattenberg, Philipp Gräber, Frank Lücke, Jörg Becker, Marcel Gundlach, Alexander Vorbeck sowie Benedikt und Tizian von Knobloch. „In den letzten Jahren sind einige jüngere Spieler dazugekommen“, freut sich Mummert über den Darts-Nachwuchs. Außer den Punktspielen gibt es auch Ranglistenturniere. Die Rintelner organisieren Jahr für Jahr ein offenes Darts-Turnier.

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Auch das richtige Equipment ist wichtig. Foto: seb

Der Dartsport hat in den zurückliegenden Jahren an Beliebtheit gewonnen. Im Rintelner Ortsteil Goldbeck siedelte sich vor Kurzem ein neuer Dartverein an, in Schaumburg gibt es weitere Dartclubs in Bad Eilsen, Bückeburg, Stadthagen und Lindhorst.

Darts spielen kann eigentlich jeder, vorausgesetzt man kann einigermaßen gut auf eine Zielscheibe werfen. Doch es ist mehr, als nur einen Pfeil auf eine Dartscheibe zu werfen. Hier geht es um Präzision und die richtige Wurftechnik. Sie entscheidet letztlich über die Treffsicherheit und vor allem über die Punktzahl. So gibt es kleine Unterschiede zwischen Steel- und E-Darts. „Die Auge-Hand-Koordination muss stimmen“, sagt Trutz von Knobloch, der seit 1992 im Verein ist. Doch jeder entwickele in den Jahren seine eigene Wurftechnik. Wichtig sei, dass der Oberarm waagerecht gehalten werde und die Wurfbewegung aus dem Unterarm komme, weiß von Knobloch. „Auch eine Taktik sollte man haben sowie einen Plan B und C, wenn der Pfeil nicht dort landet, wo er hinsollte“, rät von Knobloch. Mummert bringt es auf den Punkt. „Anschauen, reinwerfen“, meint der Klubchef.

Dann ist auf einmal der Jubel groß am Trainingsabend – und man hört ein lang gezogenes „180“. Frank Huck gelang der perfekte Wurf. Es wird abgeklatscht und auf die Schulter geklopft. Huck freut sich, nimmt die Glückwünsche seiner Mitspieler entgegen, stellt sich wieder exakt 2,37 Meter von der Scheibe entfernt auf und wirft die nächsten drei Pfeile auf das Board. Die Rintelner eifern mit großem Spaß ihren Idolen nach, besuchten schon einmal ein Turnier in Hildesheim, wo sie Darts-Profis hautnah erleben durften. „Mein Vorbild ist Gary Anderson. Der ‚Flying Scotsman’ ist ein cooler und bodenständiger Typ“, meint Teamkapitän Jan Heise.

Ein besonderer Clou der Rintelner ist die mobile Turnieranlage. „Wir haben sie selbst gebaut und bis zu zwölf Boards darauf installiert“, berichtet Mummert stolz. Vor einigen Wochen wurde aus Spendengeldern ein Hänger gekauft, auf dem die Anlage verstaut ist. 6000 Euro kostete der Spaß, doch fast der komplette Preis war von den Sponsoren aufgebracht worden. „Den Rest haben wir aus der Vereinskasse bezahlt“, erklärt der Vorsitzende. Die Anlage kann gemietet werden. „Zuletzt waren wir auf der Fleckenparty in Lauenau“, berichtet Mummert.

Doch die Piano Players mussten eine Hiobsbotschaft verkraften. Der Trainingsraum in der „Marktwirtschaft“ wurde von der Rintelner Stadtverwaltung völlig überraschend gesperrt. „Das kam für uns aus heiterem Himmel. Wir sind somit heimatlos, mussten sogar Punktspiele verlegen oder auswärts antreten, um spielen zu können“, berichtet Trutz von Knobloch. Ohne Training gab es für die Erste dann auch gleich eine 2:10-Packung.

Kontakt: Wer den Rintelner Dartspielern aus der Patsche helfen möchte und einen Trainingsraum zur Verfügung stellen kann, der sollte sich beim Vereinsvorsitzenden Heiko Mummert, Telefon (01 71) 1 41 41 08, melden.




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