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Achim Struck erinnert sich an das ehemalige Hotel „Stadt Bremen“

Das Beste war die Wirtin

RINTELN. Es muss eine wirklich gemütliche Gastwirtschaft gewesen sein, das Hotel „Stadt Bremen“ am Pferdemarkt. Friseurmeister Achim Wruck (77) gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er davon erzählt. Und das tut er, weil er es so schade findet, dass in unserer Zeitung unter dem Thema „Rinteln damals und heute“ nur ein einziger Satz zur Gastwirtschaft und der eindrucksvollen Wirtin Martha Lewandowsky stand.

veröffentlicht am 23.12.2018 um 17:19 Uhr

Alltag in den sechziger Jahren: Der Lieferwagen liefert gerade Milch aus der Molkerei an. Foto: Archiv
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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„Nichts erinnert heute mehr an das ‚Stadt Bremen‘, sagt er. „Dabei war es eine der beliebtesten Kneipen in Rinteln, und Martha Lewandowsky war mit ihren Ideen immer auf der Höhe der Zeit. Bei ihr gab es die allererste Milchbar mit Eis, und sie war es, die als Erste einen Musikautomaten aufstellte. Dieser Automat, das war wirklich ein Highlight, gerade für uns Jugendliche.“

Da er selbst an der Weserstraße aufgewachsen war, kam er am Hotel „Stadt Bremen“ quasi nicht vorbei. Außerdem kannte er die Wirtin auf ganz besondere Weise, besuchte sie doch mehrmals wöchentlich den Wruck’schen Friseursalon, um sich kämmen zu lassen, und immer sonntags machte sich der junge Achim auf den Weg ins „Stadt Bremen“, um die Wirtin dort zu frisieren. „Sie wollte ja gut aussehen für ihre Gäste.“

Meist stand sie hinter dem großen Tresen der Bierstube, in die man zunächst eintrat, bevor es dann ein paar Stufen herab in die eigentliche Gaststube des Hotels ging.

„Martha Lewandowsky war mit ihren Ideen immer auf der Höhe der Zeit“, sagt Achim Wruck (Rintelner Friseurmeister).
  • „Martha Lewandowsky war mit ihren Ideen immer auf der Höhe der Zeit“, sagt Achim Wruck (Rintelner Friseurmeister).

Dort konnte man sich gut in kleinen Grüppchen treffen, weil es überall Nischen mit vier Plätzen gab. Stuckdecke und eine Art Kamin mit hohen Säulen machten aus der Gaststube mit ihrem gutbürgerlichen Speisen etwas ganz Besonderes. „Das Beste aber war eben Martha Lewandowsky selbst“, so Wruck. „Sie hatte immer ein offenes Ohr für die Gäste, war hilfsbereit, pfiffig – eine Wirtin, wie man sie sich nur wünschen kann.“

Kein Wunder, dass im Jahr 1961 zwölf stadtbekannte junge Männer – darunter der Ex-Bürgermeister und Ehrenbürgermeister Friedrich-Wilhelm Hoppe – ihren berühmten Kegelklub „Im Dutzend billiger“ im Hotel „Stadt Bremen“ gründeten.

Überhaupt handelte es sich bei dem „Stadt Bremen“ um ein sehr modernes, angesehenes Hotel, gebaut Anfang des 19. Jahrhunderts auf dem Grundstück des ehemaligen Graebe’schen Sattelhofs, zunächst geführt als Gasthaus Bornemann. Die Fotos des prächtigen Gebäudes zeigen einen klassischen Fachwerkbau, mit einem kleinen Vorbau zur Pferdemarktseite hin, wo sich ein Hähnchengrill befand – wieder eine der Innovationen der Martha Lewandowsky.

Die Sparkasse besaß schon lange einen Teil des Grundstücks, kaufte dann den Rest dazu und ließ das Hotel im Jahr 1965 abreißen, um eine neue Filiale zu bauen. „Ja, damals hatte man noch keinen Sinn für den Erhalt historischer Gebäude“, bedauert Achim Struck. „Das wäre was, wenn das schöne große Fachwerkhaus noch am Eingang unserer Stadt stünde.“ Auch die Sparkasse wich 1999 zugunsten des Neubaus Bruno Kleine.

Martha Lewandowkys Zeit war 1965 noch nicht vorbei. Auf der gegenüberliegenden Seite führte sie eine Zeit lang den Imbiss „Stadt Bremen“ und schließlich, in der Baulücke zwischen Sparkasse und „Rintelns kleinstem Chinesen“, der Autowerkstatt Hanking, einen Imbiss-Pavillon. Was ist denn später aus der „wunderbaren Wirtin“ geworden? „Nun, sie ist irgendwann gestorben“, sagt Achim Wruck. „Ich hoffe, dass sie glücklich lebte bis an ihr Ende.“




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