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Heinrich Meuter ist Wirt aus Berufung / Nur vier Tage krank als Kneipenchef

Das letzte Original

RINTELN. Er ist Wirt aus Berufung, hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, er ist das letzte Original und in Rinteln bekannt wie ein bunter Hund. Heinrich Meuter steht seit 1982 hinter dem Tresen, führt seit 2002 die Gaststätte „Zur Schildkröte“ in der Brennerstraße und wenn es nach seinen Gästen geht, zapft der 69-Jährige das beste Bier der Weserstadt. Viele gehen nicht in die Schildkröte, sondern zu Heinrich.

veröffentlicht am 18.11.2018 um 11:31 Uhr
aktualisiert am 18.11.2018 um 17:50 Uhr

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Sebastian Blaumann Redakteur zur Autorenseite
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RINTELN. Er ist Wirt aus Berufung und hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Er gilt in Rinteln als das letzte Original seiner Branche und ist in der Stadt bekannt wie ein bunter Hund. Heinrich Meuter steht seit 1982 hinter dem Tresen, führt seit 2002 die Gaststätte Zur Schildkröte an der Brennerstraße. Und wenn man seinen Gästen glauben mag, zapft der 69-Jährige „das beste Bier der Weserstadt“. Viele gehen nicht „in die Schildkröte“, sondern „zu Heinrich“.

Mit 33 Jahren zog es den gelernten Fleischermeister nach Rinteln. Der gebürtige Steinhuder verließ die Seeprovinz, um ein interessantes Jobangebot in der Weserstadt anzunehmen. Hamilton-Chef Walter Meyer stellte Meuter als Angestellten ein. Nach einer kurzen Stippvisite von gut eineinhalb Jahren im Sloppy Joe’s, heuerte der glühende Fan des Hamburger SV im Dezember 1990 erneut im Hamilton an. Fünf Jahre später übernahm er als Chef die Kneipe. Bis Mai 2002 hat Meuter viele Gläser Bier im Hamilton verkauft. Dann war die Ära Hamilton beendet. „Das war die schönste Zeit“, erinnert er sich zurück. Die Fußballer des SC Rinteln sowie die Handballer aus Exten und Rinteln gehörten zu den vielen Stammkunden. Bis in die frühen Morgenstunden wurde am Kicker und am Billardtisch gespielt und auf dem Tresen „gerudert“. Zur Jahrtausendwende fand ein „Tschüss-D-Mark-Lupfen“ statt, und viele Besucher hatten sich in die heiß begehrten Baguettes verliebt. „Der Flipper mit Thunfisch war der Bestseller“, weiß Meuter. Er bekochte auch seine SC-Fußballer mit Haxe, Spießbraten oder Gulasch. Das Hamilton war ein Treffpunkt für alle Gesellschaftsschichten und alle Altersklassen. „Viele Freundschaften sind in dieser Zeit entstanden“, verrät der 69-Jährige.

Seit Juni 2002 gehört Meuter die Kneipe Zur Schildkröte. Die Traditionsgaststätte an der Brennerstraße mit Kegelbahn kaufte er den Wirtsleuten Hans und Edith Eichler ab. Die Zeiten als Wirt würden von Jahr zu Jahr schwieriger, betont er. Viele Kneipen in Rinteln hätten mittlerweile ihre Pforten geschlossen. Von den 20 Kegelvereinen in der Schildkröte sind nur noch sieben übrig geblieben. „Das Kegeln ist eine sterbende Sportart. Jüngere Kegelclubs gibt es fast gar nicht mehr“, weiß Meuter.

Die Schildkröte ist eine typische Altstadtkneipe. Das Rauchen ist erlaubt, dafür gibt es keinen Küchenbetrieb. Ein langer Tresen mit Barhockern, eine Rundsitzecke direkt am Tresen mit sechs Sitzplätzen sowie ein langer Tisch mit weiteren zehn Sitzplätzen kennzeichnen die Kneipe. Auf der Kegelbahn gibt es Sitzmöglichkeiten für weitere 14 Personen. Deshalb ist in den Sommermonaten nicht so viel los, aber sobald die Temperaturen fallen, ist der Laden am Wochenende meist gut besucht. Er komme in der Woche auf eine Arbeitszeit von circa 70 bis 80 Stunden, so Meuter.

Morgens zwischen 10 und 12 Uhr schauen die ersten Gäste auf einen Kaffee vorbei, auch der Stammtisch ist vor Ort – für das erste Bier. Dann werden Themen, die die Rintelner bewegen, an der Theke ausdiskutiert. Ab 17 Uhr beginnt dann die Abendschicht. Und Meuter ist immer mittendrin.

Für sein loses Mundwerk wird er von seinen Kunden gemocht. „Ich habe eine Meinung, und die vertrete ich auch. Das kommt natürlich nicht immer so gut an. Aber die Leute kennen mich und haben das akzeptiert“, weiß der Gastronom. Das sieht Stammkunde Lothar Reiter auch so. „Ich gehe gerne in eine Kneipe und liebe die große Schnauze von Heinrich. Außerdem trifft man viele Bekannte hier“, verrät der 57-Jährige.

Eine Bedienung hat Meuter nicht, der 69-Jährige ist ein Alleinunterhalter und in seiner langen Zeit als Kneipenchef erst vier Tage krank gewesen. „Ich hatte Herzprobleme, da wurde mir ein Stent eingesetzt, sodass die Kneipe von Montag bis Donnerstag zuhatte“, berichtet er. Doch dann habe er sich selbst entlassen. Er musste ja wieder seine Kneipe aufmachen. Meuter ist ein Arbeitstier. „Ich brauche das einfach“, verrät er. Das Fahrradfahren und seine drei Enkelkinder halten ihn fit.

Doch bald soll Schluss sein. Nächstes Jahr im April feiert Meuter seinen 70. Geburtstag. Dann zieht es ihn so langsam zurück in die alte Heimat. Die Schildkröte will er Ende 2019 verkaufen und dann in Steinhude ein Tagescafé eröffnen. „Ich kann mich nicht auf die faule Haut legen. Dafür bin ich nicht der Typ“, erklärt der Wirt. Wenn es die Gesundheit zulässt, will er am Steinhuder Meer seiner weiteren Leidenschaft, dem Segeln, nachgehen. „Vielleicht kaufe ich mir ein kleines Segelboot und lasse mir den Wind um die Nase wehen“, hofft Meuter auf noch viele schöne Jahre.




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