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Museum Eulenburg hat Aufnahme von 1906

Das Weserlied, gesungen von einem Opernstar

RINTELN. Dass ein Opernsänger, der sogar an der „Metropolitan Opera“ von New York angestellt war, „unser“ Weserlied gesungen hat, darüber kann Dr. Stefan Meyer Gewissheit haben. Der Leiter des Rintelner Museums für Universitäts- und Stadtgeschichte hat die Schallplatte von 1906 geschenkt bekommen. Was steckt dahinter?

veröffentlicht am 05.06.2019 um 10:55 Uhr
aktualisiert am 05.06.2019 um 17:10 Uhr

„Hier hab’ ich so manches liebe Mal, mit meiner Laute gesessen …“: Die berühmten Zeilen des Weserliedes sind auf dieser Schellackplatte von 1906 zu hören, gesungen vom Opernsänger Robert Leonhardt. Foto: pr.
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. Dass ein Opernsänger, der sogar an der „Metro-politan Opera“ von New York angestellt gewesen ist, „unser“ Weserlied gesungen und aufgenommen hat, darüber kann Stefan Meyer Gewissheit haben. Gerade erhielt das Museum Eulenburg eine entsprechende Schellackplatte aus dem Jahr 1906 geschenkt.

Franz von Dingelstedt dichtete das romantische Lied „An der Weser“ im Jahr 1835, dessen gefühlvoller Text rund um Heimatliebe und Liebeskummer dann zehn Jahre später vom Komponisten Gustav Pressel im Stil eines klassischen Volksliedes einfühlsam vertont wurde. Nicht zuletzt war es Kaiser Wilhelm I., der zur starken Verbreitung des Weserliedes beitrug, sprach sich doch herum, dass er es sich von einem damals berühmten Sänger persönlich hatte vorsingen lassen.

Die Aufnahme von 1906 stammt vom österreichischen Opernsänger Robert Leonhardt (1873 bis 1923). In dieser Zeit war Leonhardt noch am Königlich Deutschen Landestheater in Prag tätig, bevor er dann 1913 an die „Metropolitan“ nach New York gerufen wurde. Vor allem unter den deutschen Einwanderern fanden seine Aufnahmen insgesamt hohen Zuspruch – und das schon, bevor er selbst in die USA auswanderte.

Er soll eine „leichte und liebliche italienische Stimme“ gehabt haben, heißt es in einem amerikanischen Zeitungsartikel von 2016. Vom italienischen Flair ist allerdings auf der alten Aufnahme wenig zu spüren, dafür umso mehr vom fast gemütlichen österreichischen Zungenschlag, was seiner Beliebtheit aber keinen Abbruch tat. Leonhardts österreichische Staatsangehörigkeit dagegen machte ihm schon zu schaffen. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges galt er als „feindlicher Ausländer“ und durfte eine Zeit lang nicht an der Oper singen.

Seine „leichte und liebliche“ Stimme gibt dem Weserlied einen ganz eigenen Ausdruck. Manche berühmte Interpreten haben das Lied gesungen, darunter der Bariton Josef Metternich oder etwa Heino. Auch bei den Chören in Deutschland war „An der Weser“ ein besonders beliebter Programmpunkt, erst recht, nachdem 1931 in Hannoversch Münden das „Weserlieddenkmal“ fertiggestellt worden war, dessen aufwendige Einweihungsfeier sogar im Rundfunk übertragen wurde.

Dabei ist das Lied mit seiner geschwungen-sehnsüchtigen Melodie gar nicht so einfach zu singen. Karl Appel jedoch, sangeserfahren als Leiter des ehemaligen Rintelner Madrigalchores, ist da etwas anderer Meinung. Vor vielen Jahren stand er auf der Porta Westfalica und schmetterte das Weserlied zusammen mit dem Bläserkreis Porta ins Tal. „Eine Stunde üben, dann kann man das Lied“, meint er mit Bezug auf seinen Chor, der „An der Weser“ unzählige Male aufgeführt hat.

Nun hat Stefan Meyer die Aufnahme von 1906 ins Internet gestellt, auf der Video-Plattform YouTube, unter dem Stichwort „An der Weser, Aufnahme von 1906“. Wer es gern offline hören will, braucht nur zum „Weser-Postillon“ am „Mosquito“ (Kirchplatz) zu gehen. Täglich um 12.30 und um 16.30 Uhr trompetet er die alte Melodie. Singen kann er allerdings nicht, diesen schönen Text: „Hier hab‘ ich so manches liebe Mal, mit meiner Laute gesessen, hinunterblickend ins weite Tal, mein selbst und der Welt vergessen.“




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