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Erfolgreiche Brut der Seeadler / Neugierige missachten Absperrungen

Die Jungvögel sind da – ungebetene Besucher leider auch

Rinteln. Die Jungtiere der Seeadler am Taubenberg sind da. Damit haben die seltenen Vögel, die sich nach Jahrzehnten wieder in der Region zum Brüten niederließen (wir berichteten), die erste große Hürde genommen. Jetzt kommt es weiter darauf an, dass das Brutpaar nicht von schaulustigen Menschen gestört wird.

veröffentlicht am 12.05.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 03:42 Uhr

Wie berichtet haben das Forstamt Hessisch Oldendorf und der Landkreis Schaumburg bereits Anfang des Jahres gemeinsam Wegsperrungen vorgenommen, um die Brut des Seeadlerpaares sicherzustellen. Leider halten sich viele Menschen nicht an daran und versuchen den Mahnungen der Behörden zum Trotz, ihre Neugier zu befriedigen und einen Blick auf die Raubvögel zu erhaschen.

So hat Forstamtsleiter Christian Weigel nicht als Erster die Jungvögel erspäht. „Wir vom Forstamt halten uns an die Wegsperrung“, sagt er im Telefongespräch mit unserer Zeitung. Stattdessen habe ihn jemand, der gerade ein Gutachten in Sachen Windkraftanlagen erstelle, über das erfolgreiche Ausbrüten der Seeadlereier informiert. Und der habe die Info ausgerechnet von einem Naturschützer erhalten – die sich im Übrigen, wie alle anderen auch, eigentlich an die Wegsperrungen zu halten hätten.

Dr. Nick Büscher, der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) in Rinteln, beteuert auf Anfrage unserer Zeitung, dass sich auch seine Organisation an die Wegsperrungen halte. Tatsächlich habe aber bereits Kollege Oliver Nacke von der Nabu-Gruppe Hessisch-Oldendorf von den Jungvögeln frühzeitig gewusst. Aus dem einfachen Grund: „Herr Nacke hat das Glück, den Horst von seinem Dachfenster aus beobachten zu können, und eines Tages festgestellt, dass die Jungvögel geschlüpft waren.“ Wie Weigel stellt aber auch Büscher fest, dass sich viele Neugierige nicht an die Absperrungen halten. Mit der Folge: Das Überleben der Jungvögel ist gefährdet.

Der Mensch, wie etwa auch der Marder, wird von den Seeadlern als Bedrohung wahrgenommen. Nähern sich Menschen oder seine natürlichen Feinde, verlassen sie den Horst. Bei Regenwetter könne dies die Unterkühlung der Jungtiere zur Folge haben, erläutert Büscher. Häufen sich die unerwünschten Besuche, droht die Gefahr, dass die Seeadler ihre Jungen aufgeben und den Horst verlassen, schildert Weigel. Und nicht nur das: „Wenn die Seeadler in diesem Jahr die Erfahrung machen, hier nicht richtig brüten zu können, kommen sie nächstes Jahr vielleicht nicht mehr zurück“, führt Weigel aus.

Die Wege rund um das Gebiet des Seeadlerhorstes sind noch bis Ende Juni gesperrt. Dann dürften die Jungvögel flügge sein und den Horst verlassen, sagt Weigel.

Eine besondere Bewährungsprobe stellt der kommende Donnerstag dar. Zwar wurde die traditionelle Party der Feuerwehr Wennenkamp vorsorglich vom Ludwigsturm im Taubenberg an das Feuerwehrhaus im Dorf verlegt. Ob sich an diesem Tage aber alle Ausflügler an Himmelfahrt an die Wegsperrung halten, wird sich zeigen.pk




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