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Deutscher Fahrradclub zu CDU-Antrag

E-Bikes in Rinteln: Sichere Boxen statt Ladestationen?

RINTELN. Soll es bald Ladestationen für E-Bikes am Weseranger oder mehr Stationen in der Innenstadt geben? Das Gespräch mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub zeigt: Ein leerer Akku ist für die Radtouristen von heute selten ein Problem.

veröffentlicht am 11.07.2018 um 17:40 Uhr

Wer hier sein Rad einschließen will, braucht ein Vorhängeschloss. Foto: wm
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Hans Weimann Reporter
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RINTELN. Die CDU-Fraktion hatte in der letzten Ratssitzung vor den Sommerferien vorgeschlagen, die Stadtwerke sollten am Weseranger, am Markt oder auf dem Kirchplatz Ladestationen für E-Bikes installieren. Matthias Gräbner, Geschäftsführer des Touristikzentrums Westliches Weserbergland hält es grundsätzlich für richtig und wichtig, E-Mobilität zu fördern, denn immer mehr Radtouristen sind auf dem Weserradweg mit E-Bikes unterwegs. Doch sind frei zugängliche Ladestationen für Elektrofahrräder wirklich sinnvoll?

Seit Jahren gibt es vier E-Ladeboxen im Touristbüro am Bürgerhaus auf dem Marktplatz. Hier kann man Ladegerät plus Akkupack sicher verstauen. Erreichbar für Touristen von 9 bis 18 Uhr, an Wochenenden von 10 bis 14 Uhr. Genutzt würden die Fächer in letzter Zeit allerdings nur noch selten, war im Touristbüro zu hören.

Warum kaum eine Nachfrage besteht, erläuterten E-Bikefahrer vor dem Touristbüro, die gerade auf dem Weserradweg unterwegs waren: Alle E-Bikes haben heute Akkupacks, die man vom Fahrrad trennen kann. Die werden am Abend im Hotelzimmer oder bei einer Rast in Gaststätten aufgeladen: „Da braucht man nur eine Steckdose“.

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Da bei E-Bikes Gewicht nicht die entscheidende Rolle spielt, sind Langstreckenfahrer inzwischen sogar mit einem zweiten Akku unterwegs. Bei manchen neuen Modellen ist ein zweiter Akku bereits im Oberrohr integriert. Für wichtiger hielten die Radtouristen deshalb sichere, abschließbare Fahrradboxen.

E-Bikes sind teuer, ein gutes Bike kostet um die 2000 Euro, Spitzenräder bis zu 6000 Euro. Ein solches Rad (mit Gepäck) lässt man nicht unbeaufsichtigt irgendwo herumstehen. Selbst dann nicht, wenn man es abgeschlossen hat. Hundertprozentig sichere Fahrradschlösser gibt es nicht.

Idee der Touristen, denen die Leerstände in der Innenstadt aufgefallen sind: An Bahnhöfen in manchen Städten gebe es „Fahrradstationen“ wo man sein Fahrrad gegen eine Gebühr parken kann. Warum nicht aus einem Leerstand während der Radsaison eine „Fahrradstation“ machen?

In der Wallgasse gibt es Fahrrad-Boxen. Doch die sind in die Jahre gekommen, darum herum sammelt sich oft Müll an, nicht gerade einladend für Touristen. Sogar Obdachlose haben schon in den Boxen geschlafen. Und oft sind Boxen von heimischen Radlern blockiert, die ihr eigenes Vorhängeschloss mitbringen.

Anke Czech vom Kreisvorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Schaumburg betont, Radreisen boomt. Darauf haben sich auch Hotels und Pensionen eingestellt. Deshalb hätten Radreisende heute immer ausreichend Gelegenheit, mit ihrem persönlichen Ladegerät den Akku über Nacht aufzuladen. Das zeigten auch die Erfahrungen bei den vom ADFC Schaumburg angebotenen Fahrradtouren. Ein leerer Akku sei da selten das Problem: „Bei Mehrtagestouren nehmen Teilnehmer immer ihr persönliches Ladegerät mit. Dann können sie sicher sein, dass ihr Akkustecker passt und eine Steckdose findet sich immer“. Ihre Idee: Vielleicht könnten Gastronomen analog zur „netten Toilette“ dafür werben, dass Radtouristen bei ihnen ihren Akku aufladen können.

Wichtiger als Ladestationen seien sichere „Abstellanlagen“ für Fahrräder, egal ob für Pedelecs oder „normale“ Fahrräder, sagt Czech. Wer ein Museum, eine Kirche besichtigen will, einkaufen oder einen Stadtbummel machen, dem stellt sich immer zuerst die Frage: Wohin mit dem Gepäck und dem Rad? Die üblichen Fahrradständer helfen da nicht weiter. „Niemand lässt gern sein Fahrrad samt Zubehör irgendwo stehen. Deshalb müssen Unterkünfte, die sich fahrradfreundlich nennen, für die Nacht einen abschließbaren Raum vorhalten.“ (siehe auch ADFC „Bett+Bike“).

Verschließbare Fahrradboxen sind deshalb aus Sicht des ADFC eine sinnvollere Investition als Ladestationen. Natürlich müssten diese Boxen gut erreichbar sein. Örtliche Dauernutzer, die eine Box mit einem Vorhängeschloss versehen, helfen dem Fahrradtouristen nicht. Hier braucht man andere Lösungen.

Dann gibt es noch Pendler, die ihr E-Bike nutzen. Doch auch diese Gruppe braucht keine öffentliche Ladestation, da Pendler ihren Akku am Arbeitsplatz aufladen. Außerdem halten moderne Akkus mindestens 80 Kilometer. Da schleppt kein Pendler das Ladegerät mit.

Wie Jürgen Peterson, Geschäftsführer der Stadtwerke informierte, haben die Stadtwerke bisher nur eine Ladestation für E-Bikes, Handys und ähnliche Technik am Doktorsee aufgestellt, ansonsten nirgendwo.




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