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Drama in Schaumburg: Anwalt geht von Tötungsvorsatz aus

Ehemalige Lebensgefährtin mehrfach mit dem Tod bedroht

SCHAUMBURG. Einen Tag nach dem Beziehungsdrama in Schaumburg, bei dem ein 49-Jähriger sich und seine Ex-Lebensgefährtin mit Benzin begoss und sich selber anzündete, widersprach der Rintelner Rechtsanwalt Stefan Abrahams, der die 46-jährige Frau vertritt, der Einschätzung der Staatsanwaltschaft, der ehemalige Lebensgefährte habe möglicherweise nur sich selbst töten wollen.

veröffentlicht am 21.06.2018 um 14:17 Uhr
aktualisiert am 22.06.2018 um 11:20 Uhr

Der 49-Jährige hat die Glastür zum Anbau eingeschlagen, in dem seine ehemalige Lebensgefährtin wohnt. Unser Bild entstand während der polizeilichen Ermittlungsarbeiten. Foto: leo
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Hans Weimann Reporter
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.SCHAUMBURG.Am Mittwochmorgen hat ein 49-jähriger Mann aus Bad Münder sich in einem Haus in der Rosenthaler Straße in Schaumburg mit Benzin übergossen und angezündet. Seine ehemalige Lebensgefährtin, eine 46-jährige Frau aus Schaumburg, konnte sich gerade noch in die Nachbarwohnung retten (wir berichteten).

Der Rintelner Rechtsanwalt Stefan Abrahams, der die 46-jährige Frau vertritt, widersprach am Donnerstag der Einschätzung der Staatsanwaltschaft, der 49-jährige ehemalige Lebensgefährte habe möglicherweise nur sich selbst töten wollen. Gegen diese Feststellung, die auch in der Zeitung zitiert wurde, spreche schon die Vorgeschichte dieser Beziehungstat. Der Mann aus Bad Münder habe nach Aussage seiner Mandantin und auch nach seiner Überzeugung aus Kenntnis des Falles nicht nur sich selbst töten, sondern seine ehemalige Lebensgefährtin mit in den Tod nehmen wollen.

Es ist ein Drama, das im Laufe der Jahre eskaliert ist. So habe der alkoholisierte Mann seiner Mandantin schon einmal Rippen und das Nasenbein gebrochen, sie öfters mit dem Tod bedroht. Das alles sei auch der Polizei bekannt.

So habe der Mann beispielsweise in über 300 WhatsApp-Nachrichten seine ehemalige Lebensgefährtin nicht nur übel beschimpft, sondern auch formuliert: „Du hast Dein Todesurteil unterschrieben.“ Selbst ihm als Anwalt gegenüber habe der Mann in einem Telefongespräch, in dem es darum gegangen sei, dass er Gegenstände aus einer Garage räumen sollte, erklärt, „… dann wird sie auch irgendwann entsorgt!“

Im September vorigen Jahres drohte der Mann seiner ehemaligen Lebensgefährtin in Gegenwart einer Zeugin, das sei „ihr letzter Tag“ gewesen. Im Oktober vorigen Jahres hatte das Amtsgericht Rinteln auf Antrag von Abrahams dann in einem Beschluss dem Mann für ein halbes Jahr untersagt, seine ehemalige Lebensgefährtin aufzusuchen, sich ihr mehr als „20 Meter“ zu nähern.

Auch das Amtsgericht hielt in der Begründung dieses Beschlusses die Textnachrichten des Mannes für „bedrohlich“.

Rechtsanwalt Abrahams geht auch aufgrund der Aussage seiner Mandantin zu dem Brandanschlag in Schaumburg am Mittwochmorgen von einem Tötungsvorsatz aus.

Wie die Brandspuren zeigen, hatte der Mann zunächst am Vordereingang Feuer gelegt. Er hatte dann die Glastür zum Anbau eingeschlagen, in dem seine ehemalige Lebensgefährtin wohnt. Seine Mandantin habe ihm berichtet, als es laut geknallt habe, sei ihr sofort klar gewesen, das ist ihr ehemaliger Lebensgefährte. Sie habe sofort die Polizei angerufen. „Ich war immer auf alles vorbereitet.“

Seine Mandantin habe ihm dann geschildert, der Mann sei ihr durch die Wohnung auf den Balkon gefolgt, habe zuerst sie aus einer Flasche mit Benzin begossen, dann erst sich selbst: „Meine Haare, mein T-Shirt, meine Hose waren nass.“ Sie habe noch das Feuerzeug in der Hand des Mannes gesehen.

In diesem Moment sei es ihr gelungen, auf den angrenzenden Balkon zu ihrer Mutter zu entkommen. Die habe sie in die Wohnung gezogen, die Tür geschlossen. „Als sie die Tür zugeschlagen hatte, brannte er schon.“

Dann habe der Mann die Tür eingetreten, „aus den Angeln“ gehoben, habe in der Wohnung gestanden, sich sein T-Shirt über den Kopf gezogen. Sie sei zur Haustür geflüchtet. „Mein Sohn kam aus dem Flur um zu helfen.“

Abrahams geht von einem Tötungsvorsatz aus. Seine Mandantin habe einfach Glück gehabt, dass sie mit leichten Brandverletzungen und blauen Flecken davongekommen sei – auch deshalb, weil sie so schnell reagiert habe, da sie immer in Angst vor diesem Mann gelebt habe.

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