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Hochgelobte Ideen von Studenten zur Modernisierung des Rathauses scheitern vorerst am Denkmalschutz

Eigentlich schön, aber ...

RINTELN. Der Stadtrat war begeistert von den Ideen, die vier Studentinnen der Hochschule Detmold vor über einem Jahr zur Umgestaltung des alten Rathauses vorstellten: bequeme Sitzgruppen in den Fluren, dazu (endlich) ein modernes Informationssystem für Besucher und insgesamt eine freundlichere Gestaltung von Innenräumen und Treppenhaus. Was ist aus den detaillierten Entwürfen geworden?

veröffentlicht am 10.01.2019 um 15:58 Uhr
aktualisiert am 10.01.2019 um 18:40 Uhr

Ganz frisch wirkt das Rintelner Rathaus auf den ersten Blick nicht mehr. Die nächste große Investition soll im Jahr 2021 erfolgen: Instandhaltungsarbeiten rund um Fugen, Fenster und Dachrinnen. Foto: tol
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. Der Stadtrat ist begeistert von den Ideen gewesen, die vier Studentinnen der Hochschule Detmold vor über einem Jahr zur Umgestaltung des alten Rintelner Rathauses vorgestellt haben: bequeme Sitzgruppen in den Fluren, dazu (endlich) ein modernes Informationssystem für Besucher und insgesamt eine freundlichere Gestaltung von Innenräumen und Treppenhaus. Was ist aus den detaillierten Entwürfen geworden?

„Wir haben das noch im Kopf“, sagt Stadtkämmerer Jörg Schmieding, Leiter des Amtes für zentrale Dienste und Finanzen, und fügt dann gleich ein „Aber“ dazu: „Die Umsetzung ist aber komplizierter, als man zunächst meinen könnte.“

Das gesamte Renaissance-Gebäude stehe unter Denkmalschutz, dessen Auflagen beachtet werden müssten. Das gelte vor allem für mögliche Veränderungen im dunklen alten Sitzungssaal. Die Studentinnen aus dem Fachbereich Innenarchitektur hatten da unter anderem ein neues Tapetendesign entworfen und vorgeschlagen, die im Dunkel liegende Empore ins Licht zu rücken.

Eigentlich schön, sagt Schmieding, aber: Ohne genaue Abklärung rund um Denkmalschutzauflagen dürfe man da erst mal überhaupt nichts verändern, so der Kämmerer, auch nicht in der Eingangshalle, wo die Studentinnen gern eine zeitgemäße Beleuchtung und andere Wandfarben gesehen hätten.

Sitzgruppen in den Aufenthaltszonen seien eine interessante Sache, so Schmieding weiter, aber auch diese könne man nicht einfach beliebig aufstellen. „Da hat der Brandschutz mitzureden.“ Polstermöbel zum Beispiel seien feuergefährlich, zudem müsste sichergestellt sein, dass Rettungs- und Fluchtwege erhalten bleiben.

Was ein zeitgemäßes Besucher-Informationssystem mit übersichtlichen Wegweisern betrifft, da wäre Schmieding sofort dabei. Er habe sich schon längst Gedanken darüber gemacht, wie man auf der Etage des Ordnungsamtes die unschönen Stellwände mit ihren angepinnten Info-Zetteln ersetzen könnte oder welches Wegweisersystem in Frage käme.

„Mein Ziel wäre ein digitaler Führer durchs Rathaus, den Besucher für sämtliche Anliegen über Eingabetasten bedienen“, sagt er. Das würde allerdings eine für Rinteln spezifische Programmierung erfordern. „Und das kostet richtig Geld.“ Man müsste die Grundrisse des alten und des neuen Rathauses eingeben, damit die Wege gewiesen werden können. Darüber hinaus müsste das System im Sinne von Barrierefreiheit über eine sprachliche Komponente verfügen. In den Haushaltsplänen der kommenden zwei Jahre sei dafür kein Etat vorgesehen, so Schmieding. Die finanziellen Aspekte solcher möglichen Veränderungen seien außerdem nur eine Seite bei der Umsetzungsproblematik.

Eine grundsätzliche Umgestaltung im alten Rathaus erfordere die Entwicklung konkreter Konzepte und Kostenaufstellungen, unter Einbeziehung von Brand- und Denkmalschutz. Dafür wäre insgesamt das Hochbauamt zuständig. „Und die haben im Moment mit anderen Bauprojekten in Rinteln und den Ortsteilen mehr als genug zu tun.“

Ein weiterer Vorschlag der Studentinnen müsste eigentlich sehr einfach auszuführen sein. Sie kritisierten die große „Ahnentafel“ an der Wand des Treppenaufgangs mit den Schwarz-Weiß-Fotografien der ehemaligen Stadtdirektoren und ehrenamtlichen Bürgermeister. Die solle man am besten abhängen. „Aber das können und wollen wir so nicht tun“, sagt dazu Jörg Schmieding. „Die Tafel war ein Geschenk an die Stadt.“

Information

Das Rathaus in der Klosterstraße wird sich in Sachen Sanierung der Außenfassade noch ein Weilchen gedulden müssen. Erst der Investitionsplan von 2021 sieht Instandhaltungsarbeiten rund um Fugen, Fenster und Dachrinnen vor. Der Ortsrat hatte im vergangenen Jahr erneut die rasche Sanierung vom „Eingangstor der Stadt“ gefordert, vor allem in Hinblick auf defekte Mauerfugen, die einen unschönen Anblick böten. Entsprechende Anträge waren in der letzten Haushaltssitzung 2018 vorgebracht worden. Die Fugensanierung solle möglichst schon 2019 vorgenommen werden, so das Anliegen. Baudezernent Stefan Eggert-Edeler betonte nun aber, dass man keine direkte Notwendigkeit dafür gesehen habe, den sowieso schon engen Investitionsplan für 2019 zu ändern. „So marode sind die Fugen nicht“, sagte er auf Anfrage.

In Teilbereichen seien bereits Ausbesserungen durch einen Maurer vorgenommen worden. Die Sanierung mit Gerüstaufbau, die dann auch Fenster und Dachrinnen einschließe, werde, wie ursprünglich vorgesehen, für das Jahr 2021 angesetzt. Voraussichtlicher Kostenpunkt: 120 000 Euro.cok




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