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Die Geschichte Schaumburgs – vom Zweiten Weltkrieg bis heute

Ein Dorf blickt in die Zukunft

SCHAUMBURG. Viel Leid, Not, Trauer und Tränen brachte der Zweite Weltkrieg auch für die Bewohner Schaumburgs. Schon am 26. August 1939 erfolgten die ersten Einberufungen der Wehrpflichtigen. Auf einem landwirtschaftlichen Grundstück in Ostendorf Nummer 4 mussten von den Landwirten aus Schaumburg und den umliegenden Orten Pferde und Wagen für militärische Zwecke abgegeben werden. Weitere Pferde wurden im Laufe der Zeit eingezogen, die durch Ochsen aus Bayern und ausgemusterte verwundete Pferde ersetzt wurden.

veröffentlicht am 01.01.2019 um 18:31 Uhr

Das alte Rosenthal im Oberdorf: Das Bild wurde um das Jahr 1920 aufgenommen.

Autor:

Ulrich Kipp
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Alle Wirtschaftsgüter wurden unter die Kontrolle des Staates gestellt. Mit der Dauer des Krieges wurden die Rationen gekürzt. Das wirkte sich besonders auf die Stadtbevölkerung aus, die danach auf das Land kam, um „zu hamstern“, wobei unter anderem wertvolle persönliche Gegenstände gegen Lebensmittel getauscht wurden. Schwarzschlachtungen sollen vereinzelt vorgekommen sein.

Nach der Währungsreform 1948 wurde Heinrich Schoof Bürgermeister der Gemeinde Schaumburg. Von der Dorfentwicklung her wurde zunächst eher zögerlich gebaut. Die in der Ortslage vorhandenen Baulücken wurden erst allmählich geschlossen.

Aufgrund seiner sonnigen Lage und der sich überall im Ort ergebenden herrlichen Aussicht in das Wesertal entwickelte sich das Dorf Schaumburg dann aber schon früh zu einer beliebten „Sommerfrische“. Neue Wohngebiete wurden erschlossen, so die siedlungsmäßige Bebauung auf den Flächen „Sauern Brink“ und „Im Tiergarten“. Es entstand die geschlossene Siedlung „Blumenstraße“.

Die Bergfalte in Rosenthal zwischen Heuzeberg und Nesselberg.
  • Die Bergfalte in Rosenthal zwischen Heuzeberg und Nesselberg.
Das Gasthaus Scheffler um 1960, heute heißt es „Zum Schaumburger Ritter“.
  • Das Gasthaus Scheffler um 1960, heute heißt es „Zum Schaumburger Ritter“.
Die Domäne Coverden war viele Jahre Mittelpunkt des Lebens vieler Landarbeiterfamilien.
  • Die Domäne Coverden war viele Jahre Mittelpunkt des Lebens vieler Landarbeiterfamilien.

Die Domäne Coverden war seit der Bildung des Bundeslandes Niedersachsen am 1. November 1946 Eigentum dieses Bundeslandes.

Infrastrukturelle Maßnahmen belebten die Gemeinde und machten sie insbesondere bei Urlaubern und Touristen beliebt. 1961 baute der Landkreis Grafschaft Schaumburg die Kreisstraße innerhalb der Ortslage von Ostendorf bis zur B 83 (Unter der Schaumburg) aus. Die Straßenbeleuchtung (28 Lampen) einschließlich Installation wurde gespendet.

Im Jahr 1971 führte die Gemeinde Schaumburg Straßenbezeichnungen ein, änderte aber nicht die Hausnummern. Bereits vorhandene alte Flurbezeichnungen wie zum Beispiel Klippe, Am Block, Im Tiergarten, In den Eschen, Musikantenstraße, Lehmkuhle und Schmiedeweg wurden beibehalten. Letzter Bürgermeister der Gemeinde Schaumburg war von 1968 bis 1974 Karl Lorenz.

Mit Paragraf 5 des Gesetzes zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Grafschaft Schaumburg/Schaumburg-Lippe vom 18. Mai 1973 wurde bestimmt, dass die Gemeinde Schaumburg neben den anderen im Nahbereich befindlichen Gemeinden in die Stadt Rinteln eingegliedert wird. Das Gesetz trat am 1. März 1974 in Kraft.

Die an Jahren verhältnismäßig junge Gemeinde Schaumburg, sie bestand nur rund 45 Jahre, hörte damit auf, als Gebietskörperschaft zu bestehen. Doch der Ort unter der Burg, die Gemeinschaft mit ihren dort lebenden und arbeitenden Menschen, die Vereine und die Dorfgemeinschaft existierten weiter.

Seit der Verwaltungs- und Gebietsreform ist der Ort Schaumburg ein Ortsteil der Stadt Rinteln. Der Name „Stadt Rinteln/Ortsteil Schaumburg“ wird durch den Gebietsänderungsvertrag und die Hauptsatzung der Stadt Rinteln garantiert. Gemeinsam mit den Ortsteilen Deckbergen und Westendorf bildet Schaumburg jetzt die „Ortschaft Deckbergen-Schaumburg-Westendorf“ mit einem „kollegialen“ Ortsrat, dem ein Ortsbürgermeister oder eine Ortsbürgermeisterin als Vorsitzender oder Vorsitzende vorsteht.

Das Dorf hat sich kontinuierlich und positiv weiterentwickelt, zwar jetzt unter anderen städtebaulichen Gesichtspunkten und Zielen, doch sich anpassend an die schnelllebige Entwicklung unserer Gesellschaft. Die Bebauungspläne „Kirchberg“ (1980) und „Lange Breite“ (1996) und der damit verbundene Zuzug von Bürgerinnen und Bürgern trugen kräftig mit dazu bei.

Zukunftsweisend könnte die Ausweisung von künftigen Wohnbauflächen mit dem Teiländerungsbereich 2 der 5. Änderung des Flächennutzungsplanes von Februar 2004 und den Teilplänen 12 und 14 der 19. Änderung des Flächennutzungsplanes von August 2008 sein. Es handelt sich dabei um künftiges Bauland entlang der Rosenthaler Straße und oberhalb des Dorfgemeinschaftshauses, das dazu geeignet ist, aufgrund der vorgegebenen Nutzungsstruktur ein Zusammenwachsen der Ortslagen zu ermöglichen.

Die städtebauliche, gestalterische und landschaftspflegerische Planung setzte sich mit der Dorferneuerung fort. So wurde Schaumburg im Jahr 2005 in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen. Unzählige Vorhaben enthält die diesbezügliche Prioritätenliste, wobei deren Umsetzung nicht aus dem euphorischen, sondern realistischen Blickwinkel gesehen werden muss. Über die Dorferneuerung wurde aus Gründen der Verbesserung der innerörtlichen Verkehrsverhältnisse der Lückenschluss der Gehweganlage vom Dorfgemeinschaftshaus bis zur Einmündung der Straße Am Ostertor und bis zum Rittereck abgewickelt.

Die Domäne Coverden war lange Jahre Mittelpunkt des beruflichen und persönlichen Lebens vieler Landarbeiterfamilien. Sie wurde als ein eigenes Gemeinwesen in Schaumburg betrachtet. Mit der zunehmenden Industrialisierung wanderten Arbeitskräfte ab, und die als eigenes Gemeinwesen bestehende Siedlungs- und Arbeitsgemeinschaft erlosch allmählich. Sie wurde bis zum Jahr 2017 durch Pächter bewirtschaftet.

Zum 1. Juli 2015 erwarb der vorherige Pächter, Johannes Dieckmann, das Eigentum der Domäne Coverden. Sie wird heute nach wie vor bewirtschaftet, jetzt mit modernen maschinellen und personellen sowie innovativen Ressourcen.

Der Ortsteil Schaumburg ist heute beliebter touristischer Mittelpunkt im Weserbergland. Man nennt den Ort nicht umsonst „Perle im Wesertal“.

Überörtlich bekannt sind die hervorragenden Gastronomiebetriebe mit im Sommer belebten Biergärten. Weite Spazier- und Wanderwege führen nach Westen und nach Osten. Genannt sei beispielsweise der Weserberglandwanderweg, der sich von Hannoversch Münden bis zur Porta Westfalica erstreckt und durch Schaumburger Gebiet führt. Aber auch der Winter hat dort seine Reize, wenn schneebedeckte Hügel und Häuser eine innere Ruhe ausstrahlen.

Die ausgezeichnete Gastronomie, moderne Hotelzimmer, attraktive Arrangements, Angebote sowie gemütliche Ferienwohnungen und Fremdenzimmer bieten unterschiedliche Möglichkeiten zum Entspannen und Erholen. Besichtigungen und Führungen an der mittelalterlichen Burganlage halten immer wieder spannende Momente bereit.

Die Spaziergänge zu den Glanzpunkten des Wesergebirges zählen zu den schönsten und können auch von ungeübten Fußgängern mühelos bewältigt werden. Dasselbe gilt für die zahlreichen anderen durch herrliche Fernsichten bekannten Wanderstrecken in den meilenweiten prächtigen Laubwäldern.

Kommunen und Regionen im demografischen Wandel stehen im Wettbewerb um Einwohner, gute Arbeitsmöglichkeiten, attraktive Lebensbedingungen und gute Standortqualität. Die Effekte der demografischen Veränderungen sind vielfältig. Die rasche Zunahme des Anteils älterer Menschen, rückläufige Geburtenzahlen und Wanderungsbewegungen führen regional zu unterschiedlichen Bevölkerungsstrukturen.

Besonders durch die Neubaugebiete hat sich der Ort Schaumburg zu einem Wohn- und Schlafort entwickelt. Nah-Versorger sind längst nicht mehr da. Andererseits ist der Ort ein Gemeinwesen mit verhältnismäßig jungen Einwohnern und einem Bevölkerungszuwachs geworden, deren Mobilität gegeben ist.




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