weather-image
21°

11 000 Kilometer bis nach Hause

Eine junge Afrikanerin besucht Rinteln

RINTELN. Katharina von Seydlitz ist in Namibia geboren und aufgewachsen. Da sie ein Tiermedizinstudium in Hannover begonnen hat, 11 000Kilomerter von zu Hause entfernt, ergab sich in diesem Jahr die Gelegenheit, die Verwandtschaft in Rinteln zu besuchen. Bis Katharina von Seydlitz eine Wohnung in Hannover gefunden hatte, konnte sie einige Zeit bei ihren Verwandten, Siggi und Sabine Stoevesand, in Rinteln wohnen. Unsere Zeitung hat die junge Frau dort getroffen.

veröffentlicht am 30.12.2018 um 14:06 Uhr
aktualisiert am 30.12.2018 um 17:20 Uhr

Bei 11 000km Entfernung gibt es auch manchmal Heimweh. Neben ihrer Familie und den wilden Tieren vermisst Katharina hier in Deutschland vor allem ihren Hund „Pablo“. Foto: pr
Avatar2

Autor

Anja Hillmann Reporterin
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

“RINTELN. Katharina von Seydlitz ist in Namibia geboren und aufgewachsen. Da sie ein Tiermedizinstudium in Hannover begonnen hat, 11 000 Kilometer von zu Hause entfernt, ergab sich in diesem Jahr die Gelegenheit, die Verwandtschaft in Rinteln zu besuchen. Bis Katharina von Seydlitz eine Wohnung in Hannover gefunden hatte, konnte sie einige Zeit bei ihren Verwandten, Siggi und Sabine Stoevesand, in Rinteln wohnen. Unsere Zeitung hat die junge Frau dort getroffen.

Katharina von Seydlitz hat lange blonde Haare, ein gewinnendes Lächeln und lediglich einen ganz leichten Akzent. Auf den ersten Blick vermutet man nicht, dass die 19-Jährige ein Kind Afrikas ist – und sobald wie möglich dorthin zurück möchte.

Auf die Frage, woher sie so gut Deutsch sprechen könne, antwortet Katharina: „Ich bin in Namibia relativ deutsch aufgewachsen. In der Familie sprechen wir Deutsch und ich habe deutsche Schulen besucht. Daher sind mir Sprache und Kultur nicht fremd.“ Auch mit den Touristen, die auf ihre Farm kämen, spreche man Deutsch und Englisch, mit den Familien auf der Farm Afrikaans oder je nach Stammeszugehörigkeit auch Herero oder Owambo. „Aber Deutsch wurde mir sozusagen mit in die Wiege gelegt“, so die junge Frau.

Auf dem alten Schönfeldhof bauten Katahrinas Eltern neue Farmgebäude, Zimmer für die Touristen und Häuser für ihre Angestellten. Foto: pr

Die Farm ihrer Familie liegt im Nordwesten Namibias. Nach Windhoek, Swakopmund und in den Etosha Nationalpark sind es jeweils rund drei Stunden Autofahrt. Katharinas Urgroßvater, der Landwirt und Pionier Siegfried von Seydlitz, wanderte 1908 in das damalige Deutsch-Südwest-Afrika aus. 1913 erwarb er die Farm Schönfeld. Kein Ackerland, sondern Savanne, die für die Viehhaltung genutzt wurde (Rinder, Karakulschafe, Ziegen). 1940 musste der Schönfeld-Hof wegen Wassermangels aufgegeben werden und die Familie zog auf die Nachbarfarm Okakongo, heute Immenhof. Erst 1981 siedelten Katharinas Eltern, wieder auf den verwaisten Schönfeld-Hof über und begannen auf dessen Ruinen mit dem Neuaufbau des Anwesens.

1986 kaufte die Familie das benachbarte Jagdgebiet Okongue zu. Hier leben nun dank nachhaltiger Bejagung und guter Hege wieder bedrohte und seltene Tierarten wie das Spitzmaulnashorn zwischen Giraffe und Zebra, Rappen- und Pferdeantilope, den kleinen Damara Dik-Dik oder Oryx, Spring- und Wasserbock. Schönfeld gehört zu einem der wildreichsten Gebiete des Landes. Neben ihrem Hauptstandbein, dem Tourismus, setzt sich die Familie von Seydlitz als Teilnehmer eines staatlichen Programmes aktiv für den Erhalt seltener Wildtiere ein.

In solch einem Umfeld seine Kindheit zu verbringen, prägt ungemein. So erlegte Katharina zum Beispiel bereits mit elf Jahren ihre erste Antilope – nicht aus Spaß an der Jagd, sondern für das Mittagessen –, lernte mit zwölf Jahren Autofahren und besaß mit 13 Jahren ihr erstes eigenes Quad. Sie half beim Impfen der Wildtiere, hatte Begegnungen mit Schlangen und anderen durchaus gefährlichen Tieren. Auch aß sie bei Besuchen in den Häusern ihrer farbigen Freunde genauso wie diese den Maisbrei mit den Händen. „Aber eine Barbie-Puppe hatte ich auch“, erzählt Katharina lächelnd.

Was sie hier in Deutschland wohl am meisten schätzt, ist das viele Wasser. „Trinkwasser in Namibia ist sehr kostbar. Wenn es nicht regnet, haben wir große Probleme. Daher ist es fast paradiesisch, hier so viel Wasser zur Verfügung zu haben. Auf die Frage, welcher Nation sie sich denn nun zugehörig fühlt, antwortet sie ohne zu zögern: „Ich fühle mich eher deutsch, aber mein Herz ist fest in Namibia verwurzelt. Ich sehe mich als Namibierin und möchte nach meinem Studium von ganzem Herzen wieder zurück in das Land, in dem ich aufgewachsen bin.“




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare