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Fotoausstellung eröffnet

„Eisenhammer“ Exten zeigt jetzt Fotos alter Industriedenkmäler

EXTEN. Der Obere und Untere Eisenhammer in Exten sind auch an diesem „Deutschen Mühlentag“ wieder beliebtes Ausflugsziel gewesen. Das Besondere diesmal: Gleichzeitig ist eine Fotoausstellung über alte, beeindruckende Industriedenkmäler eröffnet worden. Sie kann man bis Oktober besuchen:

veröffentlicht am 10.06.2019 um 16:25 Uhr
aktualisiert am 10.06.2019 um 18:20 Uhr

Am Oberen Eisenhammer in Exten wird nicht nur der Deutsche Mühlentag begangen. Hier hat man außerdem eine Ausstellung über Industriedenkmäler aus Niedersachsen eröffnet. Foto: cok
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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EXTEN. „Das ist doch keine Mühle!“, ruft ein kleines Mädchen fast schon empört und mit Blick auf den „Unteren Eisenhammer“. Die alte Industrie-Schmiede sieht tatsächlich nicht wie eine gewohnte Mühle mit Windflügeln aus, und selbst das Mühlrad ist versteckt. Am „Deutschen Mühlentag“ am Pfingstmontag aber erklärten die Mitglieder vom Heimatverein Exten, wie die Mühlenexter durch ihre Wasserkraft einst zur Industrialisierung des Dorfes beitrug.

Mitte des 18. Jahunderts angelegt, zogen die damals noch vier Unteren und Oberen Eisenhammer Schmiede aus dem Bergischen Land an, erzählt Kevin Potter vom Heimatverein. „Die verteilten sich im Dorf und Umgebung und haben Generationen von weiteren Schmieden hervorgebracht“, sagt er und fügt in bewunderndem Tonfall an: „Ja, die kleine Exter hatte dem Dorf Reichtum gebracht.“ Wer bei den Schmiedevorführungen dabei ist, die Enge, die Hitze, den ungeheuren Lärm erlebt, könnte Mitleid mit den Schmieden bekommen. Kleiner Trost, so Potter: Die seien trotzdem alle ziemlich alt geworden.

Während man am Unteren Eisenhammer zum Mühlentag draußen sitzen und sich mit Torten und Würstchen verwöhnen lassen konnte, bot die Werkstatt des Oberen Eisenhammers 800 Meter weiter nicht nur einen Blick auf den durch das Mühlrad angetriebenen riesengroßen „Hammer“, sondern auch eine Ausstellung mit Schwarz-Weiß-Fotografien von Industriedenkmälern aus Niedersachsen, zumeist mächtigere Gebäude als die Eisenhammer Extens.

Die Ausstellung „Relikte“ zeigt noch bis Oktober Industriedenkmäler aus dem ganzen Bundesland. Foto: cok

Unter dem Titel „Relikte“ sieht man dort noch bis zum Oktober aufgegebene Industriestandorte, etwa die ehemalige Brikettfabrik von Obernkirchen, oder das Schachtgebäude von Nienstädt, melancholisch wirkende Aufnahmen dreier Fotografen aus dem „Netzwerk Industriekultur im mittleren Niedersachsen“, in dem auch der Heimatverein Exten Mitglied ist. Am Vormittag hatte Dr. Olaf Grohmann, Erster Vorsitzender des Netzwerkes und leidenschaftlicher Fotograf von Industrie-Denkmälern, einen Vortrag gehalten.

Im ländlichen Gebiet hätten nicht nur Bauern gelebt, so Grohmann. In Exten sei es direkt losgegangen mit der Industrialisierung, als Teil einer Geschichte, die drohe vergessen zu werden, wenn es nicht engagierte Mitglieder des Netzwerkes gäbe, die diese Geschichte teils dokumentieren, teils, wie hier der Heimatverein Exten, solche Anlagen für die Nachwelt erhielten. Noch bis zum Jahr 2004 stellte der Untere Eisenhammer Spaten und Hacken her. Wer wollte, konnte am Deutschen Mühlentag direkt vor Ort seine heimische Werkzeugkammer damit ergänzen.

Jeden ersten und dritten Sonntag im Monat hat der Eisenhammer geöffnet, in der Zeit von 10 bis 12 Uhr. Auf Nachfrage bietet der Heimatverein auch Sonderöffnungszeiten und Führungen an. Dann erklärt man gern auch den Kindern, warum ein „Hammer“ Teil einer Mühle sein kann.




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