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Ahnenforscher Jürgen Witte beantwortet Fragen nach Vorfahren aus Rinteln

E-Mails aus der ganzen Welt

RINTELN. Aus Kanada und den USA, aus Südafrika und ganz Europa erhält Jürgen Witte (78) E-Mails. Die Absender fragen ihn, ob er vielleicht etwas über ihre Vorfahren wisse, die einst in Rinteln lebten. Zu Anfang weiß er es natürlich nicht. Aber er hat da seine Quellen, und das sind vor allem die Kirchenbücher der Nikolai- und der Jakobikirche. Jürgen Witte ist Ahnenforscher. In seinen Worten heißt das: „Ich habe die Genealogitis.“

veröffentlicht am 14.05.2019 um 16:19 Uhr
aktualisiert am 14.05.2019 um 19:10 Uhr

„Ich kenne die halb auswendig“, sagt Jürgen Witte über die Kirchenbücher der Jakobi-Gemeinde. Als Ahnenforscher beantwortet er Fragen aus aller Welt über Vorfahren aus Rinteln. Foto: cok
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. Aus Kanada und den USA, aus Südafrika und ganz Europa erhält Jürgen Witte (78) E-Mails. Die Absender fragen ihn, ob er vielleicht etwas über ihre Vorfahren wisse, die einst in Rinteln lebten. Zu Anfang weiß er es natürlich nicht. Aber er hat da seine Quellen, und das sind vor allem die Kirchenbücher der Nikolai- und der Jakobi-Kirche. Jürgen Witte ist Ahnenforscher. In seinen Worten heißt das: „Ich habe die Genealogitis.“

Die Leidenschaft, in alten Quellen nach Hinweisen auf die Vorfahren anderer Menschen zu suchen, hat ihren Ursprung in den vielen Gesprächen mit seinem Großvater und den dadurch angeregten Forschungen zur eigenen Familie. „Es ist unglaublich faszinierend, was man da herausbekommen kann“, sagt er. Er weiß jetzt zum Beispiel, dass er Vorfahren in Schweden hat und 25 Cousins und Cousinen in den USA. Bis ins Jahr 1465, also 16 Generationen zurück, kann er den Familienstammbaum beschreiben.

Zusammen mit seiner Frau reiste er nach Ostpreußen, Pommern und Schlesien, dazu nutzte er die Recherchemöglichkeiten über das Internet. Dabei habe er so viel gelernt, dass er dieses Wissen auch für andere Menschen einsetzen wolle, sagt er.

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Ein Trauungseintrag von 1737, der durch die Kurrentschrift schwer zu entziffern ist. Foto: cok

Die frühere Nikolai-Pastorin Astrid Bunselmeyer war begeistert von seinem Angebot, ehrenamtlich für die Ahnenforschung zur Verfügung zu stehen. Bis dahin sei es sehr schwierig gewesen, die Anfragen von in der Welt verstreuten Rintelnern zu beantworten.

Kirchenbücher könne man nämlich nicht einfach so lesen. Dem ungeübten Blick erscheint die alte deutsche Kurrentschrift wie eine Geheimschrift. Die Pastoren, die ihre Einträge über Taufen, Hochzeiten und Todesfälle machten, benutzen oft Abkürzungen, und dazu hat sich auch die Sprache insgesamt so gewandelt, dass man Wortbedeutungen nicht immer einordnen kann. Der Ausdruck „copuliren“ für „verheiraten“ ist da noch eine leichte Übung.

Inzwischen ist Jürgen Witte, zumindest was die Kirchenbücher von Nikolai- und der Jakobi-Kirche betrifft, längst Profi. „Ich kenne die halb auswendig“, meint er. „Wenn ich einen Namen höre, ahne ich oft schon, wo und wie ich suchen muss und was dabei herauskommen wird.“ Die Jakobi-Kirche etwa war ab 1651 die Pfarrkirche für die hessischen Beamten und Soldaten sowie deren Familien. „Da finden sich ganz andere bestimmte Berufe – Füsiliere, Musketiere, Korporale.“

Ohne detektivisches Gespür komme man aus mancher Sackgasse nicht mehr heraus, so Witte. Die eingetragenen Namen enthielten nicht selten Schreibfehler, vor allem, wenn sie nur nach Gehör oder sogar aus dem Gedächtnis aufgeschrieben würden. Da müsse man dann Wohnorte und Geburts- und Sterbedaten vergleichen, um die Identität einer Person festzustellen. „Man braucht Ausdauer, Hartnäckigkeit und Leidenschaft dazu“, sagt er nicht ohne Stolz.

Was er wirklich schade findet: dass es nicht viele Menschen gibt, mit denen er dieses Hobby teilt. „Ich könnte stundenlang darüber reden“, betont er. „Aber immer wieder höre ich auch: Was interessiert mich das? Die Leute sind doch schon so lange tot und waren ja sowieso nichts Besonderes.“ Dass manche nicht eimal den Vornamen eines verstorbenen Großvaters oder ihrer Urgroßeltern wüssten, findet er erschreckend.




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