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Nachbarin unterstützte Angehörige nach Mord an 22-Jähriger / Arbeitgeber glaubt ihr nicht

Ersthelferin bei Bäckerstraßen-Mord als Lügnerin abgestempelt?

RINTELN. Der Mord an ihrer 22-jährigen Nachbarin lässt Yvonne Zeher (Name geändert) nicht los. Nicht nur, dass sie das Erlebte noch lange nicht verarbeitet hat. Nun stehe sie gegenüber ihrem Arbeitgeber auch noch als Lügnerin da.
Wie berichtet ist in der Nacht auf Dienstag eine 22-jährige von ihrem 27-jährigen Mann erstochen worden. Die beiden Kinder des Paars sind wohlauf, ob sie Zeuge der Tat wurden ist unbekannt. Angehörige, darunter Mutter, Vater und Bruder des Opfers, fanden die Leiche am Dienstagmorgen. „Ich bin durch die Schreie der Mutter und eines Babys wach geworden“, berichtet Zeher.

veröffentlicht am 15.03.2019 um 15:44 Uhr
aktualisiert am 16.03.2019 um 15:01 Uhr

Großer Polizeieinsatz nach dem Mord an einer 22-jährigen Afghanin. Foto: tol
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Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Sie sei sofort aus ihrer Wohnung gestürmt, habe die verzweifelten Angehörigen und den Leichnam gesehen. „Ich habe gleich erkannt, dass sie tot ist“, so Zeher. „Ich habe versucht, die Mutter und den Bruder rauszubringen.“ Der Bruder des Opfers sei wie erstarrt gewesen, „das Baby habe ich gleich einer anderen Nachbarin in die Hand gedrückt“, so Zeher. „Ich wollte, dass der Tatort nicht mehr betreten wird, aber die Mutter ging noch einmal rein, wollte mir die Stichwunde zeigen“, erinnert sich Zeher an die dramatischen Minuten.

Als schließlich der Notarzt den Tod festgestellt hatte, musste sie die Nachricht an den Bruder überbringen.

Doch das Problem: Die direkt nach der Tat nach Rinteln geeilten Reporter überregionaler Medien brachten in ihrer Berichterstattung einiges durcheinander. So wurde unter anderem geschrieben, die Polizei habe die Türe geöffnet. Denn da sie nach den Geschehnissen komplett durch den Wind gewesen ist, wollte sie bei ihrem Arbeitgeber einen Tag frei nehmen. „Ich konnte einfach nicht.“ Erst nach langem Hin und Her sei ihr der überhaupt genehmigt worden. Doch aufgrund der falschen Darstellung in der überregionalen Berichterstattung glaube ihr ihr Arbeitgeber jetzt nicht mehr. „Ich habe nur geholfen, und dann werde ich als Lügnerin dargestellt.“

Nachbarn trauern mit Blumen und Kerzen um die junge Frau. Foto: tol

Polizeisprecher Axel Bergmann bestätigt, dass nach den Angehörigen zunächst Nachbarn vor Ort waren, die sich auch im Nachgang um die Angehörigen gekümmert hatten. „Die Zusammenarbeit in der Nachbarschaft hat echt super geklappt“, sagt Zeher. Ein Anwohner habe Decken und Getränke gebracht, andere Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, wieder andere versucht, Trost zu spenden. „Wir sprechen auch jetzt, Tage nach der Tat, sehr viel darüber“, so Zeher. Man habe eine Schweigeminute abgehalten und Kerzen angezündet. Auch die türkischen Nachbarn hätten Blumen gebracht.

Direkt nach der Tat wurde der Tatort abgeriegelt, erklärt Bergmann. Die Nachbarn konnten erst abends, teilweise erst am nächsten Tag, ihre Wohnungen wieder betreten. „All das bestätigen wir auf schriftliche Anfrage auch den Arbeitgebern“, sichert Bergmann mit Blick auf die Probleme von Zeher zu.

Mittlerweile ist eine 17-köpfige Mordkommission gegründet worden. Der mutmaßliche Täter befindet sich in Untersuchungshaft. Vorläufig sitzt der 27-jährige Afghane in Hamburg in Haft. Ob er später hierher überstellt werde, sei Sache der Staatsanwaltschaft.

Weitere Detailfragen zum Fall möchte der Pressesprecher nicht beantworten. „Wir tun das nicht ohne Grund. Jegliches Täterwissen, das wir preisgeben, ist danach verbrannt“, so Bergmann.




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