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Dr. Oliver Glißmann stellt sein Buch über den Maler Georg Osterwald vor

Erzählcafé: Ein Kind der Romantik

RINTELN. Kunsthistoriker Dr. Oliver Glißmann stellt sein Buch über den Maler Georg Osterwald vor und berichtet als Gast im „Erzählcafé“ im Museum Eulenburg über die Arbeit an seiner Biografie.

veröffentlicht am 28.11.2018 um 15:42 Uhr
aktualisiert am 28.11.2018 um 18:30 Uhr

Selbstporträt des 1803 in Rinteln geborenen Kunstmalers Georg Osterwald. Neben unzähligen Architekturgrafiken waren es vor allem die romantischen Landschaftsgemälde, mit denen er sich einen Namen machte. Foto: Museum
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. Der Maler Georg Osterwald, 1803 in Rinteln geboren, ist zu seiner Zeit richtig berühmt gewesen. Neben unzähligen Architekturgrafiken waren es vor allem die romantischen Landschaftsgemälde, mit denen er sich einen Namen machte. Kunsthistoriker Oliver Glißmann berichtete als Gast im „Erzählcafé“ im Museum Eulenburg über die Arbeit an seiner Biografie über Osterwald, die gerade erschienen ist.

Als Glißmann im Jahr 2003 zusammen mit Museumsleiter Stefan Meyer eine große Osterwald-Ausstellung in der Eulenburg präsentierte, wusste man noch nicht viel über das Leben und die künstlerische Entwicklung des Malers. „Mich hat es sehr gereizt, da in die Tiefe zu gehen“, so der Kunsthistoriker aus Porta. Wie kam es, dass der hochbegabte, weltoffene und so erfolgreiche Maler am Ende in seiner Entwicklung doch stehen blieb?

Es sei nicht einfach gewesen, einen Überblick über das Gesamtwerk Osterwalds zu erhalten. Der 1884 in Köln verstorbene Künstler war nie verheiratet. So erbte seine Nichte den Nachlass, von dem sie vieles verkaufte. Osterwald habe durchaus in unterschiedlichen Malstilen experimentiert und sich in einigen Gemälden sogar an skandinavischen Malern orientiert, erzählte Glißmann. Doch finanziell absichern ließ sich sein Leben am besten mit den gefühlvoll-romantischen Gemälden.

Kunsthistoriker Dr. Oliver Glißmann. Foto: cok
  • Kunsthistoriker Dr. Oliver Glißmann. Foto: cok

Durch seinem Zyklus „Galerie von Weseransichten von Minden bis Münden“ hatte Osterwald schon als junger Mann so viel Geld verdient, dass er sich davon diverse Studienreisen leisten konnte. „Dazu war er auch sehr gefragt als Architekturmaler.“ Sein Stich von der zweiten Grundsteinlegung am Kölner Dom gilt als Prunkstück in der Grafiksammlung, die das Bauen am Dom dokumentiert. Dass er noch ganz andere Qualitäten gehabt habe, beweise unter anderem Osterwalds erstklassiges Selbstporträt von 1840 (im Besitz der Eulenburg), auf dem er sich als ernsten, sensiblen und kritisch blickenden Maler in Künstlerrobe darstellt.

Trotzdem habe er an der Romantik festgehalten, als Künstlerkollegen sich schon längst dem Realismus und Impressionismus zugewandt hatten. „Seine gewohnten Bilder waren eben weiterhin unter Käufern sehr begehrt“, so Glißmann. Osterwald galt als freundlicher, geselliger Mensch, dem guten Wein und gutem Leben durchaus zugeneigt. Zugleich liebte er seine vertraute Arbeit, die er bis ins hohe Alter fortsetzte. Möglicherweise hat er sich bewusst dafür entschieden, für immer ein „Kind der Romantik“ zu bleiben.

Glißmanns Buch „Der Maler und Lithograph Georg Osterwald: Ein Leben im Dienst der Romantik“ dürfte vor allem für lokale Kunsthistoriker, Denkmalpfleger und Museen in ganz Deutschland spannend sein. Osterwalds Ansichten von Baudenkmälern in ganz Deutschland sind so präzise, dass sie eine wertvolle Unterstützung bei Restaurationen sein können. Auch Osterwald-Sammler freuen sich. Glißmann erzählte von einem 90-jährigen Kunstsammler aus Hamburg, der glücklich gewesen sei, diese lange angekündigte Biografie nun endlich in Händen zu halten.




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