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90 Minuten über Politik, Fußball und Europa

Europakandidat Kuban und Martin Kind beim „Kneipengespräch“

MÖLLENBECK. Prominenter Besuch im Klosterdorf: Im Rahmen einer Veranstaltung des CDU-Stadtverbands Rinteln sind Tilman Kuban, Bundesvorsitzender der Jungen Union, und Martin Kind, Unternehmer und Geschäftsführer des Fußballbundesligisten Hannover 96, zu Gast gewesen.

veröffentlicht am 07.05.2019 um 15:46 Uhr
aktualisiert am 07.05.2019 um 20:00 Uhr

Beim CDU-Kneipengespräch in Möllenbeck: 96-Geschäftsführer Martin Kind (von links), Bundesvorsitzender der Jungen Union, Tilman Kuban, und der stellvertretende Vorsitzende des Rintelner CDU-Stadtverbands, Ulrich Seidel. Foto: nk

Autor:

Niklas Könner
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Bei dem 90-minütigen „Kneipengespräch“ im Hofgarten am Kloster sprachen Kind und Kuban in lockerer Atmosphäre über Fußball, Politik und Europa und stellten sich anschließend den Fragen der rund 50 Gäste. Anlass war der Wahlkampf Kubans, der bei der Europawahl am 26. Mai für die CDU kandidiert.

Als „Anhänger von Europa“ sei für ihn die „Unterstützung von Europapolitikern eine wichtige Angelegenheit“, erklärte Kind zu Beginn des Gesprächs. Dabei übernahm der aus Barsinghausen stammende Kuban, der früher zwei Jahre als Nachwuchsscout für Hannover 96 tätig war, in der ersten Hälfte des Abends gekonnt die Rolle des Interviewers und löcherte den 96-Geschäftsführer mit Fragen zur aktuellen sportlichen und wirtschaftlichen Situation des Vereins.

So erzählte Kind, dass für die akut abstiegsbedrohten 96er „das Erreichen der Relegation eine Sensation“ wäre. Bei der Frage nach einem neuen Sportdirektor verriet der 75-Jährige indes, dass es eine „deutliche Zahl“ bei den Bewerbungen für den Posten gegeben habe und diesbezüglich „nach eins, zwei Gesprächen in absehbarer Zeit“ eine Entscheidung fallen werde.

„Gehen Sie zur Europawahl!“: Tilman Kuban (links) und 96-Geschäftsführer Martin Kind werben in ihrem Kneipengespräch für den europäischen Zusammenhalt. Foto: nk

Daneben interessierte den Fußballfan Kuban und die aufmerksam lauschenden Zuhörer von Jung bis Alt vor allem auch das Dauerthema „50+1“. Gegen die Regel, die vereinfacht gesagt die Komplettübernahme eines deutschen Profifußballclubs durch Investoren verhindert, hatte Kind in der Vergangenheit einen Ausnahmeantrag gestellt und damit bundesweit Diskussionen ausgelöst.

Im Gespräch betonte er nochmals, dass Profivereine aus seiner Sicht „nichts anderes als Wirtschaftsunternehmen“ sind. Aus diesem Grund könne man es auch nicht akzeptieren, „wenn jemand, der keine Ahnung von Wirtschaft hat, den Geschäftsführer eines Vereins bestimmt“, argumentierte Kind gegen die Regel. Dennoch sei der Ausnahmeantrag für 96 „aktuell ruhend gestellt, solange wir uns bis Ende Mai noch in internen Gesprächen befinden“, klärte der Geschäftsführer die zahlreichen 96-Fans im Publikum auf.

Mithilfe des europäischen Klubwettbewerbs „Europa League“ leitete Kuban schließlich von der sportlichen zur europapolitischen Themenagenda über. Immerhin schaffe der kontinentale Fußball „menschliche und kulturelle Begegnungen“ und könne die Menschen „vereinen und positiv elektrisieren“, sagte der 31-jährige Politiker. Kind stimmte in den Tenor ein und verwies auf die positiven Eigenschaften der EU wie den Freihandel oder die Reisefreiheiten. Er appellierte an die Gäste: „Gehen Sie zur Europawahl, um ein Zeichen zu setzen: ‚Europa ist uns wichtig‘.“

In der anschließenden Fragerunde kamen dann neben weiteren Aspekten zu Hannover 96 vor allem Fragen zu Kubans Wahlkampfthemen auf den Tisch.

Was er denn gegen die steigende Wohnungsnot unternehmen wolle, wollte jemand aus dem Publikum wissen. Kuban erklärte, man müsse in erster Linie die infrastrukturellen Anbindungen im ländlichen Raum verbessern, „um das Wohnen dort schmackhafter zu machen“. Dies gelte es auch bei Medizinstudenten zu schaffen, um dem zunehmenden Ärztemangel auf dem Land entgegenzuwirken.

Beim Konflikt zwischen europäischem Warentransport und Umweltschutz hingegen „müssen wir mehr auf die Schienen bekommen“, betonte Kuban. Und hinsichtlich bürokratischer Hürden für EU-Fördermittel gehe es darum, einen „Mittelweg zwischen den Mitgliedsstaaten zu finden“, sagte Kuban. Weder dürfe das Geld unkontrolliert versickern, noch könne man eine „Zwei-Klassen-EU“ durch unterschiedlich starke Kontrollen in Kauf nehmen.

Nach fast exakt 90 Minuten – der regulären Dauer eines Fußballspiels – traten die beiden Gesprächspartner schließlich den Heimweg an.




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