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Stadt und Einsatzkräfte bringen Konzept auf den Weg

Extremes Hochwasser in Rinteln: „Es würde nicht viel übrig bleiben“

RINTELN. Es regnet. Nicht seit Tagen, sondern seit Wochen. Bei extremem Hochwasser mit einem Weserpegel von sieben Metern oder mehr werden große Teile der Kernstadt überflutet sein. Das Wasser wird die Straßen unpassierbar machen. Menschen können ihre Häuser nicht mehr verlassen, Stromverteilerkästen laufen voll, die Stadtwerke müssen straßenzugweise den Strom abschalten, das bedeutet auch: Heizungen fallen aus. Und das wahrscheinlich im Winter, denn in der kalten Jahreszeit drohen Hochwasser am ehesten. Ein neues Hochwasserschutzkonzept soll Abhilfe schaffen, auch bei extremem Hochwasser.

veröffentlicht am 07.05.2019 um 17:01 Uhr
aktualisiert am 07.05.2019 um 18:00 Uhr

Kaum Land in Sicht: Dieses aus der Drift in Richtung Dauestraße aufgenommene Foto zeigt die Wassermassen, die 1987 Rinteln bedeckten. Der maximale Pegelstand lag damals bei 6,47 Meter. Das bisherige Hochwasserschutzkonzept wäre bis 6,50 gültig gewese
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Autor

Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite

Von solch extremen Ereignissen werden nicht nur Privathäuser betroffen sein, sondern auch die Stätten derjenigen, die helfen sollen: Die Polizeiwache im Haspurthweg sowie die Feuerwehr an der Seetorstraße werden umspült sein.

Es ist dieses Horrorszenario, das die Rintelner Verwaltung gemeinsam mit Einsatzkräften nun gedanklich durchgespielt hat. Um schnell und koordiniert darauf reagieren zu können, hat eine Projektgruppe nun ein Hochwasserschutzkonzept erarbeitet.

Das Konzept zeigt zum einen auf, welche Ortschaften und Stadtteile ab welchen Pegelständen besonders betroffen sein werden, und wie Evakuierungsmaßnahmen aussehen werden. Es zeigt außerdem auf, wie die einzelnen Einsatzkräfte ausgestattet sind, welche Ausrüstung noch fehlt, und wie die Einsatzkräfte zusammenarbeiten werden.

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Auch für die Redakteure der SZ war das Hochwasser von 1987 eine besondere Herausforderung. Hans Weimann ließ sich nicht beirren und watete in Gummistiefeln durch die Wassermassen.

Dass das Szenario Wirklichkeit werden könnte, ist laut den Beteiligten nicht abwegig: „Der Klimawandel ist nicht mehr wegzudiskutieren“, heißt es im Konzept, das jüngst im Feuerschutzausschuss vorgestellt wurde. Unwetter, Starkregen, Dauerregen nehmen zu, und das hat auch steigende Flusspegel zur Folge. Bodenversiegelung und Flussbegradigungen lassen den Pegel zudem stärker und schneller ansteigen als früher. Rinteln ist laut Konzept besonders gefährdet: Es liegt auf dem flachen Boden des Wesertals, die Altstadt liegt auf einer alten Strominsel und zudem liegen zahlreiche Wohnbebauungen auf Alt-Armen der Weser.

„Bis zu einem Hochwasser von 6,50 Meter ist Rinteln gut aufgestellt“, so Stefan Frühmark vom Technischen Hilfswerk (THW), der das Konzept gemeinsam mit Matthias Mühlenhoff von der Feuerwehr Rinteln vorstellte. Doch darüber hinaus gab es kein Konzept für die Weserstadt. Bis jetzt.

Das Konzept geht nun von zwei Situationen aus: zum einen von einem „HQ100“, also einem Hochwasser mit Pegelständen von 6,90 Metern, und von einem „HQ extrem“ mit Pegelständen deutlich über 7 Meter.

Schon „bei einem HQ100 würde von Rinteln nicht viel übrig bleiben“, formuliert es Frühmark drastisch.

Bereits im Sommer 2013 hatte das Wasser- und Schifffahrtsamt einen Pegelstand von 7,26 Metern in Rinteln vorhergesagt. Dazu kam es jedoch nicht, weil die Regenwolken dann doch abzogen und 200 Kilometer weiter östlich an der Elbe niedergingen. Diese Prognose war in Rinteln der Stein des Anstoßes, sich auch hier mit extremen Hochwassern zu beschäftigen. THW und Feuerwehr erarbeiteten jeweils eigene Konzepte. Es dauerte noch bis zum Frühjahr 2017, bis sich Brandschützer, THW und die Verwaltung zusammensetzten und eine Projektgruppe gründeten, die nun das Gesamtkonzept erarbeitete. Auch die Polizei, das Deutsche Rote Kreuz, das Katasteramt und weitere Stellen wurden miteinbezogen. Die etwa achtköpfige Gruppe soll nun zu einer ständigen Einrichtung der Stadt Rinteln gemacht werden und mindestens einmal im Jahr zusammenkommen, um das Konzept auszuwerten und weiterzuentwickeln. Die Gruppenmitglieder sollen regelmäßig Fortbildungen erhalten und auch die Alarm- und Einsatzpläne jährlich überprüfen.

Historische Hochwasserbilder

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Quelle: SZ-Archiv



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