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Unterbringung in Psychiatrie zur Bewährung ausgesetzt

Feuer in Obdachlosenunterkunft gelegt: Zimmerbrand soll „Signal setzen“

RINTELN/BÜCKEBURG. Mit Benzin und einem Streichholz hat ein psychisch kranker Mann sein Zimmer in einer Rintelner Obdachlosenunterkunft in Brand gesetzt. „Ich wollte ein Signal setzen, dass es mir schlecht geht“, sagt er selbst. „Ich hatte Schiss, dass ich auf der Straße lande, weil ich kein Zuhause habe.“ Seit dem Brand lebt der 28-Jährige in Heimen oder Kliniken, wird engmaschig betreut und mit Medikamenten behandelt. Seine Eltern waren bereits vor der Tat gestorben.

veröffentlicht am 10.03.2019 um 14:46 Uhr
aktualisiert am 10.03.2019 um 19:14 Uhr

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RINTELN/BÜCKEBURG. Mit Benzin und einem Streichholz hat ein psychisch kranker Mann sein Zimmer in einer Rintelner Obdachlosenunterkunft in Brand gesetzt. „Ich wollte ein Signal setzen, dass es mir schlecht geht“, sagt er selbst. „Ich hatte Schiss, dass ich auf der Straße lande, weil ich kein Zuhause habe.“ Seit dem Brand lebt der 28-Jährige in Heimen oder Kliniken, wird engmaschig betreut und mit Medikamenten behandelt. Seine Eltern sind bereits vor der Tat gestorben.

Bestraft werden kann der Beschuldigte nicht, weil er einem Gutachten zufolge wegen einer unheilbaren Psychose unzurechnungsfähig war. In einem Sicherungsverfahren vor dem Bückeburger Landgericht hat dessen 1. Große Strafkammer stattdessen die Unterbringung des 28-Jährigen in der geschlossenen Psychiatrie angeordnet, die Vollstreckung dieser Maßregel aber zur Bewährung ausgesetzt. Die Entscheidung ist mit strengen Auflagen und Weisungen verbunden.

So muss der Kranke weiter im Heim in Bad Pyrmont leben, „wo er gut aufgehoben ist“, so Richter Norbert Kütemeyer. Dort bekommt er Medikamente, die dafür sorgen, dass er die Stimme seiner toten Mutter, von der er Anweisungen bekommen haben will, nicht mehr hört. Alkohol und Drogen sind tabu. Monatliche Tests sollen sicherstellen, dass der Heimbewohner sich an dieses Verbot hält. Außerdem bekommt er einen Bewährungshelfer und steht künftig unter Führungsaufsicht.

Am Tag der Tat in Rinteln, dem frühen Abend des 29. Juni 2017, hatte der damals Obdachlose mehr als zwei Promille Alkohol im Blut und zusätzlich Amphetamin genommen. In diesem Zustand goss er Benzin auf den Fußboden und zündete es an, was zu einer Stichflamme führte.

Durch den Brand war das Zimmer verrußt und vorübergehend unbewohnbar, das Mobiliar zerstört worden. Schaden: rund 6000 Euro. Das Hausmeister-Ehepaar hatte versucht, den Brand zu löschen, was mit vereinten Kräften gelang. Die Frau zog sich dabei jedoch eine Rauchgasvergiftung zu. Wäre er schuldfähig, hätte das Gericht den Beschuldigten deshalb nicht nur wegen schwerer Brandstiftung verurteilt, sondern auch wegen Körperverletzung. Beim Löschen hatte er geholfen. „Er hatte nicht nur Angst, selbst zu verbrennen – er dachte auch an andere“, so Verteidiger Nils-Günther Pengel.

Seit dem Brand hat sich der 28-Jährige, dessen Vorstrafenregister mehr als ein Dutzend Einträge aufweist, dann nichts mehr zuschulden kommen lassen. Dennoch sieht das Gericht in ihm weiterhin eine Gefahr für die Allgemeinheit.

Im August 2016 war der Kranke beispielsweise in einem anderen Landkreis auf Bahnschienen herumgelaufen, wodurch der Lokführer eines Nahverkehrszuges zu einer Vollbremsung gezwungen wurde. In der Rintelner Fußgängerzone hatte er einen 80-Jährigen mit der Faust ins Gesicht geschlagen, in einem anderen Fall eine Frau. Und das sind nur drei Beispiele. Der Beschuldigte sagt, er habe diesen Menschen „die Faust gegeben“.

Auch durch das Feuer in der Obdachlosenunterkunft sind Unbeteiligte gefährdet worden. „Das Haus kann ruckzuck in Flammen stehen“, erklärt Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig. „Es hängt einfach nur vom Zufall ab, ob Menschen verletzt werden.“ Verteidiger Pengel weist darauf hin, dass sein Mandant nicht viel Benzin genommen habe: „Der Fünf-Liter-Kanister war noch gut gefüllt.“ ly




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