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Schüler berechnen Bewegungskräfte von Messe-Fahrgeschäften

Fliegendes Klassenzimmer: Physikstunde in „Jump Street“ & Co.

RINTELN. Für 18 Schüler und Schülerinnen aus der 11. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Ernestinum hat die Messe drei Stunden vor der offiziellen Eröffnung begonnen, mit Fahrten im „Jump Street“, im Fliegenden Teppich und im Globus-Kettenflieger. Was nach bloßem Vergnügen aussah, war eine Physikstunde der besonderen Art.

veröffentlicht am 03.05.2019 um 16:39 Uhr
aktualisiert am 04.05.2019 um 00:34 Uhr

Gefühl für starke Bewegungskräfte: Im „Jump Street“ sollten die Schülerinnen und Schüler Arme und Beine mal locker anheben – ohne Sicherung in der Körpermitte wären sie durch die Luft geflogen. Foto: tol
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. Für 18 Schüler und Schülerinnen aus der elften Jahrgangsstufe des Gymnasiums Ernestinum hat die Messe schon drei Stunden vor der offiziellen Eröffnung begonnen, mit Fahrten im „Jump Street“, im „Fliegenden Teppich“ und im „Globus-Kettenflieger“. Was nach bloßem Vergnügen aussah, war in Wirklichkeit eine Physikstunde der besonderen Art.

Bereits bei der Konstruktion von Fahrgeschäften spielen physikalische Berechnungen eine entscheidende Rolle. Die entstehenden Fliehkräfte sollen schließlich niemanden aus dem Sitz oder Köpfe von Karussellbesuchern gegeneinander schleudern. Wie stark die Bewegungskräfte auf den Körper wirken, konnten die Schüler ganz konkret erfahren, als sie von Schaustellersprecher Marlon Klaasen aufgefordert wurden, im „Jump Street“ Arme und Beine locker anzuheben. Ohne Sicherung in der Körpermitte wären die Jugendlichen quer durch die Luft geflogen.

Sowohl im „Jump Street“ als auch im Fliegenden Teppich „1001 Nacht“ gibt es immer wieder beglückende Momente einer echten Schwerelosigkeit. Diese entsteht dann, wenn die Erdbeschleunigung und die Beschleunigung des Fahrgeschäfts einander gegenseitig aufheben. Was man da sinnlich am eigenen Leib erlebt, sollten die Schüler nach Anleitung ihres Physiklehrers Christopher Kranz wissenschaftlich mit Messdaten untermauern. Sehr praktisch dabei: die Handy-App „phyfox“. Das ist ein kleines Programm, das die Geschwindigkeit und die Beschleunigung von Kreisbewegungen misst.

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Auf dem Fliegenden Teppich geht’s in 27 Meter Höhe. Foto: tol

Abwechselnd saßen die Schüler entweder im Fahrgeschäft oder sie sammelten Beobachterdaten über die Anzahl der Umdrehungen in einer Minute, über den Umdrehungsradius und die Umlaufzeiten. Später im Klassenzimmer-Unterricht werden beide Datensammlungen miteinander verglichen. Die Frage wird dann sein, ob die im Fahrgeschäft gemessenen Beschleunigungen zu den Messdaten des Beobachterteams passen.

Am „Globus-Kettenkarussell“, Baujahr 1947, wurde es noch ein wenig komplizierter, da hier auch die Eigenbewegung der herumschwenkenden Sitze erfasst wurde.

Auflockernd hinzu kam ein Experiment mit Tennisbällen. Diese sollten so fallengelassen werden, dass Mitschüler sie auffangen konnten, ohne sich vom Fleck zu bewegen. Was intuitiv gelang, nämlich den Ball am genau richtigen Entfernungspunkt zum Fänger loszulassen, wird später mit den gesammelten Messdaten noch einmal präzise errechnet.

Den Schülern und auch den Schaustellern machte diese ungewöhnliche Unterrichtserfahrung großen Spaß. Vor allem der Fliegende Teppich ist zudem ein so aufregendes Fahrgeschäft, dass schnell Jubelrufe erklangen bei der rasenden Kreisfahrt bis zu einer Höhe von 27 Metern. Eine kleine Gruppe jüngerer Schüler stand neidisch dabei. Sie müssen noch ein paar Jahre darauf warten, auch mal an solch einer Messe-Physikstunde teilnehmen zu können.




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