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Weiterer Rücktritt aus Ortsrat

Früher als erwartet: Bartling legt politische Ämter nieder

STEINBERGEN. Ein Paukenschlag: Deutlich früher als erwartet legt Heiner Bartling seine politischen Ämter in Steinbergen nieder. Lediglich seinen Sitz im Stadtrat behält er. Die Entscheidung sei kurzfristig gefallen und hat mit seiner Fraktion zu tun. Mit Heike Hamann tritt ein weiteres Mitglied aus dem Ortsrat aus.

veröffentlicht am 18.10.2018 um 18:23 Uhr
aktualisiert am 18.10.2018 um 19:30 Uhr

Heiner Bartling hat der Ortspolitik jetzt überraschend zügig den Rücken gekehrt: „32 Jahre sind lang genug.“ Foto: Momo

Autor:

Maurice Mühlenmeier
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STEINBERGEN. Fast zwei Stunden hatte der Ortsrat schon getagt, es war stickig, und die meisten der Anwesenden wirkten relativ geschafft von dem, was hinter ihnen lag. Doch am Ende, ganz am Ende, als die Gemüter wieder hochkochten, da sorgte Heiner Bartling (SPD), noch ein letztes Mal für Aufsehen: „Zum 30. Oktober lege ich mein Amt als Ortsbürgermeister und Ortsratsmitglied nieder.“

Das Urgestein der Steinberger Lokalpolitik bleibt dem Stadtrat allerdings erhalten, verrät Bartling im Gespräch mit dieser Zeitung. „Und ich habe ja auch noch meine Ehrenämter und Vereine.“ Bartling hatte es im Vorfeld angekündigt: Er wolle keine ganze Wahlperiode mehr im Amt bleiben, sondern nach zwei Jahren abdanken.

Doch der geplante Nachfolger legte sein Amt nieder, Bartling machte weiter – bis jetzt. „Es war eine recht kurzfristige Entscheidung, es jetzt zu tun.“ Besonders die vergangenen Monate seien bisweilen anstrengend gewesen. „Manchmal war es, als kämpfe man gegen Windmühlen“, verrät der scheidende Ortsbürgermeister. „Auch innerhalb meiner Fraktion.“ Dort war zuletzt in der Diskussion um die Kirchpoller deutlich signalisiert worden, dass der Ortsbürgermeister nicht mehr den vollen Rückhalt in der SPD-Fraktion besitzt.

Udo Schobeß, Fraktionsvorsitzender der CDU, ist von der Entscheidung nicht überrascht: „Er hat es angekündigt und Wort gehalten.“

Wie es weitergeht, will Bartling nicht in Stein meißeln: „Erst einmal haben wir einen stellvertretenden Bürgermeister“, der das Amt ausübe, bis die Verwaltung eine Neuwahl anberaumt. Wer dann aufgestellt wird, ist derzeit offen: „Darüber werden wir auch interfraktionell noch sprechen.“ Bis dahin hat Sascha Gomolzig (CDU) die Amtsführung inne: „Ich mache das natürlich gerne“, so Gomolzig. Er war überrascht von Bartlings Rücktritt, blickt aber nach vorn: „Ich denke, im Frühjahr wird der Ortsrat einen neuen Bürgermeister wählen.“ Er könne sich vorstellen, dann selbst zu kandidieren.

Doch Bartlings Rücktritt hat auch ein Nachbeben: Auf Anfrage dieser Zeitung verkündete Heike Hamann (parteilos) ebenfalls ihren Rücktritt. „Ich hatte es schon vorher erwogen“, erklärt Hamann. Bartlings Rücktritt sei nun der ausschlaggebende Faktor gewesen. „Sicher“, so Hamann, falle ihr der Schritt schwer. Ihr Rücktritt bedeutet auch ihren vollständigen Rückzug aus der Lokalpolitik, doch „wenn man das Gefühl hat, nichts mehr bewirken zu können“, sei es der richtige Schritt.

Damit schrumpft der Steinberger Ortsrat nach einer Sitzung auf nur noch sieben Mitglieder. Die SPD-Fraktion reduziert sich um einen Sitz, ein Nachfolger ist nicht Sicht. Das sieht auch Jens Wienecke für die SPD-Fraktion kritisch: „Man hat den Aufbau eines Nachfolgers in der Fraktion verschlafen.“ Man habe es nicht kommen sehen: „Dass es so kurzfristig kam, hat mich schon überrascht.“ Auch er verweist bei der Nachfolge auf kommende Gespräche – festlegen will sich noch niemand.

Für Bartling indes ist nun die Zeit zum Rückblick gekommen. „Unser größter Erfolg war die erfolgreiche Dorfsanierung“, resümiert er. Damit einhergegangen seien aber auch infrastrukturelle Probleme – Allgemeinmediziner, Schlachter und Apotheke wanderten ab. Manchmal fühle er sich dafür verantwortlich gemacht.

„Trotzdem haben wir über die letzten 30 Jahre die meiste Zeit über sehr einmütig Politik gemacht in unserem Ortsrat“, schließt Bartling: „Ich wünsche dem Ortsrat auch weiterhin alles Gute.“




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