weather-image
15°

Investitionen am Heimatstandort

Futtermittel von Eggersmann ist international gefragt

RINTELN. Pferde und Pferdesport sind in. Die Spitzenreiter werden bewundert, der Nachwuchs eifert ihnen in immer größerer Zahl nach – besonders junge Frauen. Ein stark wachsender Markt, auch für Futtermittel. Das Rintelner Unternehmen „Heinrich Eggersmann Futtermittelwerke“ ist Spezialist für Pferdenahrung.

veröffentlicht am 12.12.2018 um 14:52 Uhr

Hier wird der „Wintertraum“ für Pferde abgefüllt und verpackt. Die Mitarbeiter Natali Tsabolov (rechts) und Mahmut Atliyan nehmen die goldfarbenen Beutel vom Band. Foto: dil

Autor:

Dietrich Lange
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wer sein Pferd liebt, der gibt ihm auch zu Weihnachten besonders Leckeres, hergestellt in Rinteln. Und selbst dem Heumangel nach der Dürre im Sommer kann man mit Spezialfutter aus Rinteln entgegenwirken, damit der geliebte Vierbeiner gut genährt durch den Winter kommt. Inhaber Heinrich Eggersmann schildert im Gespräch mit dieser Zeitung, worauf der Erfolg beruht und was dafür investiert wird.

Herr Eggersmann, ihre Angebotspalette an Krippenfutter für Pferde reicht von der einfachen Getreideflocke bis hin zu vielseitig und individuell zusammengesetzten Pellets oder Müslis. Darüber hinaus bieten sie eine Vielzahl von Futterspezialitäten wie Mineralfutter, Leckerlis oder Konzentrate. Wie viele Einzelprodukte sind das?

Wir haben 20 verschiedene Müsli-Sorten im Programm, sieben Pellet-Sorten, sieben verschiedene Mineralfutter, 13 unterschiedliche Zusatzmittel, elf Sorten Leckerbricks sowie einige Einzelfuttermittel.

Und was haben Sie zu Weihnachten für die Vierbeiner im Programm?

3 Bilder
Der neue Vorbau (links) im Werk am alten Kreishafen. Foto: dil

Zu Weihnachten gibt es unseren traditionellen Lebkuchen-Leckerli.

Der letzte Sommer brachte große Einbußen bei der Heuernte, teurer Zukauf oder Reduzierung der Tierbestände heißt es bei Rinder- und Pferdehaltern. Was bieten Sie als Alternative, um die Pferde gut genährt durch den Winter zu bekommen?

Der Preis für Heu hat sich etwa verdreifacht. Wir bieten verschiedene Arten von Strukturfutter und Heu-Cobs an, aber auch ein guter Pellet kann die Heu-Versorgung ergänzen.

Und ist das eine teure Lösung für Pferdehalter?

Im Vergleich zu den momentanen Heu-Preisen ist es eine gute preisliche Alternative für den Pferdehalter.

Ist für Sie die Rohstoffbeschaffung in diesem trockenen Jahr schwieriger geworden?

Die Rohstoffversorgung ist schwieriger zur Zeit, dennoch haben wir unsere festen Lieferanten, die uns versorgen.

Pferdehaltung ist nach wie vor populär. Steigt die Zahl der Pferde hierzulande, steigt damit der Absatz Ihrer Produkte?

Im Bereich der Zucht sind die Zahlen wieder leicht steigend. Generell ist die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Futter gestiegen, das ist auch ein Grund für die Erweiterung aller unserer Standorte.

Wohin gehen Ihre Produkte schwerpunktmäßig außerhalb Deutschlands?

Schwerpunkte im Export sind die an Deutschland angrenzenden Länder sowie Skandinavien und die baltischen Länder. Wir beliefern aber auch Kunden in Dubai.

Nach der Schließung Ihres Werks im bayerischen Gochsheim vor einigen Jahren produzieren Sie nur noch in Rinteln. Die Standorte sind Galgenfeld und alter Kreishafen an der Weser. Sie haben an beiden Standorten 2017 ausgebaut.

Im Galgenfeld ist eine neue Vermahlungslinie entstanden mit der dreifachen Leistung beim Vermahlen. So können wir alle Pressen in der Mühle gleichzeitig versorgen. Im Hafen wurde ein neues Lager für Rohstoffe, Leerpaletten und Leertüten gebaut, da die neu installierte Absacklinie mehr Platz als die Alte eingenommen hat.

In diesem Jahr ist der Logistik-Standort an der Alten Steinberger Straße mit einem Hallenneubau dran gewesen. Was wurde investiert? Was bringt der Bau für Vorteile?

Das Tütenlager wurde notwendig, da die Anzahl der Kunden für die Lohnproduktion stetig steigt. Es wurde ein Lager mit 1600 Quadratmetern Fläche angebaut für etwa 1300 Paletten-Stellplätze. Hier haben wir inklusive der Dachsanierung der alten Gebäude etwa eine Million Euro investiert.

Sind für die nächsten Jahre weitere Investitionen geplant?

Im Grunde genommen wird ständig investiert, gerade sind einige Büroräume mit Renovierungen dran, und sicherlich sind die Fassaden der Silo-Gebäude in naher Zukunft auch ein Thema.

Wie sehen Sie die Entwicklung Ihrer Absatzmärkte und der Konkurrenzlage in den nächsten Jahren? Wird das Geschäft härter?

Ja, für unsere Mitbewerber (er lacht).

Ärgert US-Präsident Trump auch Sie mit seinem Handelskrieg, oder haben Sie noch kein US-Geschäft?

Der Trump hat uns noch nicht geärgert, geschafft hat das aber sein Kollege Putin. Das Geschäft mit Russland ist deutlich schwieriger geworden durch die Einfuhrstopps.

Absatzmarkt Dubai, ein Land in einer Krisenregion. Machen Sie sich Sorgen? Und wie pflegen Sie diesen Markt?

Wir machen uns da keine Sorgen. Wir haben dort vor Ort einen Agenten, der den Markt kennt und auch weiterhin steigende Absatzzahlen aufzuweisen hat.

Nachwuchsförderung durch Sponsoring ist für Sie wichtig. Nennen Sie doch mal Ihre Hauptaktivitäten!

Als wichtigste Nachwuchsförderung ist sicherlich der Junior Cup zu nennen, der in ganz Deutschland die reiterliche Jugend fördert. Ein ähnliches Konzept ist gerade für Ungarn durch unseren Händler vor Ort in der Entwicklung. Wir unterstützen auch die Aktion „Pferde für unsere Kinder“, wo die Kleinsten schon mit dem Pferd in Berührung gebracht werden.

Wie gut sind Sie in der Reitsportszene vernetzt?

Wir sind in der Reitsportszene sehr gut vernetzt, was auch sehr wichtig ist. Kontakte werden auf Turnieren, aber auch auf Messen gepflegt und neu geknüpft.

Wer sind Ihre berühmtesten Kunden? Oder ist das ein Betriebsgeheimnis?

Einige auch international erfolgreiche und bekannte Reiter wie Holger Wulschner, Kai Rüder, Torben Köhlbrandt und Heiner Engemann sind langjährige Kunden und Partner. (Er lacht wieder) Und natürlich unsere Tochter Friederike (die als Reiterin erfolgreich ist, mittlerweile einen Pferdehof in Eisbergen betreibt und ausbaut, Anm. der Red.).

Wie viele Beschäftigte haben Sie derzeit, und wie ist die Tendenz?

Zum Jahresende haben wir knapp 70 Beschäftigte, wobei wir auch noch vakante Stellen im Bereich der Produktion haben. Der Umsatz ist wie unser Personalbedarf steigend.

Finden Sie noch genügend beruflichen Nachwuchs, bilden Sie selbst aus?

Ja, wir bilden selber aus. Zum einen die Verfahrenstechnologen der Mühlen und Getreidewirtschaft, da haben wir zur Zeit zwei Auszubildende, sowie Industriekaufleute, da sind es drei Auszubildende. Der Ausbildungsplatz Industriekauffrau/Mann für 2019 ist bereits besetzt.

Zwei Ausbildungsplätze für den Müller sind für 2019 noch zu vergeben. Dieser Beruf ist relativ unbekannt, deshalb ist es hier auch schwieriger, Auszubildende zu finden. Wir gehen zu Ausbildungsmessen um für diesen Beruf zu werben. Es ist eine sehr abwechslungsreiche, interessante Ausbildung mit sehr guten Perspektiven.

Ist der Standort Rinteln für Sie weiter gut – oder hätten Sie hier gern etwas anders?

Heimat ist und bleibt Heimat!

„Der Hobbypferdemarkt ist fest in Frauenhand“, teilt Sandra Eggersmann mit. „Darauf richten wir uns mit unseren Produkten und der Kundenansprache aus.“ Marketing mit Optik und sympathischen Namen sichert Absatz, allein unsere hohe Qualität wäre nicht genug. „Bei Leckerli sind wir sogar Marktführer“, ergänzt Heinrich Eggersmann.

Zwei bis vier neue Produkte bringt die Firma Eggersmann pro Jahr auf den Markt. „Wir hören viel auf Messen und in Kundengesprächen, arbeiten mit der Universität Nürtingen und anderen Wissenschaftlern aus dem Bereich Tierernährung zusammen, und wir haben stets auch die Konkurrenz im Blick“, berichtet Sandra Eggersmann. Ihr Mann ergänzt: „Und wenn wir ein neues Produkt kreieren, machen wir die Rezeptur selbst und haben es binnen weniger Wochen am Markt.“

Geliefert wird vom 100-Gramm-Beutel bis zum Big-Pack mit 600 bis 800 Kilo Gewicht. Viele Kunden aus der Region kommen auch direkt zum Logistikstandort an der Alten Steinberger Straße, zum Einkauf und zur Futterberatung. Hauptabsatz ist aber über den Großhandel.

Das Werk am Hafen arbeitet in drei Schichten, das im Galgenfeld je nach Bedarf in zwei bis drei Schichten. Heinrich Eggersmann ist der Technikexperte, der auch selbst mal in einer Schicht mitarbeitet, seine Frau Sandra kümmert sich vorrangig um Marketing, Logistik und Verwaltung. Da viele Mitarbeiter selbst Pferdehalter sind, werden bei deren und Tochter Friederikes Pferden neue Produkte vor der Markteinführung auf Akzeptanz getestet. Außendienstler stellen die Produkte bei Kunden vor, oder auf Messen. Bei der Bestellung wird die Optik und der Aufkleber gleich mitbestimmt.

„Viele Kunden schätzen uns als bodenständigen Familienbetrieb, da sie selbst bodenständig sind“, freut sich Sandra Eggersmann. „Das ist ein Vorteil gegenüber der Industrie.“ Großhersteller sind aber nicht nur Mitbewerber, sondern selbst Kunden, für diese wird auch in Lizenz produziert. „Rund 45 Prozent unserer Produktion kommen unter fremdem Namen zum Kunden“, erklärt Heinrich Eggersmann die Bedeutung der Lohnproduktion. dil




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare