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Baumsachverständige beklagt gefährliche Ignoranz der Stadtverwaltung bei Baumpflege und Verkehrssicherheit

Gefährliche Ignoranz: Baumsachverständige beklagt Untätigkeit der Verwaltung

RINTELN. „Ich habe ja nichts zu verlieren“, erklärt Antje Wiskow ihre Motivation, mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Baumsachverständige arbeitet als Selbstständige in Stadthagen. In Rinteln erstellt und betreut sie seit 2012 das Baumkataster. „Mittlerweile fahre ich oft mit Bauchschmerzen nach Rinteln.“ Das Problem: Sie kann sich mit ihrer Expertise bei den Lokalpolitikern und der Verwaltungsspitze der Weserstadt kaum durchsetzen. „Ich kann nicht verstehen, wie man sehenden Auges Gefahren nicht beseitigt“, zeigt sich Wiskow verwundert.

veröffentlicht am 06.03.2019 um 14:34 Uhr
aktualisiert am 07.03.2019 um 18:05 Uhr

Die Mitarbeiter des Bauhofs nimmt die Baumsachverständige Antje Wiskow explizit in Schutz.
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Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Doch zunehmend sei sie wirklich frustriert vom Verhalten der Lokalpolitik und der Verwaltung. Explizit in Schutz nimmt sie dabei die Mitarbeiter des Bauhofs. Sie stünden unter enormem politischem Druck. Jeder Baum, der gefällt werde, entwickle sich sofort zum Politikum.

Außerdem seien die Mitarbeiter ständig für irgendwelche Veranstaltungen im Einsatz oder anderweitig beschäftigt. „Für Baumpflegemaßnahmen bleibt da keine Zeit.“

Das sei ein Problem, das sich wie ein roter Faden durch die Rintelner Bäume ziehe: Sie werden zu wenig gepflegt. Und wenn Bäume nicht gepflegt werden, dann werden sie gefährlich. Besonders fatal: Gefährliche Bäume bleiben in Rinteln oft viel zu lange stehen, beklagt Wiskow.

Die Diplom-Ingenieurin, die bereits ihre Diplomarbeit zum Thema Baumpflege geschrieben hatte, beschäftigt sich seit 2012 intensiv mit dem Rintelner Grünholz. Und selbst bei den verhältnismäßig jungen Bäumen, die während ihres Wirkens in der Weserstadt neu gepflanzt wurden, stellt sie mittlerweile Probleme fest. „Es ist wichtig, neue Bäume zu pflanzen. Aber diese Bäume müssen gerade in ihrer Jugend gepflegt werden. Fehlentwicklungen müssen frühzeitig entfernt werden, damit die Bäume sich vernünftig entwickeln können.“

Wenn das nicht passiert – wie leider viel zu oft in Rinteln – werden die Bäume gefährlich und müssen gefällt werden. „Die Baumpflege bindet aber wahnsinnig viel Arbeitskraft beim Bauhof“, weiß Wiskow. „Und dafür wird den engagierten Mitarbeitern einfach nicht genug Zeit gegeben.“ So entwickeln sich bei frisch gepflanzten Bäumen gefährliche V-Vergabelungen, Äste brechen ab, Fäule gelangt in den Baum. „Das ist doch Verschwendung von Steuergeld“, meint die Baumsachverständige. Schon 2012 habe sie deswegen einen warnenden Brief an das Bauamt geschrieben – geändert hat sich nichts.

Wiskow arbeitet überwiegend als Sachverständige für Kommunen. Und zwar nicht nur in Rinteln, sondern auch in Barsinghausen, Wunstorf und Stadthagen. „Nirgends ist es so schlimm wie in Rinteln.“ In anderen Kommunen nehme man das Expertenwissen wertschätzend an. In Rinteln würden viele Entscheidungsträger mit einer vorgefassten Meinung auftreten – und diese anschließend nicht aufgeben.

Das Problem beginne schon an der Verwaltungsspitze: „Man ist nicht am Thema interessiert, ignoriert es und setzt das Fachwissen des Bauhofs nicht um.“ Ob das politische Gründe hat? „Der Bürgermeister müsste da mal auf den Tisch hauen“, findet Wiskow.

Antje Wiskow appelliert: Der Bauhof müsse die Möglichkeit bekommen, sich angemessen um den Baumbestandzu kümmern. Das Fachwissen der Mitarbeiter müsse vom Bürgermeister wertgeschätzt und umgesetzt werden. „Ich mache die Baumkontrolle ja nicht, weil ich gerne Bäume fälle. Sondern, weil wir die Bäume erhalten wollen.“ Bäume würden nur gefällt, wenn es wirklich nötig sei. Aber wenn Bäume jahrelang vernachlässigt werden, entstehen oftmals Sicherheitsrisiken.

Das Thema Bäume müsse in der Weserstadt wieder sachlich behandelt werden. Neben dem aktuellen Fachwissen müssen auch die rechtlichen Aspekte (Naturschutz und Verkehrssicherheitspflicht der Stadt) berücksichtigt und angewandt werden. „Eine lediglich emotional geführte oder politisch motivierte Diskussion einiger weniger ist hier nicht zielführend und kann unter Umständen gravierende Folgen haben.“




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