weather-image
13°

Weniger Anträge auf Kleinen Waffenschein

Genug für ein Regiment: 2500 scharfe Waffen in der Stadt

RINTELN. Rüstet die Weserstadt weiter auf? Auch in Rinteln zeichnete sich seit 2016 der bundesweite Trend ab: Immer mehr Kleine Waffenscheine wurden ausgegeben. Wie ist der Stand der Dinge heute?

veröffentlicht am 31.01.2019 um 15:55 Uhr
aktualisiert am 31.01.2019 um 18:40 Uhr

Das Waffenarsenal des kleinen Mannes? Schreckschusspistole und Pfefferspray erfreuen sich großer Beliebtheit. Foto: momo

Autor:

Maurice Mühlenmeier
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Anette Sievert vom Ordnungsamt ist Rintelns Waffenbeauftragte: „Der Trend der steigenden Anträge hat sich nicht fortgesetzt“, erläutert sie. So seien im Jahr 2016 noch 71 Anträge auf den Kleinen Waffenschein gestellt worden. „Er erlaubt das Tragen sogenannter Schreckschusswaffen in der Öffentlichkeit“, so Sievert. 2017 wurden 43 weitere Anträge gestellt; diese Zahl halbierte sich im vergangenen Jahr auf noch 20 Anträge auf den Kleinen Waffenschein. „Das ist trotzdem noch viel für Rinteln“, betont Sievert. Denn: „2015 gab es nur zehn Neuanträge.“

Ein Kleiner Waffenschein berechtigt seinen Besitzer zum Führen von Schreckschuss-, Signal- und Reizstoffwaffen, die das Siegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt tragen. Das sogenannte PTB-Siegel entscheidet über die freie Verkäuflichkeit der Waffe. Eine solche Waffe darf zum Leidwesen der Polizei grundsätzlich jedermann ab dem 18. Lebensjahr frei erwerben. In den eigenen vier Wänden kann der geneigte Waffennarr also grundsätzlich Hunderte solcher Schießeisen bunkern, ohne ein Gesetz zu verletzen oder dass dies offiziell erfasst würde – nur wer sie öffentlich tragen will, benötigt den Kleinen Waffenschein.

Schreckschusswaffen sind trotz dieser liberalen Gesetzeslage kein bloßes Spielzeug, das Krach macht und stinkt. Ein aufgesetzter Schuss aus so einer Waffe kann durch den entstehenden Gasdruck durchaus tödliche Verletzungen zufügen. Und auch die enthaltenen Reiz- und Wirkstoffe bergen Gefahren: Bei der sogenannten „P.A. Knall“-Munition, gibt es Varianten, die einen besonders starken Mündungsblitz erzielen und schwere Verbrennungen herbeiführen können, Reizgase führen zu Verätzungen und Schäden an Augen und Schleimhäuten.

Die Gründe für die Antragsflut beim Kleinen Waffenschein sieht Sievert im allgemeinen Unsicherheitsgefühl vieler Antragsteller. „Ich versuche dann oft, entsprechend auf die Menschen einzuwirken, diesem Gefühl nicht nachzugeben.“ Bemühungen, die nicht immer vom Erfolg gekrönt sind. Denn: 285 Personen in Rinteln sind 2019 im Besitz eines kleinen Waffenscheins – Tendenz steigend.

Wer eine scharfe Waffe besitzen will, muss weitaus höhere Antragshürden nehmen, um eine sogenannte Waffenbesitzkarte (WBK) zu erlangen. Sie berechtigt zum Besitz scharfer Waffen und bedingten Transport und Führen derselben, wenn ein berechtigtes Interesse vorliegt. So dürfen Jäger und Sportschützen die Waffen im Auto transportieren, von der Munition getrennt. „Aber nur auf direktem Weg zum Bestimmungsort, sprich Jagdrevier oder den Sportverein“, erläutert Sievert.

Für eine WBK muss man ein berechtigtes Interesse vorweisen. Bei Jägern genügt der Jagdschein, der ohnehin eine waffenkundliche Grundbildung voraussetzt. Sportschützen müssen mindestens ein Jahr in einem Verein gemeldet sein. In Rinteln gibt es derzeit 488 WBK-Besitzer.

Erstaunlich ist die Zahl der legal registrierten scharfen Waffen in Rinteln. „Etwa 2500“, so Sievert, „Tendenz steigend“. Diese 2500 Waffen verteilen sich auf eben jene 488 Träger einer WBK. Genug Waffen, um ein ganzes Regiment zu versorgen.

Die Dunkelziffer beim illegalen Besitz scharfer Waffen ist unbekannt. Sie dürfte jedoch hoch liegen. Denn bei den zurückliegenden Generalamnestien für illegalen Waffenbesitz, bei dem die Schießeisen straffrei bei Polizei oder Stadt abgegeben werden konnten, kamen unglaubliche Arsenale zusammen.

„Auch nach der dritten Amnestie innerhalb kurzer Zeit kamen mehrere Hundert Waffen zusammen“, so Sievert. Sie ist jedenfalls erstaunt: „Für unsere kleine Stadt ist das eine ganze Menge.“




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare