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16 Schläge um Mitternacht

Glocken wecken Gäste im neuen Hotel am Kloster

MÖLLENBECK. Glockengeläut und die Nachtruhe von Hotelgästen sind selten kompatibel. Daher will sich am Montag der Kirchenrat der reformierten Kirche Möllenbeck mit der Bitte von Anne Lee-Bolhöfer und Anthony Robert Lee beschäftigen, den Stundenschlag der Klosterglocken von Mitternacht bis morgens um sieben auszusetzen.

veröffentlicht am 10.08.2018 um 17:20 Uhr
aktualisiert am 10.08.2018 um 18:00 Uhr

Vom Hotel aus hat man einen Blick auf die Kirchtürme.
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Autor

Hans Weimann Reporter
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MÖLLENBECK. Glockengeläut und die Nachtruhe von Hotelgästen sind selten kompatibel. Deshalb will sich am kommenden Montag der Kirchenrat der evangelisch-reformierten Kirche Möllenbeck mit der Bitte von Anne Lee-Bolhöfer und Anthony Robert Lee beschäftigen, den Stundenschlag der Klosterkirche von Mitternacht bis morgens um sieben auszusetzen.

Bolhöfer und Lee hatten im Juni in der Domäne ein Hotel eröffnet, das sofort große Resonanz gefunden hat. Es gibt elf Zimmer, darunter Familienzimmer mit „Schlafkojen“ für Kinder, auch ein Zimmer, das behindertengerecht eingerichtet worden ist.

Lee sagt: Es sei nicht so, dass sich Gäste direkt beschwerten, „sie lassen uns nur beim Frühstück wissen, sie hätten nicht gut geschlafen, seien öfter vom Geläut wach geworden“.

Es ist ein psychologisches Phänomen. Wer seit Jahrzehnten neben einer Kirche wohnt, hört die Glocken nicht mehr bewusst, das wird im Schlaf ausgeblendet. Anders bei Gästen.

Drei Glocken hängen im Glockenstuhl der Klosterkirche direkt gegenüber dem Hotel. Geläutet wird zu konkreten Anlässen, wie Gottesdiensten, Trauungen, Beerdigungen und zur Einschulung. Dann gibt es das Mittagsgeläut um 12 Uhr und ein Abendgeläut um 17 oder 18 Uhr je nach Sommer- oder Winterzeit. Dazu kommen die Uhrenschläge. Und die sind es, die die Gäste wecken. Dazu muss man wissen, es wird hier jede Viertelstunde geläutet, was sich um Mitternacht auf 16 Glockenschläge summiert.

Pastorin Ute Schulz erläuterte in einem Telefongespräch, die Entscheidung liege beim Kirchenrat. Wie Ulf Preuß, Pressesprecher der Landeskirche in Leer gestern in einem Telefongespräch bestätigte, sei Glockengeläut Sache der Gemeinde und anders als bei der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Hannover gebe es keine „Läuteordnung“, wo konkret zwischen liturgischem Geläut und profanem Geläut, also der akustischen Zeitangabe, unterschieden wird.

Auch in Rinteln war Glockengeläut ein Thema, weil sich hier Gäste beschwert hatten, die in Altstadthotels übernachteten und von den Glocken der Nikolaikirche morgens um 6 Uhr geweckt worden waren.

Hier entschied auf Bitten der Hoteliers im letzten Jahr der Kirchenrat, die Anfangszeiten zu verändern. In Rinteln ist jetzt Nachtruhe von 22 Uhr bis morgens um 8 Uhr. Erst ab 8 Uhr läuten die Nikolaiglocken, einschließlich des Stundenschlages. Wie gestern Hoteliers bestätigten, sei man mit dieser Regelung außerordentlich zufrieden und danke dem Kirchenvorstand für diese Entscheidung.

Auf eine einvernehmliche Lösung hoffen auch Bolhöfer und Lee. So sieht es auch Ortsbürgermeister Thorsten Frühmark, der ebenfalls an einem Gespräch vermittelnd teilnehmen will.

Das Hotel trägt zur Belebung des Ortes bei, das Hofcafé ist Anziehungspunkt nicht nur für Einheimische, sondern Gäste aus der ganzen Region. Frühmark sagt, die Stimmung im Dorf sei gut und „das sollte sich auch nicht ändern“.




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