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Wissenschaft will jetzt Fakten schaffen / Blumenuhr fertig – fehlt nur noch die Büste des Dichterfürsten

Goethe-Experten erstaunt über Goethe in Exten

Exten (pk). In Rinteln hat der Umstand, dass sich der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe für einige Zeit in Exten aufhielt, bislang allenfalls verhaltenes öffentliches Interesse ausgelöst. Ganz anders die Goethe-Gesellschaft in Hannover: Dort sei man regelrecht erstaunt gewesen, erzählt Dietrich von Blomberg aus Exten, als er dem Vorsitzenden Peter Meuer von Goethes Stippvisite im Exterdorf berichtete. „Davon ist uns nichts bekannt“, sagte Meuer gegenüber von Blomberg und lud den Extener prompt nach Hannover zu einem Treffen der Goethe-Gesellschaft ein.

veröffentlicht am 19.07.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 11:21 Uhr

Mit regem Interesse habe man dort die These über „Goethe in Exten“ aufgenommen. Die Reaktionen hätten von aufgeschlossener Neugier bis hin zu vereinzelt abwinkenden Kommentaren, wie „Das kann gar nicht sein“, gereicht. „Zwar ist die Briefstelle, in der Goethe über Exten schreibt, bekannt. Über seine Reise dorthin weiß man allerdings nichts“, sagt Meuer unserer Zeitung gegenüber.

Ebenfalls lange unbekannt war ein Bild Goethes, das wohl einen Teil von Exten zeigt und erst vor wenigen Jahren im Archiv des Museums für Bildende Künste in Leipzig gefunden wurde. Jetzt sei die Wissenschaft gefragt, diesen Hinweisen nachzugehen. Auch die stellvertretende Direktorin des Goethe-Museums in Düsseldorf, Dr. Heike Spies, ist laut von Blomberg hoch interessiert und wolle nun wissenschaftliche Untersuchungen einleiten.

Peter Meuer (r.), Vorsitzender der Goethe-Gesellschaft Hannover, macht sich ein Bild von der Blumenuhr, die Schüler des Ernestinums unter Leitung von Lehrer Stefan Heftrich (l.) gebaut haben. Fotos: pk

Dietrich von Blomberg hat sogar bereits eine weitere Theorie. Goethes Gedicht „Der Fischer“ sei womöglich in Exten selbst, zumindest aber unter dem Eindruck der Exter entstanden. Der in schnellem Wechsel steigende und fallende Wasserstand der Exter finde sich in dem Gedicht wieder. Feststeht: Das Gedicht wurde in demselben Jahr veröffentlicht, in dem Goethe in Exten weilte: 1779.

Am Montag kam Peter Meuer zu von Blomberg in die Orangerie – nicht zuletzt, um sich dort ein Bild von der von Schülern gebauten Blumenuhr zu machen, die auf den Botaniker Carl von Linné zurückgeht und auf deren mittig angebrachten Sockel beim nächsten „Jardin ouvert“ eine in Bronze gegossene Goethe-Büste angebracht werden soll (wir berichteten). Von Linné habe sich Goethe neben Shakespeare und dem Philosophen Baruch de Spinoza geistig ganz besonders angeregt gefühlt, erklärt Meuer den Schülern des Ernestinums in der Orangerie.

Einer von ihnen ist Jeremias Scheu (15). Zwar sei ihm Goethe bereits als Schriftsteller ein Begriff gewesen. Aber zu wissen, dass eine derartig „große Persönlichkeit der Geschichte“ womöglich in Exten war, habe ihn zusätzlich fasziniert.

Wie es mit „Goethe in Exten“ weitergeht, obliegt jetzt der Wissenschaft. Zur Einweihung der Blumenuhr samt Goethe-Büste beim „Jardin ouvert“ in der Orangerie, der Gartenausstellung vom 24. bis 26. August, haben Peter Meuer, Dr. Heike Spies und auch Dr. Richard Hüttel vom Leipziger Museums für Bildende Künste, der vor vier Jahren die Goethe-Zeichnung von Exten entdeckte, ihr Kommen zugesagt.




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