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60 Seiten Noten in drei Tagen: 120 Teilnehmer bei Workshop im Stress / Standing Ovations für Konzert

Gospels singen hilft – auch bei Einsamkeit

Rinteln (dil). So voll war die Stadtkirche St. Nikolai bei einem Abschlusskonzert der Gospelworkshops wohl noch nie: Annähernd 400 Menschen füllten die Sitzreihen, um zu hören, was 120 Sängerinnen und Sänger am Wochenende von Workshopleiter Axel Christian Schullz gelernt hatten. „60 Seiten Noten haben wir durchgearbeitet, das war schon Stress“, seufzte der Leiter des Gospelchors der ev.-luth. Johannis-Kirchengemeinde, Sven Rundfeldt, „aber es hat sich gelohnt.“

veröffentlicht am 12.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 15:41 Uhr

Dieser Meinung waren die Zuhörer am Ende ebenfalls und forderten mit Standing Ovations Zugaben. Die gab es denn auch, zuletzt als gesungenen Segen für den Heimweg. Die Workshop-Teilnehmer zogen dabei selbst aus der Kirche aus und sangen im Foyer weiter, wo die Besucher beim Hinausgehen um Spenden zur Finanzierung solcher Workshops gebeten wurden.

Ähnlich hatte der Nachmittag begonnen. Mit einem fröhlichen Lied zogen die Teilnehmer ein und nahmen im Altarraum wie gewohnt Aufstellung. Der Dirigent Schullz und sein Keyboarder Niklas Flohr thronten auf Podesten, die beim Gymnasium Ernestinum ausgeliehen worden waren. Und nach einer halben Stunde dann ein Lied mit besonderer Choreografie. Einige Sänger positionierten sich mit traurigen Blicken zwischen den Sitzreihen. Es ging um Vereinsamung nach dem Verlust eines lieben Menschen, ein Verlust, der durch Singen in Gemeinschaft leichter werden kann. „Ich werd‘s überstehen“ hieß der Mut machende Song.

Das Konzertprogramm bestand wie das des Workshops aus Werken, die Schullz selbst komponiert hat. Bei „I‘m going home to my lord“ zeigte sich der Dirigent auch als guter Solosänger. Der Chor begann rhythmisch mit den Händen auf- und abzuklatschen, das Publikum machte mit, so gut dies im Sitzen ging. Stehende Ovationen.

„Sie können verstehen, dass ich meinen Beruf mit großer Freude ausübe“, lachte Schullz ins Publikum. „Es macht Riesenspaß.“ Das spürte das Publikum nicht nur an seiner Ausstrahlung, sondern auch daran, wie er mit wenigen Signalen den Chor zu Tiefen, Höhen, Tempowechseln, Mehr- und Einstimmigkeit lenkte. Ein Mann, der Gospel mit jeder Pore lebt.

Bei „Der Mond ist aufgegangen“! dirigierte Schullz Publikum und Chor zugleich. Das klappte so gut, dass sich beide Seiten anschließend gegenseitig applaudierten.

Pastor Dr. Dirk Gniesmer, in dessen Johannis-Kirchzentrum der Workshop stattfand, dankte für „dieses wundervolle Konzert, das bisher dritte zwar, aber wohl das vielfältigste und ergreifendste.“ Er würdigte auch die vielen Helfer, die sowohl den Workshop als auch das Konzert ermöglicht hatten. Als Motoren hinter diesem Erfolg lobte er speziell Kyra und Sven Rundfeldt. Er bat, großzügig zu spenden, denn das Geld sei für die Finanzierung weiterer Chorprojekte und Workshops.

Erste Zugabe danach „This little light of mine“, wieder klatschten Hunderte mit. Zugabe Nummer zwei dann der gesungene Segen „Möge Gott Dich stets begleiten“, zu dem der Chor ausmarschierte, sonst wäre das Publikum wohl noch längst nicht gegangen. Dabei war das Konzert schon fast eine halbe Stunde länger als frühere. Aber Schullz hatte gesagt, er müsse schließlich nach Duisburg heimfahren.

Für Sven Rundfeldt ist klar, dass es auch im Februar 2014 einen Workshop für Gospelsänger geben soll. „Dafür haben wir schon zwei Dozenten von der Gospelkirche Hannover verpflichtet“, verriet Rundfeldt gestern auf Anfrage. Die Teilnehmerzahl sei dann wieder maximal 120.




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