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Rinteln ohne Baumschutzsatzung:

Grundbesitzer dürfen in bebauter Ortslage Bäume fällen, wie sie wollen

RINTELN. „Bei uns im Dorf hat ein Nachbar einen alten schönen Baum gefällt, das geht doch so nicht!“ Solche empörten Anrufe sind nicht selten im Büro des Naturschutzbundes (Nabu) im Kerschensteiner Weg.

veröffentlicht am 09.05.2019 um 00:00 Uhr

Winterlinden im Blumenwall – auf sie hat die Stadt Rinteln ein wachsames Auge, auch ohne Baumschutzsatzung. Foto: rnk
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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RINTELN. „Bei uns im Dorf hat ein Nachbar einen alten schönen Baum gefällt, das geht doch so nicht.“ Solche empörten Anrufe sind nicht selten im Büro des Naturschutzbundes (Nabu) am Kerschensteiner Weg in Rinteln. Irgendwas soll da geschehen, das wünschte kürzlich auch ein Anrufer aus Todenmann. Doch Büroleiterin Britta Raabe weiß schon, dass da nichts zu machen ist. In der Weserstadt darf man Bäume auf Privatgrundstücken innerhalb von Ortschaften fällen, fast wie es einem passt.

„Mich macht das sehr ärgerlich“, sagt Raabe. „Wo man einen gesunden Baum fällt, wächst ja so schnell keiner mehr. Das ist ein Verlust auch für die Allgemeinheit. Man muss dann noch nicht mal eine Ausgleichspflanzung vornehmen.“ Ihre Anrufer kann sie nur an die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Schaumburg verweisen. Dort wird allerdings bestätigt, dass Grundstücksbesitzer in bebauten Ortslagen keine Erlaubnis einholen müssen, wenn sie einen Baum auf ihrem Grundstück entfernen wollen.

Zwar gilt im Landkreis prinzipiell eine Baumschutzsatzung, das erklärt Martina Engelking, Leiterin der Naturschutzbehörde. Die Satzung schützt Bäume (außer Obstbäume) mit einem Stammumfang von 60 Zentimetern oder mehr sowie Hecken von mehr als fünf Metern Länge. Sie gilt aber allein im sogenannten „Außenbereich“, also außerhalb bebauter Ortslagen.

Im „Innenbereich“ gibt es Einschränkungen nur, soweit da das Bundesnaturschutzgesetz greift, zum Beispiel in Bezug auf den Zeitraum, innerhalb dessen Bäume normalerweise nicht gefällt und Hecken nicht „auf den Stock gesetzt“ werden dürfen, nämlich jeweils von Anfang März bis Ende September.

„Ja, aus Naturschutzsicht ist diese Handhabung sicher unbefriedigend“, meint Engelking. „Wo die einzelnen Kommunen nicht eigene kommunale Baumschutzsatzungen besitzen, gehen die Interessen der Grundstückseigentümer vor.“

Fünf Kommunen im Landkreis Schaumburg haben sich eigene Baumschutzsatzungen gegeben, darunter das Auetal und auch Bad Eilsen.

„Wer in unserem Gemeindegebiet Bäume fällen will, muss das bei uns beantragen“, so Sebastian Wittek, Sachbearbeiter in der Bauabteilung der Gemeinde Auetal. Deren kommunale Baumschutzsatzung unterscheidet sich inhaltlich kaum von der Satzung des Landkreises, außer in dem entscheidenden Punkt, dass sie sich eben auf den „Innenbereich“ bezieht und daher auch Grundstücksbesitzer innerhalb von Ortschaften betrifft.

Im Stadtrat sei mal daran gedacht worden, auch für Rinteln samt Ortschaften eine kommunale Baumschutzsatzung zu installieren, sagt Tiefbauamtsleiter Uwe Quindt. Aktuell sei da allerdings nichts geplant. Geschützt seien nur Bäume, die als Naturdenkmal eingestuft seien. Doch das komme nur sehr selten vor. Eine eigene Satzung für Rinteln werde es nur geben, wenn die Politik es beschlösse.

Raabe und mit ihr der Naturschutzbund können nur an die Mitverantwortung der Bürger appellieren. Das gelte nicht nur für unnötiges Fällen von Bäumen, sondern auch für das Abschneiden von Ästen, so Raabe. Wer dicke Baumäste unsachgemäß entferne, verursache dabei schwere Wunden, die die Lebenszeit des Baums radikal verkürzen würden. „Wir Menschen führen ja geradezu einen Kampf gegen die Bäume“, sagt sie. „Und ich fürchte, wir werden diesen Kampf gewinnen.“




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