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Nach Unfall in Tropicana-Rutsche: Rintelner Anwalt beauftragt TÜV – Ampelschaltung nicht sicher genug

Gutachter greift zur Badehose

Rinteln. Auf der Wasserrutsche im Freizeitbad „Tropicana“ in Stadthagen, das auch von vielen Rintelner besucht wird, sollte man nur im Liegen, nicht im Sitzen rutschen. Wer im Sitzen rutscht, riskiert, dass ihm der nachfolgende Badegast mit voller Wucht in den Rücken knallt. Das haben Gutachter des TÜV Süd, Industrie Service GmbH, im Auftrag des Rintelner Rechtsanwaltes Stefan Abrahams festgestellt.

veröffentlicht am 06.03.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 22:22 Uhr

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Auch die 30-Sekunden-Schaltung der Ampel am Einstieg zur Rutsche sei nicht sicher genug, stellten die TÜV-Gutachter fest, um verlässlich „eine Kollision zwischen den Benutzern in der Wasserrutschbahn zu verhindern“.

Abrahams vertritt eine 52-jährige Frau, die am 20. Mai 2011 in der Tropicana-Rutsche bei einem Zusammenstoß mit einem anderen Badegast einen „Kompressionsbruch des 6. Brustwirbelkörpers“ erlitten hatte. Die Frau musste zweieinhalb Wochen im Krankenhaus behandelt werden. Über Abrahams fordert sie Schmerzensgeld in Höhe von 5000 Euro.

Die Wirtschaftsbetriebe Stadthagen GmbH, die das Freizeitbad betreiben, sehen die Situation anders, wie Geschäftsführer Helmut Kirchhöfer bereits gegenüber der Presse festgestellt hat: Die Anlage sei vor ihrer Inbetriebnahme vom TÜV abgenommen worden und ein Sportgerät. Mit Sportgeräten wiederum seien eben gewisse Risiken verbunden.

Doch wie sich inzwischen herausgestellt hat, ist die 52-Jährige nicht der einzige Badegast, der in der Rutsche in Bedrängnis gekommen ist. Inzwischen haben sich mehrere Personen bei Abrahams und bei Journalisten gemeldet, die von ähnlichen Vorfällen berichten.

Der jüngste Fall wurde Anfang dieses Jahres bekannt. Dem sechsjährigen Sohn der Rintelnerin Alexandra Savnik rutschte ein Mann „mit voller Wucht in den Rücken“. Das bestätigte die Rintelnerin gestern auf Anfrage am Telefon: „Mein Sohn hat laut geschrien.“ Sie habe in diesem Moment das Schlimmste befürchtet, zum Glück sei ihr Sohn aber nicht ernsthaft verletzt worden, deshalb habe sie auch keinen Anwalt eingeschaltet.

Für den TÜV-Test sind nicht nur Badegäste und ein Tropicana-Mitarbeiter gerutscht, sondern auch der Gutachter selbst. Diplom-Ingenieur Helmut Neuhauser hat sich als Sachverständiger ebenfalls die Badehose angezogen und ist in die Rutschröhre gestiegen. Tagesschnellster auf der Rutsche wurde er nicht, das schaffte der Tropicana-Mitarbeiter.

Die Tests in der rund 70 Meter langen Röhre ergaben ein Tempo von 5,70 Meter pro Sekunde im Liegen, 1,7 Meter pro Sekunde bei sitzender Position. Wer in der Rutsche sitzt, ist ein Hindernis. Ein Badegast stoppte sogar unfreiwillig nach der ersten Kurve. Was für die Klage des Rintelner Anwalts bedeuten kann: Seine Mandantin hat nicht gelogen, als sie behauptet hat, sie sei wider Willen in der Rutsche stecken geblieben. Urteil der Gutachter: Es sei „plausibel“, wie Abrahams Mandantin ihren Unfall geschildert habe. Die TÜV-Gutachter ließen sogar Personen mit unterschiedlichem Gewicht rutschen: Der Schwerste war mit 92 Kilo abwärts unterwegs, der leichteste Testrutscher brachte 40 Kilo auf die Waage.

In dem TÜV-Gutachten wird unter anderem ausgeführt: „Eine Wasserrutschbahn ist so zu konstruieren, dass die Benutzer sicher und kontinuierlich bis ins Auffangbecken rutschen können. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ein Anhalten in einer Wasserrutschbahn nicht möglich und nicht gewollt ist.“

Im Übrigen, auch das stellten die Gutachter fest, entspreche die Rutsche „den Regeln und dem Stand der Technik“, die Kurven hätten keine zu geringe Neigung, der Schlussteil der Rutsche sei so angelegt, dass man „auf die Landung“ vorbereitet wird. Auch die Wassermenge auf der Rutsche werde durch Messungen im Betriebsraum und darüber hinaus am Startplatz kontrolliert. Läuft zu wenig Wasser auf die Rutsche, was ebenfalls fatale Folgen hätte, werde Alarm ausgelöst. Auf der anderen Seite kann der Wasserlauf nicht einfach auf „schnell“ eingestellt werden, weil er wie die rutschende Person der Schwer- und Fliehkraft unterliegt.

Voraussichtlich am 28. Mai will das Landgericht Bückeburg über die Klage der 52-Jährigen entscheiden, die von dem Rintelner Anwalt vertreten wird.

Das Tropicana-Management hat übrigens auf die TÜV-Tests reagiert: An der Rutsche warnt ein Schild vor dem Sitzen, das Intervall der Ampelschaltung ist auf 45 Sekunden erhöht worden.

Die Rutsche am Tropicana-Bad in Stadthagen ist Gegenstand eines Rechtsstreits.tol




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