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Heinrich Sasse (WGS) rechnet ab im Stadtrat mit Verantwortlichen für Brückentor-Brandschutz ab

Hat Ex-Bürgermeister Amtspflicht beim Brückentorsaal verletzt?

RINTELN. Es ist ein historischer Exkurs mit Sprengkraft: Ratsmitglied Heinrich Sasse (WGS) nutzte seine Redezeit im Rat, um die Verfehlungen beim Brandschutz im Brückentorsaal mit Ross und Reiter zu benennen. Seit 27 Jahren sitzt Sasse im Rat, und ununterbrochen auch im nicht öffentlichen Verwaltungsausschuss. Jetzt bietet er tiefe Einblicke zum Brückentorkomplex.

veröffentlicht am 08.03.2019 um 06:15 Uhr

Heinrich Sasse. Foto: tol
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Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

RINTELN. Es ist ein historischer Exkurs mit Sprengkraft: Ratsmitglied Heinrich Sasse (WGS) nutzte seine Redezeit im Rat, um die Verfehlungen beim Brandschutz im Brückentorsaal mit Ross und Reiter zu benennen. Seit 27 Jahren sitzt Sasse im Rat – und ununterbrochen auch im nicht öffentlichen Verwaltungsausschuss. Jetzt bietet er tiefe Einblicke zum Brückentorkomplex.

Sasse erklärt: Zuletzt wurde der Brückentorsaal 1988 saniert. Dazu gebe es eine Baugenehmigung. Allerdings, führt Sasse aus, habe damals niemand nachvollziehbar überprüft, ob die brandschutzrechtlichen Auflagen überhaupt eingehalten worden seien. Sasse sagt, „dass der Brandschutz seit 1988 nicht gewährleistet ist, da es erhebliche Versäumnisse in der Verwaltung bei der turnusmäßigen Überprüfung der Einhaltung des Brandschutzes gibt“.

Hiobsbotschaft für die Stadtverwaltung: Das Bauamt habe erst nach 30 Jahren herausgefunden, dass der Brandschutz im Brückentorsaal keinen Bestandsschutz habe. Erst Bürgermeister Thomas Priemer habe sich um das jahrzehntelang ignorierte Thema gekümmert.

Doch wie könne es sein, dass erst ein ehemaliger Bürgermeister aus dem Auetal nach Rinteln wechseln müsse, um die Probleme anzugehen, fragt sich Sasse. „Seit 1988 haben sich die Verantwortlichen um den Brandschutz nicht gekümmert. Viele dafür verantwortlichen Leute bei der Stadtverwaltung haben geschlafen, oder haben ganz bewusst beide Augen zugedrückt.“

Sasse nennt Namen: Zuständig für den baulichen Zustand und den Brandschutz des Brückentorsaals waren bis Mai 1996 die regierenden Stadtdirektoren. Zuerst Heinrich Büthe, danach Meinhard Wichmann und im Anschluss Karl-Heinz Buchholz. „Das sind die Chefs der Verwaltung und damit auch die Hauptverantwortlichen.“ Auch in der zweiten Reihe sieht Sasse ein Versagen: „Unter diesen Chefs diente als nächster Verantwortlicher für die Einhaltung der baurechtlichen Vorgaben der städtische Baudezernent.“ Mehr als 30 Jahre habe Reinhold Koch diese Aufgabe erfüllt. „Keiner von ihnen hat sich je geäußert, dass beim Brückentorsaal einiges faul ist“, beklagt Sasse ein „Schweigen im Walde“. Von 1997 bis 2018 habe es immer geheißen: Beim Brückentorsaal? Da ist alles okay.

Erst nachdem Bürgermeister Thomas Priemer aus dem Auetal nach Rinteln gewechselt sei, kam Bewegung in die Sache. „Aber muss ein von außerhalb kommender neuer Bürgermeister wissen, dass in der städtischen Bauakte zum Brückentorsaal einiges faul ist und dass zum Thema Brandschutz des Brückentorsaals bis dahin alle Verantwortlichen ihre Amtspflichten – nämlich Aufsichtspflichten zur Brandsicherheit – nicht erfüllt haben könnten?“, stellt Sasse in den Raum. „Nein“, beantwortete er die rhetorische Frage in der Ratssitzung direkt selbst.

Sasse habe viel mehr den Eindruck, bei den Attacken auf Priemer gehe es nur darum, den Bürgermeister zu beschädigen. „Dafür gibt es aber keinen Grund.“ Priemer habe – und das als Erster in 30 Jahren – sofort reagiert, als er von den Missständen erfahren habe. „Er wollte nicht, wie hoch bezahlte städtische Spitzenkräfte 26 Jahre lang zuvor, vor den gegebenen Gefahren beim Weiterbetrieb des Brückentorsaales die Augen schließen“, so Sasse. „Er hatte den Mut, nach 26 Jahren städtischer Blindheit seiner verantwortlichen Vorgänger, den Saal zu schließen, für die Sicherheit der Bürger zu sorgen und den Rücken hinzuhalten in der sicheren Erwartung, dass er dafür nicht bejubelt, sondern beschimpft wird.“




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