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Wünsche von Senioren

Herzenswünsche, die betroffen machen

RINTELN. Schenken macht Freude – insbesondere, wenn es um die Erfüllung von Herzenswünschen geht. Diese Wünsche von Senioren haben jetzt junge Menschen erfüllt. Doch die Wünsche machten sie betroffen. Wie kann es sein, fragen sie sich, dass sich Menschen in einem reichen Land Putzmittel und Unterwäsche wünschen müssen?

veröffentlicht am 06.12.2018 um 00:00 Uhr

Claudia Depping (von links) und Käthe Kemna von der Silvesterinitiative mit Schülern der BBS, Klassenlehrerin Melanie Gomes Narciso (Vierte von links, stehend), Schulleiter Herbert Habenicht (Zweiter von rechts) und Dirk Ackmann (Sparkasse, rechts).
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Jan Oldehus Reporter zur Autorenseite

RINTELN. Schenken macht Freude – insbesondere dann, wenn es, wie in diesem Fall, um die Erfüllung von Herzenswünschen geht. Doch als sich am Dienstagmittag eine große Schar junger Menschen unterm Weihnachtsbaum in der Sparkasse versammelte, spielten bei allen an der Aktion „Herzenswünsche“ Beteiligten auch ganz andere Gefühle als Freude eine Rolle: Betroffenheit und eine stille Wut im Bauch.

Putzmittel, Lebensmittel, Unterwäsche, Körperpflegeartikel, Bettwäsche und Gutscheine für Lebensmittelmärkte und Apotheken – all das war in den Päckchen und Paketen, die die Schülerinnen und Schüler der Rintelner Berufsschule (BBS) liebevoll gepackt hatten und an diesem Tag der „Silvesterinitiative“ zum Verteilen übergaben. All das hatten sich alte und bedürftige Menschen gewünscht, hatten ihre Wünsche in der Kundenhalle auf 125 Herzen geschrieben.

„Senioren, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben, müssen sich zu Weihnachten Putzmittel und Unterwäsche wünschen“, sagte Käthe Kemna, Vorsitzende der Silvesterinitiative. „Das kann’s in Deutschland nicht sein.“ Die Aktion „Herzenswünsche“ stoße bei vielen, vielen Facebook-Nutzern auf ein Rieseninteresse, auch im europäischen Ausland. Sie wünsche sich, dass „die da in Berlin“ das auch mal mitbekommen und künftig mit ihrer Politik dafür Sorge tragen, dass solche Not hierzulande nicht mehr stattfindet, dass „da oben mal was ankommt“.

Kemna und Claudia Depping, die die seit acht Jahren laufende Aktion gemeinsam organisieren, dankten den Schülerinnen und Schülern sowie deren Klassenlehrerinnen Melanie Schutzka (erstes Ausbildungsjahr BFA 31), Petra Walpert-Kraus (zweites Ausbildungsjahr BFA 32) und Melanie Gomes Narciso (drittes Ausbildungsjahr BFA 33). „Sie als Schülerinnen und Schüler in der Altenpflege zeigen, dass Sie diesen Beruf nicht nur deshalb ergreifen, um Geld zu verdienen, sondern dass Sie ein Herz dafür haben.“

BBS-Leiter Herbert Habenicht erinnerte beschämt daran, wie Kinder seiner Generation Weihnachtsgeschenke „schlimm fanden, wenn sie weich waren“ – weil sie zum Beispiel warme Socken enthielten. Wer wünschte sich das schon? Er sprach den jungen Menschen ebenfalls seine große Anerkennung aus.

Die Berufsschule beteiligt sich seit sieben Jahren an der Aktion. Mehr als 60 junge Leute hätten diesmal mitgemacht, sagte Gomes Narciso. Das zweite Ausbildungsjahr habe, um Geld zur Erfüllung der „Herzenswünsche“ zu sammeln, im Rahmen der Adventswoche in zwei Pausen Herzhaftes und Süßes verkauft. Viele Schülerinnen und Schüler hätten auch selber Geld gespendet.




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