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Entwurfszeichnung im Stadtarchiv zeigt, was mal statt Brückentorkomplex geplant war

Historische Pläne: So könnte der Blick zur Weser aussehen

RINTELN. Mit Rintelns Zugang zur Weser hat man sich bereits vor über 100 Jahren intensiv befasst. Eine beschädigte und auch nicht mehr ganz vollständige Entwurfszeichnung, die im Stadtarchiv aufbewahrt wird, zeigt dort, wo sich heute die Betonbauten von Woolworth und Brückentorhotel erheben, eine geplante „Kurterrassenanlage“, die Rinteln sicherlich zur Ehre gereicht hätte – wenn sie denn gebaut worden wäre. Ein Blick in die Geschichte:

veröffentlicht am 11.06.2019 um 17:23 Uhr

Diese Entwurfzeichnung aus Rintelns Stadtarchiv zeigt die geplante „Kurterrassenanlage“. Repros: Stadtarchiv Rinteln

Autor:

Dr. Stefan Meyer
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Um 1910, als die Zeichnung entstand, standen noch das Alte Zollamt und rechts daneben, nah am Fluss, der sogenannte Zollschuppen, ein robuster Sandsteinbau aus der Zeit um 1850, der auch für Zwecke des Schlachthofes diente.

Die Planungen sahen in diesem Bereich unter Wahrung der bestehenden Bausubstanz eine geräumige Terrasse mit Springbrunnen und unterbauten Wirtschaftsräumen, eine große Tanzfläche, einen Musikpavillon für die damalige Rintelner Musikkapelle, berankte Laubengänge und ein Buffet-Häuschen vor. Im alten Lagerhaus, das einen Balkon zur Weser bekommen sollte, war dagegen ein 320 Quadratmeter großer Ball- und Theatersaal vorgesehen.

Zur Umsetzung der ehrgeizigen Pläne sollte es trotz einer damals gut gefüllten Stadtkasse nicht kommen – der Erste Weltkrieg kam dazwischen. Erst viele Jahre später, 1958, wurde dann tatsächlich noch eine Terrassenanlage errichtet. Sie hatte allerdings kaum mehr als zehn Jahre Bestand.

1970 wurde das ganze Gelände mitsamt dem denkmalwürdigen Barockbau des Zollamts (zuletzt als Polizeidienststelle genutzt) mit dem Abrissbagger planiert. Was folgte war der heutige Brückentorkomplex, der nicht nur die Weser von der Stadt abschnitt, sondern zugleich auch den Unterlauf der Mühlenexter unter sich begrub. Er liefert Zündstoff für städtebauliche Diskussionen bis heute.

Dr. Stefan Meyer ist Leiter des Universitäts- und Stadtmuseums Eulenburg. Zu seinen Aufgaben zählt auch die Leitung und Verwaltung des Stadtarchivs.




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