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Holzschnitzer Karl-Heinz Knigge stellt am Samstag im Tannenhof seine Arbeit vor / Versteigerung

„Ich bin mit der Kettensäge groß geworden“

Rinteln (jaj). Eigentlich hat Karl-Heinz Knigge schon sein ganzes Leben lang eine enge Verbindung zu Holz. „Ich bin mit der Kettensäge groß geworden“, sagt er selbst von sich. Als Kind begleitete er seinen Vater in den Wald, direkt nach dem Realschulabschluss begann er dann eine Lehre zum Forstwirt. Fortan gehörte der Umgang mit einer Kettensäge zu seinem Alltag. Allerdings verwendete er sie damals vor allem beruflich: Zum Bäume-Fällen und dem anschließenden Zerkleinern des Holzes. Es sollten noch zwei Jahrzehnte vergehen, bis die Kettensäge schließlich auch zu seinem Hobby wurde.

veröffentlicht am 12.08.2010 um 16:52 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 17:41 Uhr

Kunst mit der Kettensäge: Karl-Heinz Knigge zeigt eine Eule als

„Das war vor etwa fünf Jahren“, erzählt der heute 47-Jährige. „Ich bin im Internet darauf gestoßen, dass es in Amerika begeisterte Anhänger des Chainsaw-Carvings gibt.“ Dieses Kettensägen-Schnitzen, wie die deutsche Übersetzung ist, hat sofort sein Interesse geweckt. „Ich habe mich dann ein bisschen schlau gelesen und einfach mal einen ersten Versuch gewagt.“ Dieser erste Versuch wurde ein Bär, der noch heute die Eingangstür der Familie bewacht. Als Erinnerung an die Anfänge. Denn obgleich schon der Bär äußerst imposant ist, hat sich das Können Knigges im Laufe der letzten Jahre enorm gesteigert.

Das liegt zum einen an der Übung, zum anderen aber auch an der Ausrüstung, die er sich in den vergangenen fünf Jahren angeschafft hat. „Generell kann man auch mit einer ganz normalen Motorsäge schnitzen“, sagt er. Lange mache das jedoch niemand freiwillig. Die Erklärung dafür ist simpel: „Eine normale Kettensäge wiegt etwa sechs Kilogramm. Die kleineren Hobbykettensägen wiegen mit etwa drei Kilogramm nur die Hälfte.“ Diese drei Kilo Unterschied merke man vor allem in den Armen. „Außerdem ist man mit einem kleinen Modell einfach beweglicher.“

Egal, für welches Modell sich ein Schnitzer auch entscheidet, ein paar Veränderungen müssen an der Säge vorgenommen werden, um sie zu einem vernünftigen Schnitz-Werkzeug zu machen. Zum einen braucht man eine Carving-Schiene. Das ist eine spezielle Schiene für das Schnitzen mit der Motorsäge, über die dann die Kette läuft. „Eine normale Schiene hat vorne eine Breite von etwa sechs bis sieben Zentimetern. Eine Carving-Schiene hingegen hat nur zweieinhalb Zentimeter.“ Sie ermögliche dadurch ein viel genaueres und filigraneres Arbeiten. „Zusätzlich wird noch eine Viertel-Zoll-Kette und ein dazu passendes Antriebsritzel benötigt. Das war’s schon.“ Lediglich die Schutzkleidung kommt noch dazu.

Knigge weiß, wovon er spricht. Mittlerweile ist er Forstwirtschaftsmeister und gibt im Winter Kettensägenlehrgänge. Seit wenigen Jahren nicht nur die typischen Kurse, die man zum Holzmachen benötigt, sondern auch Kreativkurse. „Das kam eher ungeplant. Ich habe einige meiner fertigen Figuren in den Kursraum gestellt. Und dann haben mich Teilnehmer der Lehrgänge angesprochen, ob ich nicht auch einmal einen Kurs im Schnitzen geben könnte.“

Knigge hielt Rücksprache mit seinem Arbeitgeber, dem Kreisforstamt, und schon kurze Zeit später begrüßte er die ersten Interessierten. Viele von ihnen beschäftigten sich zum ersten Mal mit dem Motorsägen-Schnitzen, und doch konnten sie alle schon am Ende des Tages ihre erste eigene Figur mit nach Hause nehmen. „Jeder schnitzt, was ihm gefällt. Der eine einen Adler oder eine Eule, der andere einen Pferdekopf für die Ehefrau.“

Knigge selbst kann alle Figuren, die er seinen Kursteilnehmern anbietet, mittlerweile ohne Probleme und ohne Vorlage herstellen. Während des Kurses unterstützt er die Kursteilnehmer in ihrer Arbeit - mit Erklärungen, Tipps und Hilfestellungen. „Ich zeichne die Figuren immer an dem Stamm, den der Teilnehmer bearbeitet, vor“, erklärt er. Dazu nimmt er jedoch keinen Stift, sondern - natürlich - die Motorsäge, mit der er vorsichtig die Konturen in den Stamm „zeichnet“. Diese dienen dem Teilnehmer dann als Richtlinie. Ebenso eine fertige Figur, die als Vorlage immer in Sichtweite steht.

Eine besonders kreative Ader müsse man für das Schnitzen nicht haben. „Die habe ich vorher auch nicht gehabt“, sagt Knigge. Was man jedoch haben sollte, ist ein ruhiges Plätzchen. „Im heimischen Garten direkt neben den Nachbarn mit der Kettensäge schnitzen? Das geht gar nicht!“ Immerhin habe selbst eine Hobbymotorsäge eine Lautstärke von 115 Dezibel - das ist etwa so laut wie ein Symphoniekonzert, Disko-Musik oder Gewitterdonnern. „Das ist selbst außerhalb der Ruhezeiten für die Nachbarn nicht zumutbar.“

Knigge hat seinen Schnitzplatz mitten im Wald, drei Kilometer vom nächsten Wohnhaus entfernt. „Da störe ich wirklich niemanden“, versichert er. Allerdings ist auch die Familie weit weg von diesem Platz. Und das Schnitzen nimmt viel Zeit in Anspruch. Etwa dreimal die Woche geht Knigge seinem Hobby für etwa drei Stunden nach. Probleme mit seiner Frau gibt es deshalb aber nicht. „Das ist alles eine Sache der Organisation und Absprache. Wenn meine Frau eh unterwegs ist, fahre ich in den Wald. Und wenn sie mich darum bittet, einen Abend zu Hause zu bleiben, ist das auch kein Problem.“

Mittlerweile erledigt Knigge auch Auftragsarbeiten. Wenn jemand seinen Garten oder sein Haus mit einer bestimmten Figur verzieren möchte, stellt er diese nach den Wünschen des Kunden her. Für völlig neue Werke besorgt er sich im Vorfeld oft eine kleine Spielfigur, die ihm beim Schnitzen als Modell dient. „Die stelle ich mir dann in Sichtweite auf und schaue sie immer wieder an, um mir die Konturen und Dimensionen klarzumachen. Ich gebe nur Figuren ab, von denen ich selbst überzeugt bin. Der Rest wandert in den Ofen“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Holzschnitzer verwenden übrigens am liebsten frisches Holz. Knigge: „Getrocknetes ist einfach zu hart.“ Allerdings bestehe bei diesen Stämmen die Gefahr, dass die Figur einen Riss bekommt, wenn das Holz mit der Zeit trocknet. Deshalb behandelt Knigge seine Figuren nach der Fertigstellung mit einem speziellen norwegischen Holzöl. „Dadurch wird das Holz für bis zu zehn Jahre dauerversiegelt“, erklärt er. Gleichzeitig bremse es das Austrocknen des Holzes, was wiederum Risse verhindern kann. Sollte dennoch einmal ein Riss entstehen, hat der Experte auch hierfür eine Lösung: „Man füllt ihn einfach mit einer Mischung aus Kunstharz, Sägespänen und Härter auf.“ Nachdem die Mischung getrocknet ist, müsse man den Übergang nur noch mit der Säge bearbeiten, damit das Muster wieder passt. „Erneut Ölen und man sieht fast nichts mehr!“

Schon jetzt kann sich der Obernwöhrener nicht mehr vorstellen, einmal wieder mit seinem Hobby aufzuhören. „Das ist schon eine kleine Sucht. Es macht Spaß und ich kann dabei unheimlich gut abschalten.“ Mehr Infos gibt es unter: www.schaumburgerholzschnitzer.de.

Am morgigen Samstag können Interessierte gleich drei Kettensägen-Schnitzer in Aktion erleben. Dann schnitzt Karl-Heinz Knigge zusammen mit seinem Bruder Manfred und seinem Kollegen Kai Gerulat ab 13 Uhr auf dem Gelände des Tannenhofs in Uchtdorf. „Wir werden alle drei eine Figur mit unseren Kettensägen gestalten. Für den guten Zweck.“ Denn um 18 Uhr wird Knigge das Mikrofon in die Hand nehmen und die Figuren meistbietend versteigern. „Das Geld wird sofort an die Jugendfeuerwehr Uchtdorf übergeben.“ Während die Holzschnitzer arbeiten, sorgen „The Donuts“ mit Rock und Oldies für Unterhaltung. Die Feuerwehr zeigt Geräte und Fahrzeuge wie die Drehleiter.




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