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Gerüchte um Gerüste und Holzkeile

Ist der Turm von St. Nikolai schiefer geworden?

RINTELN. Der Turm der St.-Nikolai-Kirche ist schief. Das ist schon lange bekannt. Aber: Hat er sich in den letzten Jahren stärker geneigt? Und was hat es mit den Gerüchten um Stützgerüste und Holzkeile auf sich? Wir haben mit der Kirche, dem Katasteramt und einem Holzbau-Unternehmen gesprochen. Das ist die Antwort:

veröffentlicht am 22.12.2018 um 09:00 Uhr
aktualisiert am 26.12.2018 um 18:40 Uhr

Der hölzerne Teil von St. Nikolai ist schief. Aber wie sehr? Das misst regelmäßig das Katasteramt nach. Foto: Archiv

Autor:

Jessica Rodenbeck
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RINTELN. Der Turm von St. Nikolai ist schief, das ist bekannt. Einige Rintelner haben jedoch den Eindruck, dass er sich in den vergangenen zehn Jahren noch weiter geneigt hat. Eine entsprechende Anfrage hatte WGS-Politiker Gert Armin Neuhäuser an den Rat gestellt. Es gibt sogar Gerüchte über „Stützgerüste“, die den Turm im Inneren der Kirche abstützen sollen.

Superintendent Andreas Kühne-Glaser muss herzhaft lachen, als unsere Zeitung ihn mit diesem Gerücht konfrontiert. „Ist ja toll, was die Leute alles erfinden“, sagt er und versichert dann: „Nein, Stützgerüste gibt es in St. Nikolai nicht.“ Woher kommt dann dieses Gerücht?

Horst Kohlmeier, der viele Jahre Mitglied im Kirchenvorstand und dabei zuständig für Bauangelegenheiten war, weiß von dem Gerüst in St. Nikolai. „Das wird allerdings nicht genutzt, um den Turm abzustützen“, versichert er. Vielmehr komme es immer dann zum Einsatz, wenn eine normale Leiter zu kurz oder instabil ist. In der Zwischenzeit werden die Gerüstteile gelagert.

Und wie ist das mit dem Turm, ist der nun schiefer geworden oder nicht? Horst Kohlmeier und sein Amtsnachfolger Erich Requardt, heute im Kirchenvorstand zuständig für Bauangelegenheiten, glauben das nicht. Es gebe in der Kirche keine Veränderungen, die auf eine weitere Neigung des Turmes hinweisen würden. Zwar habe es vor mehr als 20 Jahren einmal Arbeiten am Turm gegeben, erinnert sich Requardt, der die Arbeiten damals mit seinem Holzbau-Unternehmen ausgeführt hat. Die hätten aber nichts damit zu tun gehabt, dass der Turm schief ist. Vielmehr seien im Zuge der Begehbarmachung Balken erneuert und Joche eingezogen worden.

Beide weisen außerdem darauf hin, dass der Kirchturm immer mal wieder von offizieller Seite ausgemessen würde.

Das bestätigt auch Reinhard Möller vom Katasteramt Rinteln. 1999 sei der Turm von St. Nikolai erstmals ausgemessen worden: die sogenannte Nullmessung. Und dabei sei herausgekommen, was auch mit bloßen Auge zu erkennen ist: Der Turm ist schief. „Das hat sich bis zur letzten Messung aber nicht verstärkt“, sagt Möller. „Es ist keine Eigendynamik vorhanden.“

Erst im November hat das Katasteramt – von der Stadt beauftragt – erneut eine Messung durchgeführt. Das Ergebnis teilt Dezernatsleiter Sascha Kuhnt kurz vor Weihnachten mit: „Der Turm ist genauso schief wie vorher“, erzählt er schmunzelnd. Eine Abweichung gebe es nicht.

Im Januar soll erneut vermessen werden – allerdings nicht, weil die Turmschiefe dies erfordert, sondern weil seine Vermessung regulärer Teil der Ausbildung der Vermessungstechniker des Katasteramts werden soll. Ab nächstem Jahr wird der Nikolaiturm also jährlich überprüft.

Wie stark sich der hölzerne Teil des Turms insgesamt zur Seite neigt, weiß Kuhnt aus dem Kopf nicht genau, sagt aber: Mehr als ein halber Meter ist es nicht, und das sei bei Weitem nicht dramatisch.

Wozu also gibt es dann noch die Keile, auf die der Nachtwächter so gerne bei seinen Rundgängen hinweist? Seiner Aussage nach befinden sie sich im Turm und müssen regelmäßig wieder mit Hammerschlägen festgeschlagen werden. „Das stimmt, die Keile gibt es“, sagt Erich Requardt. Sie seien aber nicht da, weil der Turm schief ist, sondern um dessen Eigenbewegung zu mindern.

„Jedes hohe Gebäude bewegt sich ein bisschen“, erklärt Requardt und erinnert sich an einen Spruch aus seiner Jugend. Früher habe man immer gesagt: „Alles, was wackelt, kippt nicht um!“ Gebäude bräuchten einfach ein gewisses Maß an Beweglichkeit, um auf Umwelteinflüsse reagieren zu können.

„Die Keile sind in etwa so, wie heute Schrauben“, verbildlicht Requardt. Die können sich durch Bewegung lösen und müssen wieder festgezogen werden. Und die Holzkeile müssen eben wieder festgeschlagen werden. Requardt hat diese Arbeit jahrelang mit seiner Firma ausgeführt. „In manchen Jahren hatten sich die Keile deutlich gelockert, in anderen gar nicht“, erzählt er. „Da muss man aber nichts dramatisieren. Das ist einfach so!“




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