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Krankenpfleger rastet in Schaumburger Klinikum aus und beschimpft Patienten und Angehörige

Krankenpfleger attackiert Angehörige in Schaumburger Klinikum

RINTELN. Nach einer Operation bleiben viele Patienten noch einige Tage im Krankenhaus, um zur Ruhe zu kommen. Doch ausgerechnet ein Krankenpfleger des Schaumburger Klinikums rastete Anfang Februar während der Arbeit komplett aus, berichtet Remziye Bilgen. Sie wollte gerade ihren Mann nach einer Operation besuchen. Aus ungeklärten Gründen wurde ein Krankenpfleger plötzlich aggressiv, beschimpfte Bilgen unflätig und drohte, er werde „alle Ausländer erschießen“. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

veröffentlicht am 05.03.2019 um 14:17 Uhr
aktualisiert am 05.03.2019 um 20:00 Uhr

Das Schaumburger Klinikum. Foto: jak
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Autor

Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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RINTELN. Nach einer Operation braucht man Ruhe. Einen Ort, um langsam wieder zu sich zu kommen. Wo Wunden verheilen und das Anästhetikum seine Wirkung verlieren kann. Deswegen bleibt man nach einem größeren Eingriff üblicherweise einige Tage im Krankenhaus und lässt sich von den Fachkräften versorgen. Doch ausgerechnet ein Krankenpfleger des Schaumburger Klinikums rastete Anfang Februar während der Arbeit komplett aus, berichtet die Rintelnerin Remziye Bilgen. Sie besuchte gerade ihren Mann, der nach einem operativen Eingriff im Klinikum lag – und wurde nach eigener Aussage von einem Mitarbeiter rassistisch beleidigt und mit dem Tode bedroht. Sie hat Anzeige erstattet, ist aber auch zwei Wochen nach dem Vorfall noch immer fassungslos.

„Wie kann so ein Mann in der Pflege arbeiten“, fragt sie sich. „Der hat doch einen verantwortungsvollen Job.“ Bilgen ist ebenfalls Krankenpflegerin. „Ich kenne den Druck“, erklärt sie. Aber das könne doch keine Entschuldigung sein für einen derartigen Ausbruch. „Ich liebe auch nicht alle meine Patienten. Aber trotzdem bleibe ich immer anständig.“

Dabei fing alles ganz normal an. Ihr Mann sei am 8. Februar vormittags ins Krankenhaus bestellt worden. Vor der Operation durfte er mehrere Stunden nichts essen. Da der Eingriff mehrere Male verschoben worden war und er dementsprechend länger hatte hungern müssen, wollte Bilgen ihn nach der Operation mit etwas Leckerem überraschen und brachte ihm etwas zu essen mit.

Da ihr Mann nach dem Eingriff offenbar noch nicht versorgt worden war, kümmerte sich die examinierte Krankenschwester selbst um ihn. „Das habe ich aber niemandem übel genommen, ich wollte nur helfen“, sagt die Rintelnerin.

Doch als ein etwa 30-jähriger Krankenpfleger sie gesehen habe, hätte er direkt begonnen, sie und ihren Mann unflätig zu beschimpfen. „Ausländerschlampe“ habe er sie genannt. „Du lebst doch nur von unseren Steuergeldern“, habe er ihr an den Kopf geworfen. „Dabei habe ich drei Jobs und war in meinem ganzen Leben noch nie arbeitslos“, so Bilgen.

Als der Mann dann auch noch gesagt habe, „ich hole meine Knarre und erschieße alle Ausländer“, habe Bilgen begonnen, sich ernsthaft Sorgen zu machen. „Die anderen Schwestern haben mich schon ganz mitleidig angesehen und versucht, auf ihn einzureden“, berichtet Bilgen. Doch der Mann habe sich nicht beruhigen lassen, sei ins Schwesternzimmer marschiert – „und dann hat es dort gepoltert und gescheppert.“

Selbst gesehen habe sie nicht, wie er im Stützpunktzimmer randaliert habe. Aber später hätten ihr die anderen Mitarbeiter erzählt, er habe Geräte herumgeworfen. Bilgen nutzte den Moment und verließ das Krankenhaus, um die Situation zu beruhigen. Unten im Eingangsbereich, wo sie auf den Rest ihrer Familie wartete, sei ihr der Krankenhausmitarbeiter erneut über den Weg gelaufen – diesmal in Straßenkleidung. Er hatte offenbar – so erfuhr Bilgen später – seine Schicht frühzeitig beendet. Bilgen hatte bereits beschlossen, den Vorfall anzuzeigen. „Wir sehen uns bei der Polizei“, habe sie dem Mann gesagt. „Wir sprechen uns am Friedhof“, habe der Mann erwidert.

„Ich hatte richtig Muffensausen“, erinnert sich Bilgen. Immerhin war der Mann bei jenem Krankenhaus angestellt, in dem ihr Mann gerade mehr oder weniger wehrlos nach einer Operation lag. „Der hat doch überall Zugang, der kann doch weiß Gott was tun“, sorgte sich Bilgen um ihren Mann und andere Patienten.

Sie habe noch am selben Abend Anzeige in Rinteln bei der Polizei erstattet. Mittlerweile liegt das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Bückeburg. Am nächsten Morgen wurde sie bei der Geschäftsleitung vorstellig. Da habe diese aber schon Konsequenzen gezogen. Da der Mann am nächsten Tag Frühdienst hatte, habe der Pflegedienstleiter morgens am Eingang gewartet, um den Pfleger direkt abzufangen. „Er ist wohl nicht aufgetaucht.“ Später habe ihr die Geschäftsleitung erklärt, sie habe den Mann, der sich noch in der Probezeit befand, entlassen. Agaplesion selbst bestreitet gegenüber dieser Zeitung den Vorfall nicht, gibt aber nur eine allgemeine Stellungnahme ab (siehe Kasten).

Bilgen geht an die Öffentlichkeit, weil sie vor dem Mann warnen will. „Dem muss man seine Zulassung entziehen“, sagt sie. „Sonst macht der doch an der nächsten Klinik genau so weiter.“ Pflegekräfte hätten eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe – und für diese habe er sich disqualifiziert.

Als examinierter Krankenpfleger, mit dem Zugang zu Medikamenten, könne er auch ohne Schusswaffe jemanden töten. „Er braucht doch nur jemandem Luft zu spritzen“, sagt Bilgen. Sie denke mit Schrecken an einen derzeit in Oldenburg angeklagten Krankenpfleger, der 100 Patienten umgebracht haben soll.

Information

Stellungnahme Klinikum

Ein Gesprächsangebot der Redaktion zu dem Vorfall lehnte das Agaplesion-Krankenhaus ab. Wir drucken die schriftliche Stellungnahme im Wortlaut: „Das Agaplesion ev.. Klinikum Schaumburg ist ein weltoffenes Haus, das von seinen Mitarbeitern erwartet, dass sie unsere christlichen Werte teilen. Im Zentrum unserer Arbeit steht immer die Behandlungs- und Versorgungsqualität – dazu zählt auch ein respektvoller Umgang und ein wertschätzendes Miteinander. Das gilt auch und unabdingbar für unsere Patienten und deren Angehörigen. Wir bedauern es sehr, wenn einzelne Mitarbeiter diese Grundsätze nicht teilen. In derartigen Fällen behalten wir uns vor, personelle Konsequenzen zu ziehen.

Gewiss verstehen Sie, dass wir Ihnen aus Schutz vor der Privatsphäre unserer Patienten, Angehörigen und unserer (ehemaligen) Mitarbeiter zu konkreten Fällen keine Auskunft geben können.“jak




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