weather-image
×

Wanderausstellung über Rechtsextremismus

Lachen über rechts

RINTELN. Die Wanderausstellung über Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit ist am Mittwoch offiziell eröffnet worden. Zu sehen ist sie im ersten Stock des Gymnasiums Ernestinum.

veröffentlicht am 09.05.2018 um 15:14 Uhr
aktualisiert am 10.05.2018 um 18:10 Uhr

ri-marie-1410

Autor

Redakteurin / Online zur Autorenseite

RINTELN. Demokratie, sagt Ernestinum-Schulleiter André Sawade in seiner Begrüßungsrede, beginnt bereits in der Schule: Nicht derjenige habe automatisch recht, der am lautesten schreit. Demokratie dreht sich um Dialog, ums Aushandeln, um die Diskussion der gewählten Vertreter untereinander.

Dies sagte er zur Eröffnung der Wanderausstellung „Oh, eine Dummel! Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit in Karikatur und Satire“, die Mittwoch in der Aula des Ernstinums stattgefunden hat.

In eine ganz ähnliche Kerbe schlug Politologe Marc Schwietring, der mit einem Vortrag zum Thema „Neue Rechte im populistischen Gewand“ die Ausstellung eröffnete. „Demokratie bedeutet, dass man erst einmal miteinander ins Gespräch kommen muss“, so Schwietring. Immer wieder gebe es Konflikte zwischen den unterschiedlichen Interessensgruppen, eine Einigung gehe daher nicht auf die Schnelle.

4 Bilder
„Oh, eine Dummel“ führt auf eine Karikatur des Zeichners Ralph Ruthe zurück. Sie gab der Ausstellung ihren Namen. Foto: mld

Ziel der „Neuen Rechten“ sei hingegen die Einschränkung von Meinungsfreiheit und Freiheit im Allgemeinen, etwa die Beschränkung der Freiheit in den Medien, in der Gleichstellung zwischen Mann und Frau, im Familienbild sowie im Schulwesen. Ebenso sollen gewisse Begriffe bestimmt und besetzt werden, so wie die Wiedereinführung des Begriffs „völkisch“.

Zu der „Neuen Rechten“ zählt Schwietring Pegida, Reichsbürger, die „Identitäre Bewegung“ oder rechte Medienhäuser – und im Zentrum die AfD. Diese Partei zeige, dass rechtes und nationalistisches Gedankengut „in der Mitte der Gesellschaft“ angekommen sei. Das Meinungsklima rund um rechte Position verrohe extrem, etwa wenn AfD-Fraktionsvorsitzender Alexander Gauland ankündige, die AfD wolle die Bundesregierung „jagen“. Die Debattenkultur in der Gesellschaft werde zudem von Angst beherrscht, und auch hier sei es vor allem die AfD, die Spaltung betreibe.

Schwietring ging selber in Hameln zur Schule und wohnt mittlerweile in Berlin. Noch gebe es viele Klischees in Sachen Rechtsextremismus, etwa die Stiefelträger und „Glatzköpfe“, doch gerade durch neue Strömungen wie die „Identitäre Bewegung“, die rechtem Gedankengut ein jüngeres, cooleres Äußeres verleihen will, gebe es Rechtsextremismus mittlerweile „in vielen verschiedenen Erscheinungsformen“, so Schwietring.

Die Wanderausstellung hingegen habe zum Ziel, ein „ernstes Thema“ witzig aufzubereiten und „Rechtsextremismus mit einem Lachen zu begegnen.

Durch Dialog, Aufklärung und intensive Beschäftigung mit dem Thema „Neue Rechte“ auch an den Schulen könne die Demokratie geschützt werden, die durch nationalistische Bewegungen ebenso wie durch Terrorismus und Verlust von Meinungsfreiheit „unter Beschuss“ stehe.

Die Ausstellung umfasst etwa 60 aktuelle Karikaturen namhafter Künstler wie Ralph Ruthe, Klaus Stuttmann und Kostas Koufogioros sowie satirische Film- und Fernsehbeiträge und zahlreiche Ausstellungsstücke. Zu sehen gibt es auch eine Ausstellungszeitung, die neben einer Auswahl von Karikaturen Zitate von Künstlern wie Culcha Candela oder Milky Chance zum Thema Rechtsextremismus enthält.

Konzipiert wurde sie durch das Kultur- und Jugendzentrum CD-Kaserne Celle in Kooperation mit dem Fachdienst Jugendarbeit der Stadt Celle. Sie ist seit 2016 als Wanderausstellung zu sehen. Dass die Ausstellung nach Schaumburg kommt, ist unter anderem der Bürgerstiftung Schaumburg und der Schaumburger Landschaft zu verdanken.

Die Ausstellung ist kostenfrei für Besucher und eignet sich insbesondere für Schulklassen ab Jahrgangsstufe 9 oder auch Jugendgruppen, aber natürlich ebenso für Erwachsene.

Öffnungszeiten:

Die Ausstellung wird noch bis zum 18. Mai im ersten Stock des Ernestinums zu sehen sein. Schulfremde Besucher melden sich vorher im Sekretariat an.




Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige