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Für die Familie kann man nichts

Laienspielschar Lashorst kommt auch auf Hochdeutsch gut an

EISBERGEN. Freunde des Volkstheaters kennen (und lieben) die Laienspielschar Lashorst nicht anders, als dass die Hobbykomödianten ihre schnurrigen Stücke auf Plattdeutsch servieren. Doch bei ihrem Auftritt am Sonntag im evangelischen Kirchengemeindehaus in Eisbergen zeichnete sich eine Zeitenwende ab.

veröffentlicht am 13.03.2019 um 14:32 Uhr
aktualisiert am 13.03.2019 um 18:30 Uhr

Die Beierles haben ihre liebe Not mit der nur vermeintlichen Leiche, die Bruder Willi zu Hause zwischengeparkt hat – bis sich am Schluss des Stücks alles aufklärt und in Wohlgefallen auflöst. Foto: who
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Autor

Werner Hoppe Reporter
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EISBERGEN. Die Freunde des Volkstheaters kennen (und lieben) die Laienspielschar Lashorst nicht anders, als dass die Hobbykomödianten ihre schnurrigen Stücke auf Plattdeutsch servieren. Bislang jedenfalls war das so. Doch bei ihrem Auftritt am Sonntag im evangelischen Kirchengemeindehaus in Eisbergen zeichnete sich eine Zeitenwende ab. Die Laienspielschar verabschiedet sich auf der Bühne vom Platt und steigt um aufs Hochdeutsche.

Unter dem Publikum seien immer weniger Zuschauer zu finden, denen die plattdeutsche Sprache noch geläufig ist, begründen die Laienspieler ihre Entscheidung. Zudem werde es immer schwieriger, auch neue Mitspieler zu finden, die noch „fit op Platt“ sind.

Die Dorfgemeinschaft Eisbergen-Fülme habe es gewagt, diesen Schritt mitzugehen und das neue Stück auf Hochdeutsch auf die Bühne im Kirchengemeindehaus zu bringen, erklärte Martin Huber von der Dorfgemeinschaft beim Hochdeutsch-Probelauf in der großen Pause gegenüber dieser Zeitung. Man habe dem Experiment im Vorfeld mit gemischten Gefühlen entgegengesehen, aber das Publikum sei so gut mitgegangen, dass man davon ausgehen könne, dass der Wechsel von Platt- auf Hochdeutsch gut angenommen wird.

Und so ganz reines Hochdeutsch ist es dann wohl auch doch nicht geworden. Davon konnten sich die Fans der Laienspielschar live überzeugen. Die Lashoster haben zwar ihr spezielles Platt aufgegeben – jedenfalls auf der Bühne –, aber irgendwie findet es sich nach wie vor im typischen Tonfall und in der Mimik der Schauspieler wieder. Die Pointen funktionieren im neuen Sprachmodus eigentlich genauso wie zuvor in der Sprache vom platten Lande.

„Für die Familie kann man nichts“ heißt das Stück, mit dem die Lashorster in dieser Spielsaison auftreten. Die Handlung der Komödie: Friedhelm Beierle ist das einzige weiße in einer Familie von schwarzen Schafen. Er hat endlich seine Traumfrau gefunden und möchte sie zu Hause vorstellen. Das Problem ist nur, dass die Auserwählte seine Angehörigen erst noch kennenlernen muss, was eine ganze Reihe von unliebsamen Überraschungen mit sich bringen dürfte.

Die Beierles – Friedhelm ist die Ausnahme – sind einfach zu exotisch. Da sind seine Brüder Hubbi und Willi, die ständig Chaos anrichten. Willi ist ein hoch begabter Computerhacker, der unter anderem vom Computer der Bundesregierung aus Rücktrittserklärungen versendet. Hubbi ist dagegen ein minder begnadeter Erfinder mit einem Sprachfehler, der für Verwirrung sorgt. Und auch ihre Schwester Hermine will so gar nicht ins Bild der heilen Familie passen, besonders nachdem sie nach einem Indienaufenthalt ins Spirituelle abgedriftet ist und seither das Waschwasser – sowohl für ihre Kleidung als auch für sich selbst – scheut. Außerdem tut sie nichts, ohne zuvor die Karten, die Sterne, den Kaffeesatz oder sonst etwas zu befragen. Das Ganze ufert völlig aus, als Bruder Willi einen Job als Leichenwagenfahrer annimmt und er infolge einer Panne seines Dienstfahrzeuges seinen vermeintlich toten Fahrgast mit nach Hause nehmen muss, weil sich die Werkstatt weigert, das Fahrzeug mit „Inhalt“ zu reparieren. Damit sind die Bremsen gelöst für ungebremstes Volkstheatervergnügen. Und das funktioniert auch auf Hochdeutsch, wie die Lashorster auch bei ihrem Auftritt in Eisbergen unter Beweis stellten.




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