weather-image
Projektchor Polypop erstmals vor großem Publikum

Lampenfieber und Gänsehaut: Chormusik im Kloster Möllenbeck

MÖLLENBECK. Lampenfieber hatten sie wohl alle, die Mitglieder des im Januar vom Möllenbecker Gesangverein Polyhymnia gegründeten Projektchores Polypop, als sie bei der 31. Chormusik im Kloster erstmalig vor großem Auditorium die Lieder, die seit einem halben Jahr geübt wurden, zum Besten gaben.

veröffentlicht am 12.06.2018 um 14:31 Uhr
aktualisiert am 12.06.2018 um 17:40 Uhr

Polyhymnia und Polypop in der Möllenbecker Klosterkirche. Foto: csu

Autor:

Christel Sundermann
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wie es sich gehört, hatte es bei der Generalprobe, die in der Klosterkirche stattfand, noch hier und da ein wenig geknirscht. Auch die Akustik der wundervollen alten Kirche war für die Neulinge gewöhnungsbedürftig, kam doch der Klang irgendwie direkt zurück. So wurden denn die Skeptiker unter den Polypops schon während der letzten Übungsstunde leicht panisch, doch die Polyhymnia-Profis wussten zu beruhigen. Chorleiterin Nataly Olthoff gab gute Tipps mit auf den Weg, wie etwa die vorkonzertliche Vermeidung von Schokoladen- oder Nusstorte vom reichhaltigen Pausenbuffet oder ein wenig Weinbrand zur Beruhigung – natürlich nur „ein winziges Schlöckchen!“. Wie erhofft wurde der Auftritt ein Erfolg. Nach einer schwungvollen Sommermelodie erklangen „Ich wollte nie erwachsen sein“ aus Tabaluga und „Liebe ist alles“ von Rosenstolz nachdenklicher.

Über einen bunten Strauß von lauter schönen Melodien durften sich die Besucher der traditionsreichen Chor-Musik im Kloster freuen. Die Chöre waren so unterschiedlich wie ihr Repertoire und brachten für jeden Geschmack das Richtige zu Gehör. Mit „Morgenlicht leuchtet“ startete der Auftritt des Frauenchors der evangelisch-reformierten Gemeinde Möllenbeck. Die Damen spannten einen musikalischen Bogen über den irischen Segenswunsch „Möge die Straße“ bis hin zu dem lateinischen Gebet „Da pacem Domine“.

Mit einem bunten Potpourri aus lauter alten Kinderliedern, liebevoll zum Kanon arrangiert, überraschte die Singgemeinschaft Springe, der wohl stimmstärkste Chor an diesem Nachmittag. In das alte Lied vom „Lindenbaum“ hätte sicher so mancher Zuhörer im Publikum gerne eingestimmt – aber bestimmt ebenso in das „Ich war noch niemals in New York“ und in Nenas „Wunder gescheh’n“ von der Polyhymnia. Für Shanty-Feeling sorgte der Männergesangverein Concordia Engern. Die Sänger kündigten mit Mundharmonikabegleitung „Die Windjammer kommen“ an und erzählten von einem „Sonntagmorgen in den Bergen“.

Der Männergesangverein Concordia Engern. Foto: csu
  • Der Männergesangverein Concordia Engern. Foto: csu
Nataly Olthoff und Kasimir Tarnowski. Foto: csu
  • Nataly Olthoff und Kasimir Tarnowski. Foto: csu

Während der Pause erwartete Sänger und Gäste ein umfangreiches Tortenbuffet, für das, wie in jedem Jahr, viele Helfer aus dem Klosterdorf gesorgt hatten, die „ihren“ Gesangverein ebenfalls bei der gesamten Organisation dieses Traditionsevents tatkräftig unterstützten.

Gern gehörte musikalische Höhepunkte des weiteren Programms waren die Intrada, mit der Kasimir Tarnowski, begnadeter Komponist und jahrelanger Wegbegleiter von Polyhymnia, das Publikum empfing und sein Andante Festivo, mit dem er auf den zweiten Teil des Konzerts einstimmte. Die „Kleine Melodie“ schien er Chorleiterin Nataly Olthoff auf den Leib geschrieben zu haben. Wer Operetten und Liebeslieder mag, kommt an „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Lehárs „Land des Lächelns“ nicht vorbei. Und so sang die Sopranistin mit diesem Lied den meisten Zuhörern mit ihrer glockenklaren Stimme, die atemberaubend schön durch das alte Kirchenschiff perlte, eine Gänsehaut.

Nachdem für Interpreten wie Publikum dieser Nachmittag voller Musik und Freude fast ein wenig zu schnell verging, war dann die deutsche Fassung von „Auld lang Syne“ als gemeinsamer Schlussakkord von Polyhymnia und Polypop ein bisschen wehmütig. Doch es ist nicht lange Zeit zum Traurigsein, denn wer bald einmal wieder Chormusik im Klosterdorf genießen möchte, sollte sich den 1. Juli vormerken. Dann wird im Hofgarten am Kloster gesungen und alle dürfen mitmachen. Mitsingen bei Polyhymnia Möllenbeck geht übrigens immer – Proben finden an jedem Dienstag ab 19.30 Uhr im Gemeinderaum des Klosters statt.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare