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Große Resonanz für Vortrag von Margot Käßmann / Rintelner Abendgespräch im Ratskellersaal

Landesbischöfin: „Predigen heißt erzählen!“

von Ulrich Reineking

veröffentlicht am 10.06.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 20:21 Uhr

Wenn Landesbischöfin Margot Käßmann von der „Heiterkeit im

Rinteln. Sie kam in historischer Mission nach Rinteln, die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann – und das nicht aufgrund der Tatsache, dass sie selbst in diesem Jahr ihr zehnjähriges Amtsjubiläum feiern kann.

Im Calvin-Jahr 2009 wollte sie im Rahmen der „Abendgespräche“ eine Positionsbestimmung des Protestantismus im zweiten Jahr der Luther-Dekade vornehmen, die ihren Höhepunkt im Jahre 2017 bei der 500. Wiederkehr des Thesenanschlags finden wird.

Dabei gestattete sie sich angesichts der weltweiten Bedeutung der lutherischen Kirchen auch den ironischen Schlenker, die touristische Relevanz des Ereignisses zu würdigen, in das sich selbst Jüterbog als „Tetzel-Stadt“ antithetisch einbringen will.

Plakativ benannte sie die vier Themen, die bis dahin „abgearbeitet“ werden: „Bibel, Beten, Bildung und Bekenntnis“ und bezeichnete es als durchaus passend, dass die Tagung des Lutherischen Weltbunds im Jahre 2010 in Deutschland stattfinden wird und eben nicht 2017 angesichts der globalen Gewichtung der reformatorischen Kirchen.

Die Christen müssten verstehen, biblische Texte immer wieder neu zu verstehen – und die Kirche müsse den erzählenden Charakter in der Predigt deutlich werden lassen – auch als Beitrag zum interkulturellen Verstehen.

Fern von Esotherik und Wellness-Beliebigkeit

Dabei dürfte nicht ausgeklammert werden, dass es auch biblische Stellen gerade im Alten Testament gibt, die in ihrer Radikalität und Schroffheit und selbst in ihrem Gottesbild nur schwer zugänglich sind.

Diese Unzugänglichkeit mache auch vor manchen Aspekten der Persönlichkeit Luthers nicht halt – etwa in dessen Haltung zu den Juden und in seiner Ablehnung mancher sozialer Bewegungen seiner Zeit.

„Beten ist das Herzstück“, fördere die ökumenische Reflexion und bediene auch die Sehnsucht nach Spiritualität als „Glaubenserfahrung mit allen Sinnen“ und fern von Esoterik und Wellness-Beliebigkeit. „Und wichtig ist dabei die Bekräftigung durch das Amen!“

Im kommenden Melanchthon-Jahr gelte es, auch die Bedeutung der Reformation für das Bildungswesen zu betonen, aus der sich auch die Notwendigkeit eines schulischen Religionsunterrichts ableite: „Alle Untersuchungen belegen, dass daran teilnehmende Kinder größere Aufgeschlossenheit gegenüber ihren Kameraden aus anderen Kulturen zeigen.“ Auch die Bedeutung von Kunst und Musik für das gemeindliche Leben gelte es, herauszustellen – vielleicht auch im Sinn der immer wieder vermissten „Glaubensheiterkeit“, von der selbst Nietzsche meinte, dass ihm etwas erlöster und gelöster wirkende Gläubige wohl den Zugang zum Christentum erleichtert hätten.

Andererseits könne das gottesdienstliche Leben nicht „wie ein ständiger Kirchentag daherkommen“. Umso wichtiger sei es, in der Öffentlichkeit immer wieder die Gesamtheit des kirchlichen Lebens darzustellen, wie es sich den sozialen und kulturellen Herausforderungen der Zeit stellt.

In der Einheit liegt die Vielfalt

Nach einer kurzen „Atempause“ moderierte Superintendent Andreas Kühne-Glaser noch ein interessantes Gespräch zwischen dem Publikum und der Vortragenden, in dem Fragen des Gottesdienstes und dem Schutz des Sonntages ebenso angesprochen wurden wie die Zukunft der Ökumene und dabei insbesondere das Verhältnis zur katholischen Kirche.

Käßmann beschwor dabei erneut die „Einheit in der Vielfalt“ und die Hoffnung auf das gemeinsame Abendmahl und kommentierte dem zuwiderlaufende Tendenzen in der katholischen Kirche sinngemäß: „Das ist ein Problem, das wir als evangelische Kirche nicht haben!“

Mit Abendlied, Gebet und einer Segnung der Anwesenden durch die Bischöfin endete die Veranstaltung, an deren Gedankenfülle sicher auf dem Weg zum Luther-Jahr noch wiederholt erinnert wird.




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