weather-image
×

Bereits vierte Protestaktion in Rinteln / Lieferungen für 75 Märkte blockiert

Landwirte bestreiken Aldi fast 24 Stunden lang

RINTELN. Vor dem Aldi-Zentrallager im Industriegebiet-Süd versammelten sich Montagabend über 70 Landwirte aus den Kreisen Lippe, Schaumburg und Hameln-Pyrmont. Sie haben Angst um ihre Existenz, denn der Lebensmitteldiscounter will in den nächsten Tagen die Butterpreise erheblich senken will. Am Dienstagabend gegen 19 Uhr waren die Landwirte immer noch vor Ort.

veröffentlicht am 29.12.2020 um 18:43 Uhr

tol-szlz

Autor

Fotoreporter zur Autorenseite

Bereits Montagabend rollten erneut Traktoren zum Aldi-Zentrallager. Diesmal nahmen deutlich mehr Landwirte an dem Protest teil. Gegen 20 Uhr hatten über 70 Landwirte die Hauptzufahrt in der Heisterbreite blockiert. Zuletzt protestierten die Landwirte an dieser Stelle vor drei Wochen, am 7. Dezember.

Die damals zugesagten Verhandlungen hatten zwar begonnen, doch sie sind noch nicht zur Zufriedenheit der teilweise „kleineren Landwirte“. „Wir werden nicht gehört.“ „An den Tisch müssen Landwirte mit Stallgeruch“ gaben sie an. Von versprochenen Geldern ist noch kein Cent auf ihren Höfen angekommen. Pacht, Fuhrpark und Futter müssen allerdings weiter bezahlt werden. Viele Betriebe haben Angst um ihre Existenz.

Zum Sieden brachte jetzt ihren Unmut, dass der Lebenmitteldiscounter Aldi angekündigt hat, in den nächsten Tagen die Butterpreise erheblich senken will. Um 60 Cent soll der Kilopreis gedrückt werden. Da sehen die Landwirte „schwarz“ für ihre Zukunft. Von den aktuellen Milch- und Butterpreisen können sie nicht wirtschaftlich arbeiten.

3 Bilder

Ihre Blockade bestand gestern Abend, zu Redaktionsschluss, bereits 24 Stunden. In dieser Zeit konnte kein Lastwagen von aldi einen der rund 75 Märkte beliefern.

In den Straßen des Industriegebiets stauten sich Lastwagen verschiedener Speditionen, sie wollten das Zentrallager beliefern. Nur wenige konnten tatsächlich auch abladen. Einige Fahrzeuge standen bereits Montagabend in der Anlieferspur und konnten Dienstag früh auf das Firmengelände fahren und abladen.

Diese Fahrer konnten danach ihre Fahrt nicht sofort fortsetzten. Die Landwirte hatte Sorge, dass diese Lastwagen nun Ware zu den Märkten bringen könnten. Hier vermittelte die Polizei Rinteln, die stets mit Beamten vor Ort war. Nach etwas Wartezeit und einem polizeilichen Blick auf die leere Ladefläche durften diese Lkw die Traktorschleuse passieren.

Im Lauf des Vormittags gab es ein weiteres Einlenken der Landwirte. Mehrere Kühllastwagen mit Lebensmitteln wurden auf das Gelände gelassen. Sie konnten somit abladen, auch ihre Weiterfahrt war erst nach einer Pause möglich.

Gegen 15.45 Uhr verließen die letzten Fremd-Lkw das Zentrallager. Danach wollten die Landwirte auch ein Entgegenkommen von Aldi sehen. Von anderen Blockaden etwa in Hesel (Landkreis Leer) verbreiteten sich Gerüchte, dass Aldi den Butterpreis nicht so stark reduziert werden wolle. Dies wollten die in Rinteln versammelten Landwirte gerne schriftlich und baten die Polizei, der Geschäftsführung in Rinteln dies mitzuteilen. Bis zum Abend gab es kein entsprechendes Schriftstück.

Aus verschiedenen Telefonaten erfuhren die Landwirte, dass Aldi den Butterpreis nicht selbst festlege – dieser werde von den Molkereien gemacht. Der Lebensmitteldiscounter signalisierte weitere Gespräche. „Dies verzeichnen wir als Erfolg“, so Anthony-Robert Lee , stellvertretender Vorsitzender vom Landvolk Weserbergland, „und werden uns Stück für Stück zurückziehen.“

In der Heisterbreite wurde bei Redaktionsschluss noch immer blockiert. Es war unklar, ob die Landwirte sich mit einer mündlichen Stellungnahme begnügen, oder auf eine schriftliche Antwort beharren.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige